ruhte und an buddhistische Tempel erinnerte . Nur auffallend gepflegt war alles , und in den Wegen des Gartens lag nicht der geringste Unrat . Ganz wie im Petang . Sauberkeit war also offenbar eine Eigenschaft der Europäer . Doch da kam ihnen schon vom Hause her ein anderer Diener entgegen , der ebensolch schöne seidene Kleider trug wie der Onkel . » Die Taitai ist mal wieder schrecklich ungeduldig « , sagte er , » und frägt beständig , ob Ihr noch immer nicht mit Eurem Neffen da wärt . Ich sollte sogar schon gehen nach einem anderen Knaben zu suchen , aber ich habe es hinausgeschoben , denn ich wollte doch nicht , daß Ihr Euer Gesicht verlört . « » Wie die Kinder sind sie doch alle , « murmelte Kuang yin , » wenn sie etwas wollen , strecken sie die Hände aus und schreien , um es rascher zu bekommen . « Durch ein Vorzimmer und andere Räume gingen sie nun , und Tschun glaubte in einem chinesischen Kuriositätenladen zu sein , so viel Bronzetiere , Cloisonné-Vasen , Lackkästen und Nephritschalen standen da allerwärts herum . Daneben freilich gab es vergoldete Möbel , riesige Spiegel , Teppiche , Kronleuchter und Bilder , die nicht gerollt wurden , sondern in breiten Rahmen hingen . Lauter Dinge , die Tschun noch nie gesehen hatte . Er war doch sehr verwundert über alles , aber er zeigte äußerlich nichts von seiner Erregung , sondern bewahrte völligen Gleichmut , wie es sich für den Abkömmling einer uralten Rasse ziemt , die das Erstaunen der Neulinge auf Erden seit Jahrtausenden nicht mehr kennt . Nun traten sie in den großen Saal , wo das Fest stattfinden sollte . » Die Taitai , « flüsterte Kuang yin , und Tschun machte , wie der Onkel , einen kleinen Knix und streifte mit der Hand den Boden . Die Taitai hatte leider auch das seltsame Haar , dem die Fremden ihren Namen der rothaarigen Teufel verdanken , aber im übrigen gefiel sie Tschun eigentlich sehr gut . Sie sah ihn so freundlich an , nur schade , daß ihre Augen statt dunkel so merkwürdig blau waren , und sie gab Tschun auch gleich ein großes Stück Kuchen . Sie selbst aß aber sicher sehr wenig , denn um den Magen herum war sie schrecklich dünn und trug einen festen Ledergürtel . Tschun , der bisher nur Chinesinnen und Mandschufrauen in dicken , abstehenden Jacken und weiten Gewändern gesehen hatte , fand es sehr merkwürdig , daß das Kleid der Taitai so eng wie eine zweite Haut auf ihr lag . Es mußte sehr unbequem sein ! Die Taitai sprach furchtbar rasch in ihrer fremden Sprache mit Kuang yin , der zu Tschuns großer Bewunderung es offenbar alles verstand und ebenso antwortete . Dann kam ein fremder Herr , der Chinesisch konnte . Der redete Tschun an und erklärte der Taitai , sein ganzer Name heiße Tschun fung , was Frühlingswind bedeute . Das schien der Taitai ganz besondere Freude zu machen , denn sie lachte ganz laut . Und Tschun dachte : Was ist dabei nur so komisch ? Der Tag verging nur allzu rasch mit allerhand Vorbereitungen . Tschun mußte einen merkwürdigen Anzug anprobieren , den er in dem Bild tragen sollte ; er saß ihm nicht ganz richtig , und eine alte fremde Dienerin der Taitai , die man Madame Angèle nannte , änderte ihn auf ihm . Sie kniete dabei vor Tschun auf dem Boden , tat eine Anzahl Stecknadeln in den Mund , als wolle sie sie verschlucken , nahm sie dann aber eine nach der anderen wieder heraus und steckte damit den Anzug zurecht . Es war sehr unheimlich . Die Taitai stand dabei und trieb zur Eile an . Als Tschun dann fertig war , nahm ihn die Taitai bei der Hand und lief mit ihm in das Zimmer ihres Mannes , des Ta-jens . Tschun begriff aus den Gesten der Taitai , daß der Ta-jen ihn und seinen Anzug bewundern sollte , doch der saß vertieft in große Zeitungen da und wehrte nur mit der Hand ab , als seien Tschun und die Taitai lästige Mücken . Tschun fand das ganz in der Ordnung , denn wie sollte so ein großmächtiger Herr , dem die Massen kostbarer Dinge in dem Hause gehörten , Gedanken für einen kleinen chinesischen Jungen haben . Aber für die Taitai tat es ihm leid , denn sie sah darauf ganz verstimmt aus . Und Tschun dachte : sie hätte nicht so hereinlaufen sollen , während der Ta-jen arbeitete , lehrt doch Konfuzius , daß die tugendhafte Frau vor dem Mann sein soll gleich einer schüchternen Maus . - Das ganze Fest schien plötzlich der Taitai keinen Spaß mehr zu machen ; als sei sie schrecklich müde , warf sie sich im Salon der Länge lang auf eines der weichen , bettartigen Möbel , die Tschun früher nie gesehen hatte , und rauchte eine Zigarette nach der anderen , und wie Madame Angèle hereinkam und etwas frug , gab sie keine Antwort , sondern machte nun ihrerseits eine Gebärde , als wolle sie eine lästige Mücke abwehren . Madame Angèle verschwand auch ganz rasch , und Tschun sah , wie sie erschreckt die Augenbrauen und die Schultern in die Höhe zog . Dann kam aber Kuang yin und meldete etwas , und nun war die Taitai wieder ganz verändert , sprang auf , warf die Zigarette weg und zog sich die Löckchen vor einem der großen Spiegel zurecht . Da ging auch schon wieder die Tür auf , und ein junger Herr kam herein , und der tat etwas , was Tschun ganz rätselhaft fand : er drückte seine Lippen auf die Hand der Taitai ! Dann mußte der Herr Tschun in dem schönen Anzug betrachten , und dabei benahm er sich ganz anders wie vorhin der Ta-jen , klopfte Tschun auf die Schulter und sagte ein über das andere Mal