von Prag und dem übermütigen Studententreiben in den Bursen . Lampert erzählte auch , doch er blieb zerstreut und kam nicht in rechte Laune . Auch der Vater war nachdenklich und wortkarg . Sogar der Würzwein , der nach der Mahlzeit zum üblichen Schlaftrunk aufgetragen wurde , verbesserte des Amtmanns Stimmung nicht . Und plötzlich murrte er : » Das Ding mit den Kühen auf dem Hängmoos will mir nimmer aus dem Kopf . Ich muß da auf reinen Tisch kommen . Sag mir - « Die Mutter witterte gleich wieder eine Gefahr und unterbrach : » Geh , Ruppert , laß die Sach heut gut sein ! Ob Küh oder Ochsen - « » Das verstehst du nicht . « » Aber ich versteh , daß unser Bub nach so einem schweren Ritt die Müdigkeit in allen Knochen haben muß . Er soll zur Ruh gehen . « » Ja , Mutter ! « Rasch erhob sich Lampert . » Gute Nacht , Vater ! « Er ging zur Türe . Als er schon die Klinke in der Hand hatte , zwang ihn die wunderliche Unruhe , die in ihm wachgeworden , zu einer Frage . » Vater ? Auf dem Heimweg bin ich durch die Ramsau gekommen . Und hab den Runotterhof gesehen . Und hab vernommen , der Runotter wär wieder Richtmann in der Ramsauer Gnotschaft . Was ist der Runotter für ein Mensch ? « » Das ist von den Verläßlichen einer ! « sagte der Vater , dem der seltsame Klang in der Stimme seines Sohnes aufzufallen schien . » Viel Kummer ist dem Mann ins Leben gefallen . Aber er ist ein Treuer und Redlicher geblieben . « Lampert atmete erleichtert auf . » Gute Nacht , Vater ! « » Bub ? « Der alte Someiner erhob sich . » Die siebzehn Küh auf dem Hängmooos ? Hast du die wahrhaftig selber gesehen ? Mit eignen Augen ? « Lampert sagte ruhig : » Ja , Vater ! Wenn der Runotter so ein Redlicher ist , da brauch ich doch nicht zu lügen . « Er ging . Und die Mutter in ihrer Sorge lief ihm nach und fragte draußen auf der Treppendiele : » Was ist denn los ? « » Ich kenn mich selber nicht aus . Es ist mir jäh eine Sorg ins Herz gefahren , ich weiß nicht , warum . Aber jetzt bin ich wieder ganz in Ruh . « » Gelt , ja ! « Die Mutter streichelte dem Sohn die Wange . » Was schieren dich am End die Ochsen oder Küh der Ramsauer Bauern ? « Sie lachte ihren Buben an . Doch als sie zurückkam in die Stube , wo Herr Someiner nachdenklich auf und nieder schritt , sagte sie ein bißchen verdrießlich : » Allweil mußt du aus jedem Bläslein eine Blatter machen ! « » Das verstehst du nicht ! Recht muß Recht sein und Unrecht ist Unrecht . Freilich , es könnt auch sein , daß ich selber mich irr . Ich hab den Hängmooser Weidbrief schon lang nimmer angeschaut . Aber ich muß das wissen - « Während dieser Worte hatte der Amtmann an einer Kerze des Deckenleuchters einen Span entzündet . Er brachte das Licht einer kleinen Laterne in Brand . » Aber Mann ! Wo willst du denn heut noch hin ? « » Hinunter in die Amtsstub , den Hängmooser Weidbrief nachlesen . « » Da ist doch morgen auch noch Zeit dazu . « » Unrecht soll keine Nacht überschlafen . « Während Frau Someiner seufzend den Kopf schüttelte , nahm der Amtmann aus einem Wandkästlein des Erkers einen dicken Schlüsselbund heraus . Drunten zu ebener Erde mußte er drei Schlösser aufsperren , am Gitter , an der Tür und an dem großen , schwer mit Eisen beschlagenen Aktenschrank der Amtsstube . Aus einem Gewirr von Papieren und Pergamenten suchte der Amtmann ein gesiegeltes Blatt heraus , den Hängmooser Almbrief . Und kaum hatte Herr Someiner beim trüben Schein der Laterne zu lesen begonnen , da ließ er im Zorn seine Faust auf das Schreibpult niederfallen . » Das ist eine Frechheit ohnegleichen ! « Hier war es seit fünfundsechzig Jahren verbrieft und gesiegelt : Auf dem Hängmoos durfte kein Käser stehen , keine feuerbare Hütte , nur ein Wetterschlupf für den Ochsenhirten , und Milchkühe durften nicht aufgetrieben werden , nur zwanzig zwiesömmerige Kalben und an mastbarem Galtvieh sechzig Ochsen . Und nun stand wider Recht und Fug auf dem Hängmoos eine Käserhütte ! Und Milchkühe wurden aufgetrieben ! Wider Fug und Recht ! Wohl litt das Stift keinen rasch erkennbaren Schaden dabei . Aber Recht ist Recht . Und was die Ramsauer da verübten , war unbotmäßiger Eigenwille und grobes Verbrechen wider die Hoheitsrechte des fürstlichen Stiftes . So sah es für den Amtmann Someiner aus , dem die anmaßende Willkür der Holden und Eigengütler das Leben verbitterte . Seit das Stift um der Last seiner Schulden willen gezwungen war , ein Schupflehen ums andre an vermöglich gewordene Bauern als Erbrecht zu verkaufen , wurde der Untertanen Übermut und Anspruch ärger von Jahr zu Jahr . Neben Herrenstand und Bürgertum begann sich als ein dritter Stand die Bauerschaft emporzustrecken . Schon hatten sich in der Scheffau , zu Bischofswiesen , in der Schönau , in der Gern und Ramsau die Erbrechter und Eigengütler zu Gnotschaften zusammengetan , hatten Fürständ und Sprecher gewählt . Und in den Zeiten der üblen Wirrnis , da das ganze Berchtesgadener Land an das Salzburger Erzbistum verpfändet war , hatten es die trutzbeinigen Bauernschädel durchgesetzt , daß man den Gnotschaften Wort und Vertretung im Rat der Landschaft zubilligen mußte . Und seit sie mitschreien durften , meinten sie auch mitbefehlen zu dürfen , vermaßen sich umzustoßen , was verbrieftes und gesiegeltes Recht war , und meinten ihren Trutzwillen durchsetzen zu können wider des Fürsten Gebot und Eigentum . Was da nun wieder die Ramsauer gegen Wort und Meinung eines gesiegelten