Knütten doch wieder . Und er müsse seine Bunge auch klar haben , verteidigte Störtebeker sich , denn sein Vater solle sie ihm noch einstellen . Was sie wohl meine , die ganzen Gräben säßen voller Hechte . Dann sollten sie mit ihrem Kram nach der Küche oder nach dem Boden oder nach dem Ewer gehen , fing Gesa wieder an , die sich über sie ärgerte . Sie sollten sich doch nicht von den Leuten sehen lassen , denn am Deich sprächen sie sicherlich wieder davon und hielten sich darüber auf . » Lot jüm , Mudder « , erwiderte Klaus sorglos , » ik bliew doch hier , mag to giern sehn , wenn welk uppen Diek langs goht un mi inne Finstern kiekt . « Und er füllte die Nadel , die leer geworden war , und knüttete weiter . Gesa aber ging kopfschüttelnd aus der Stube und machte sich in der Küche zu schaffen , von wo sie über die Bauerndächer und Obstbäume nach ihrer Heimat sehen konnte , nach den blaugrauen Bergen der Geest . Sie konnte die Fischer nicht verstehen ! Sie war auch keine Fischerfrau geworden und fühlte wieder mit bitterem Schmerz , daß aus ihr niemals eine werden konnte . Immer noch graute ihr vor dem Wasser , und alle Schiffahrt war ihr fremd und unverständlich . Sie konnte sich nicht helfen . Das eine ließ sich nicht abschütteln und das andre nicht lernen . Klaus rüstete mit Gewalt zur Fahrt : sie sah ihre böse Zeit kommen , sie hörte schon den Regen gegen die Fenster schlagen und den Wind an der Tür saugen und wußte nicht , wie sie es wieder ertragen sollte , ihren Mann auf See zu wissen . Sie liebte ihn tief und heiß und lag in seinen Armen wie im Sonnenschein , aber seine Fahrten machten sie bange , und sie wünschte im Herzen nichts sehnlicher , als daß er kein Seefischer wäre , sondern Bauer oder Handwerker oder sonst etwas anderes an Land . Könnte er nicht etwas anderes beschicken , könnte er nicht sein Fahrzeug verkaufen , wie andere Fischer es getan hatten ? Aber Klaus Mewes - und das tun ? Sie mußte doch lächeln über den Gedanken . Bis Blankenese müßte es gewiß zu hören sein , sein Lachen , wenn sie davon spräche , daß er an Land bleiben solle . Da saß sie nun in ihrem Glück , um das die ganze , arme Heide sie beneidete , war eine große Seefischerfrau mit Haus und Hof und Deich , der jede Reise die Hundertmarkscheine auf den Tisch flogen , und war doch nur ein armes Weib voll Unruhe und Bangigkeit , die immer und überall Wetter und Wolken aufsteigen sah und ihres Lebens nicht froh werden konnte . Wie manchen Tag sehnte sie sich schon nach der stillen , einsamen Geest zurück , wo sie nichts von Schiffen und von Seefahrt gewußt hatte , wie manchen Tag , wenn die Elbe in Gischt und Schaum einherging ! Wie manche Nacht ließ der Wind sie nicht einschlafen , wie manches Mal jagten die Blitze sie aus dem Bett , wie oft erschreckten sie die Stimmen der geängstigten Schiffahrt im Nebel ! Und immer allein zu sein ! Der Mann war auf See , der Junge auf der Elbe ! Mit den Finkenwärder Frauen aber hatte sie wenig Verkehr und Freundschaft , weil sie fühlte , daß sie als Butenländerin nicht ganz für voll angesehen wurde . Wie wichtig sie es in der Dönß hatten ! Als wenn sie sie gar nicht vermißten ! Wie sie lachten , Klaus Mewes am lautesten ! Dieses Lachen hatte es ihr angetan , als er um sie geworben hatte , denn so hatte sie noch niemals jemand lachen gehört ! Das hatte sie in seine Arme gedrängt , hatte sie von der Geest in die Marsch gelockt , von dem Heidehof in das Fischerhaus , und hatte sie nicht an die Not und Schwere des Seefischerlebens denken lassen . Vergessen wares gewesen , was sie gehört und gelesen hatte von Sturm und Untergang : wo einer so lachen konnte , da konnte weder Unglück noch Gefahr sein , hatte sie gemeint , als Klaus sie freite . Er lachte noch just so wie damals , er hatte es noch nicht verlernt , aber sie konnte es jetzt nicht mehr ohne Schmerz hören , es schnitt ihr ins Herz , wenn sie an das Finkenwärder Elend , an die Witwen und Waisen , an all die Tränen und unruhigen Stunden dachte , es kam ihr wie ein Frevel , wie eine Sünde vor . Daß er so verwegen war , machte ihr das Herz noch schwerer , und eine trübe Ahnung früher Witwenschaft hing ewig wie ein dunkles Gewölk über ihrem Leben . Wie laut sie erzählten , die beiden Seefischer ! Gewiß von nichts anderem als von Fahrt und See , und die durstige Seele des Jungen trank es . Der war schon der See verfallen , war dem Deich und ihr schon verfremdet und wurde es von Tag zu Tag mehr . Es war ja schon ausgemacht , daß er den Sommer mit an Bord solle : all ihr Bitten war bisher vergeblich gewesen . Es war ein Herzleid , ein hartes Leid ! An sie und ihre Heide dachte kein einziger , niemand bekümmerte sich darum . Wie lange Zeit war sie nicht mehr zu ihren Eltern gekommen , die ihren Enkel kaum kannten ! Klaus lachte , wenn sie davon sprach , sie solle gern hingehen und alle grüßen , aber was er auf der Geest beschicken solle ? Er könne auch so weit nicht laufen . Den Jungen bekam sie nur mit halber Gewalt dazu , daß er mitging . Seitdem er wußte , daß sein Vater sich nichts aus der Geest machte , trug auch er kein Verlangen danach . Dort sei für einen Seefischer nichts zu lernen , echote