den Wellen zu halten , die Hängematte zu spielen ? « » Du , « meinte Doralice , » du bist ja so stark . « Befriedigt lehnte Hans sich in seinen Stuhl zurück , goß sich Wein ein , er schüttelte sich vor Gemütlichkeit , als sei eine Gefahr glücklich vorübergegangen . » Und all das kommt daher « , erklärte Hans und stach dozierend mit seiner Pfeife in die Luft hinein , » uns fehlt eine gewisse Enge , eine Gebundenheit , Form , Form , Form , das ist es , das macht reizbar und unsicher . Von Unendlichkeiten kann man nicht leben . Immer kann der eine nicht stehen und den anderen zwischen Himmel und Meer in den Mondschein hineinhalten . Also wir müssen unser Leben einteilen , regelmäßige Beschäftigung , Haushalt , eine Alltäglichkeit müssen wir haben , der ewige Feiertag macht uns krank . « » Du könntest ja wieder malen « , warf Doralice hin . » Das werde ich auch « , rief Hans hitzig , » glaubst du , ich werde ruhig dasitzen und von deinem Gelde leben ? « - » Ach was , das dumme Geld . « » Gleichviel , ich werde arbeiten , ich weiß auch , was ich zu malen habe , ich studiere meine Modelle , euch beide . « - » Uns beide ? « » Ja , dich und das Meer . Ihr beide müßt zusammen auf ein Bild und eine Synthese von dir und dem Meer , verstehst du ? « - » Ja so « , bemerkte Doralice , » ob du nicht versuchst , zuerst das Meer zu malen . Du sagtest doch , daß du mich nicht malen kannst . « Das ärgerte Hans wieder . » Ja dort , dort konnte ich dich allerdings nicht malen . Ich war berauscht von dir . Man muß doch seinem Modell auch einigermaßen objektiv gegenüberstehen . « - » Stehst du mir jetzt objektiv gegenüber ? « fragte Doralice verwundert . » Ja , « meinte Hans , » es kommt wenigstens allmählich und das haben wir nötig , etwas Nüchternheit , so eine selbstgeschaffene Bürgerlichkeit , in die man sich fest einschließt . Du sprachst da vorhin wegwerfend von Kartoffelsuppe , ich möchte sagen , kein Leben , auch das idealste , ist möglich , in dem es nicht einige Stunden am Tage nach Kartoffelsuppe riecht . « Er lachte und sah Doralice triumphierend an , stolz auf seine Bemerkung . Doralice seufzte : » Uff , wenn man da nur atmen kann , ganz eng , fest eingesperrt und riecht nach Kartoffelsuppe . Eine Welt , als ob Agnes sie geschaffen hätte . « » Bitte , « sagte Hans empfindlich , » wer da nicht atmen kann , darf hinaus , wir sind freie Menschen , daß wir uns selbst binden , ist unsere Freiheit , aber keiner von uns ist gebunden . « Doralice zog die Augenbrauen in die Höhe und sagte ziemlich schläfrig : » Ach , lassen wir doch die alte Freiheit . Es ist ja ganz hübsch , wenn eine Tür immer offen steht , aber man braucht doch nicht beständig drauf hinzuweisen . Die Freiheit wird dann fast ebenso langweilig wie das tenue ma chère dort , du weißt . « Hans schaute Doralice bestürzt an . Er wollte etwas sagen , verschluckte es jedoch . Er erhob sich und begann im Zimmer auf- und abzugehen , er ging schnell , stapfte stark mit seinen Filzschuhen auf den Boden . Doralice folgte ihm neugierig mit den Blicken . Jetzt war er zornig , jetzt würde er leidenschaftlich losbrechen , sie freute sich darauf , sie liebte es , wenn er die Worte so heiß hervorsprudelte und ein Gesicht machte wie ein zorniger Knabe . Das hatte ihr an ihm gefallen dort in der Welt der beständigen Selbstbeherrschung . Aber es wollte nicht kommen , immer noch ging er schnell und schweigend in dem engen Raum umher . Plötzlich blieb er vor Doralice stehen , kniete nieder mit beiden Knien hart auf den Boden schlagend und legte seinen Kopf auf Doralicens Knie und so begann er zu sprechen leise und klagend : » Wie kannst du das sagen , ich - ich - ich weise auf die Tür hin . Aber wenn du zu dieser Tür hinausgingst , dann wäre es aus , dann hätte nichts mehr einen Sinn , dann hätte ich keinen Sinn , dann hätte die ganze Welt keinen Sinn . « Doralice strich mit der Hand ihm leicht über das krause Haar . » Nein , nein « , sagte sie und das klang müde und mitleidig zugleich , » zusammen , wir bleiben zusammen , wir beide sind ja doch miteinander ganz allein . « Hans richtete sich auf , er lachte wieder , zuversichtlich und triumphierend , indem er Doralicens Arm faßte und ihn schüttelte : » Das will ich meinen und ich werde auch dafür sorgen , daß niemand an dich herankommt . « Dann nahm er ihre kleine Gestalt auf seine Arme , wie man ein Kind nimmt , und trug sie in das Schlafzimmer hinüber . Zweites Kapitel Der Morgen dämmerte , als Doralice erwachte . So war es jetzt immer , wenn sie sich niederlegte , schlief sie schnell und tief ein , aber lange vor Sonnenaufgang erwachte sie , und es war mit dem Schlaf zu Ende . Dann lag sie da , die Arme erhoben , die Hände auf ihrem Scheitel gefaltet , die Augen weit offen und schaute der graublauen Helligkeit zu , wie sie durch die weiß-und rotgestreiften Gardinen in das Zimmer drang , den Waschtisch , die beiden plumpen Stühle , den großen gelben Holzschrank aus der Dämmerung herausschälte , das Zimmer erhellte , ohne es zu beleben , gleichsam ohne es zu wecken . Und dieses Zimmer , klein wie eine Schiffskabine , erschien Doralice als etwas ganz