ja - natürlich - warum nicht ? Mir macht das großen Spaß . Die Honigaugen ! « » So laß ihn doch « , - warf Karola hin . » Ich lasse ihn ja « , - versicherte Werland . » Wie gesagt , es macht mir Spaß . Nur manche Abende fallen diese Augen mir auf die Nerven . Laß ihn nur auf sein Zimmer gehn . Heute ist so was wie Mondschein am Himmel . Da kann er ja dichten . Herr Pichwit dichtet nämlich . Honig in den Augen und Chinin im Herzen , bittersüß , das gibt bei diesen jungen Leuten jedesmal einen Lyriker . Oh ! Du verflucht ! « Er faßte sich an sein Bein . » Karola - Kind - komm , reib ' das Bein ein wenig . Sie müssen wissen , Pastor , die Frau hat so was wie magnetische Kraft in den Fingern . « Karola rückte ein niedriges Stühlchen an den Sessel ihres Mannes heran , setzte sich und begann sachte mit der Hand über die rote Decke hinzufahren , das Bein des Kranken zu streichen . Der Baron bog den Kopf zurück und schloß die Augen . Werner sah dieser Hand zu , wie sie langsam und stetig über die rote Decke hinglitt , schmal und weiß und voller Ringe . Im Schein des Feuers war die Hand ganz umflimmert von scharfen , bunten Lichtern . Der Kranke atmete jetzt tief und regelmäßig , zuweilen stöhnte er . » Sie sind geduldig « , sagte Werner leise . » Ich ? « Karola schaute erstaunt auf » Wie wissen Sie das ? « » Ich seh ' es . « » Gott ! was man sieht ! « Dann fragte sie halblaut : » Nicht wahr ? Sie waren in Ihrer Jugend ein wilder Junge ? « » Ah , man beging Torheiten « , erwiderte Werner . » Man kam sich interessant vor . Das Interessante war eben , daß man jung war . « » Sie waren früh verlobt ? « » Ja - als Student . « Die halblaute Unterhaltung tat beiden wohl . Es war gleich , was gesagt wurde , das Flüstern brachte sie einander nah . » Ach ja , « meinte Karola , » Theologen verloben sich immer früh . Sie sind natürlich sehr glücklich . « » Natürlich ? Warum ? « » Pastorenehen sind immer glücklich . « » Ja so ! « Beide lächelten . Der Kranke stöhnte heftiger . » Jakob soll ihn zu Bett bringen « , beschloß Karola . Werner erhob sich : » Ja - es ist spät . Ich gehe auch . « Karola begleitete ihn bis an die Flurtür . Sie stand an den Türpfosten gelehnt und schaute zu , wie er sich den Pelz anzog . » Sie freuen sich wohl , nach Hause zu kommen . Wenn Sie von hier kommen , ist ' s da wohl doppelt gemütlich ? « sagte sie . » Werden Sie noch etwas essen ? « » Ich weiß nicht - . « » Gewiß hat Ihre Frau auf Sie gewartet « , sie lächelte dabei ihr leicht spöttisches Lächeln . » Gute Nacht ! « Der Wind fegte über die Ebene . Der Schlitten glitt geräuschlos über den feuchten Schnee . Werner hieb unbarmherzig auf seinen Schecken ein : » Hü - hü - vorwärts . « - Tolle Bewegung hatte er jetzt nötig . Er wollte den Wind wie Peitschenhiebe im Gesicht fühlen . Drüben lag das Pastorat . Licht blinkte durch das Fenster . - Nein - dahin nicht ! » Dort wird es gemütlich sein « - wie sie das gesagt hatte mit dem Zucken der Mundwinkel , als wüßte sie , daß er dorthin - dorthin , wo es » so gemütlich « war , jetzt nicht konnte . Er bog in den dem Pastorat entgegengesetzten Weg ein , fuhr dem Walde zu . Nur vorwärts - vorwärts ! In den engen Waldwegen war es finster , über ihm rauschten die Föhren , ein leidenschaftliches Brausen , das nachließ , wieder anschwoll , wie der Atem einer Riesenbrust . Hier und da knarrte ein morscher Zweig durchdringend schrill , wie ein Schmerzenslaut . Das tat Werner wohl . Es war , als tobte und rief eine große Kraft über ihm sich aus - für ihn , tobte und rief hinaus , was in ihm hinaus wollte . » Hü - hü « - trieb er den Schecken an . Er mußte sich tief bücken , um unter den niederhängenden Zweigen durchzukommen , und wurde dann ganz mit Tropfen überschüttet . Krähen flogen lärmend aus den Wipfeln . Ein aufgescheuchtes Reh brach durch das Unterholz . Werner wußte nicht , wohin er fuhr , nur vorwärts - hinein in die Dunkelheit , in das Wehen und Brausen , in das Tropfen und Duften . Plötzlich hielt der Scheck . Er war am Moorkrug . » Willst nicht weiter , armer Racker « , sagte Werner . Das Tier schnaufte und blies . Werner stieg aus . Teufel , ja ! das Pferd war in Schaum ! Da war nichts zu machen . » He - Wirtschaft - Jost ! « Der Krüger erschien ; seine riesige Gestalt sehr tief bückend , um durch die Tür zu kommen . » Was , der Herr Pastor selber ? « » Ja - ja - wundern Sie sich nicht so lange . Führen Sie das Pferd in den Schuppen , trocknen Sie es ab . Und dann einen Grog - geschwind . « Werner trat in die Krugstube . Eine Lampe rauchte an der Wand . Ein Holzknecht saß am Tisch , hatte den Kopf auf die Arme gelegt und schlief . Am Ofen , den Kopf auf sein Bündel gestützt , schlief ein Hausierer . Die beiden Schläfer riefen rauhe , schnarchende Gurgeltöne zueinander hinüber . Die Tür zum Nebenzimmer , zum