in der Ferne . Da machte sich die Ursula auf den Weg und ging hinterdrein . Im Nebenzimmer erhob sich der Lehrer von Aufhausen und nahm seinen Hut vom Nagel . » Wir haben einen Weg bis zum Feldkreuz , « sagte Stegmüller , » da gehen der Herr Mang und ich mit . « Es war eine kühle Nacht . Der Herbstnebel zog über die Felder hin und sah sich im Mondlicht an wie ein silberner Schleier . Vom Weblinger Holze herüber wehte ein frischer Wind . Da zitterten die Blätter an den Bäumen , als käme sie ein Frösteln an , und die Schatten , welche sie über die helle Straße warfen , kamen in Bewegung . » Es ist etwas Poetisches , so eine Mondnacht , « sagte Mang . Er kämpfte mit einem harten Entschlusse . Er wollte etwas unternehmen , was er noch nie getan hatte ; er traute sich ' s zu , und er verzagte wieder . Und dann gab er sich einen festen Ruck . » Fräulein Sporner ... wenn Sie erlauben ... darf ich Ihnen meinen Arm anbieten ? « Er hatte einen Augenblick geglaubt , daß sie weglaufen und ihn beschämt stehen lassen , oder daß sie ihn streng zurechtweisen würde . Aber sie lief nicht weg , und sie tadelte ihn nicht . Sie sagte überhaupt nichts , sondern schob ihren runden Arm in den seinigen . Und da merkte er , daß es auch poetisch ist , neben einem jungen Mädchen zu wandeln . Sie gingen schweigend miteinander . Er wollte ein Gespräch beginnen und besann sich lange . Aber es fiel ihm nichts ein ; darum sagte er wieder : » Es ist prachtvoll , so eine Mondnacht . « Und Fräulein Gertraud sagte : » Wunderbar ; besonders im Herbst . « Beim Feldkreuze trennten sich ihre Wege ; die beiden Alten , welche vor ihnen gingen , blieben stehen ; Mang gab den Arm des Mädchens frei und verbeugte sich mehrmals und schüttelte dem Fräulein Sporner immer wieder die Hand , wenn er vorher dem Onkel gute Nacht gesagt hatte . » Also am Sonntag zum Hochamt , « mahnte der Lehrer von Aufhausen . » Gewiß ; Sie können sich darauf verlassen . « » Und pünktlich um acht Uhr . Gute Nacht , Herr Mang . « » Recht gute Nacht , Herr Lehrer ! Angenehme Ruhe , Fräulein Sporner ! « Er sah den beiden nach ; da fiel ihm ein , daß sie ein schönes Lied gelobt hatte ; und er vergaß alle Bedenken , welche der Rektor von Freising dagegen hatte . Mit wohlklingender Stimme setzte er ein : » Das Meer erglänzte weit hinaus ... « Als er schwieg , tönte von drüben eine freundliche Mädchenstimme : » Gute Nacht ! « Er holte mit raschen Schritten den alten Lehrer ein . Herr Stegmüller überdachte seine Reden , die er im Wirtshaus gehalten hatte . Es kam ihm so vor , als wär er zu stark ins Schwärmen geraten ; die kühle Nachtluft ernüchterte ihn . Und er sagte : » Sie müssen nicht glauben , Herr Mang , daß ich vielleicht etwas habe gegen die Geistlichkeit . Ich redete bloß so von der Kunst , weil Sie einen schönen Tenor haben und überhaupt . Natürlich haben Sie ganz recht , mit Ihrem Beruf . Er ist schon wirklich ideal . « » Ja , ja , « erwiderte Sylvester ; » Herr Lehrer , wie lang bleibt eigentlich Fräulein Sporner in Aufhausen ? « Drittes Kapitel Die nächsten Wochen brachten viel Arbeit . Nach der Trockenheit war ein guter Regen gekommen , und der Pflug faßte wieder an . Auf allen Höhen sah man Menschen und Pferde sich langsam bewegen , und hinter ihnen fraßen sich dunkle Furchen in die Stoppelfelder ein . Vom Dorfe hinauf bis zum Walde zogen sich gerade Linien ; die lustigen Farben verschwanden , und die Gegend hatte ein ernstes Aussehen . Der Schuller war fleißig hinter den Knechten her und hatte selber die Hand am Pfluge , den ganzen Tag . Es traf ihn viel , weil sein Ältester als Soldat in Ingolstadt diente , und wenn er des Mittags heimkam , streckte er die Füße schwerfällig unter den Tisch . Und wenn er heimkam , war noch ein müder Mensch in der Stube ; müde von einem langen Leben , in dem es kein Ausrasten gibt . Das war die Mutter des Schullerbauern . Sie zählte noch nicht siebzig Jahre , und in der Stadt gibt es viele , die in dem Alter noch aufrecht gehen . Aber Bauernarbeit bricht vorzeitig die Kraft . Die Alte saß auf der Ofenbank und schaute vor sich hin . Die runzligen Hände faltete sie im Schoß und fand kaum die Kraft , zudringliche Fliegen abzuwehren . » Was is ' s denn mit da Muatta ? « fragte der Schuller seine Frau . » Sie is schlecht beinand ; seit gestern kummt sie arg von da Kraft , « erwiderte die Bäuerin . Die Alte nickte müde mit dem Kopfe und bewegte den zahnlosen Mund . » Was hat sie g ' sagt ? « fragte der Bauer . » I ho ' s it verstanna . Was hoscht g ' sagt , Muatta ? « Die Schullerin schaute die alte Mutter prüfend an . Ruhig wie ein Mensch , der über ein Sache ins reine kommen will . » Was hoscht g ' sagt , Muatta ? « fragte sie noch einmal . Die Alte begegnete ihrem Blick ; in ihren glanzlosen Augen war nichts von Angst und Sorge zu lesen . Nur Müdigkeit . » I treib ' s nimmer lang , « sagte sie . » Sie moant , sie muaß sterb ' n , « wiederholte die Schullerin mit lauter Stimme . Der Bauer schnitt bedachtsam den Brotlaib an und brockte kleine Stücke in seine Suppe . » Sie is