, milderte sie . » Nein , sagen wir Feigheit ; denn Unentschlossenheit ist auch eine Feigheit : Willensfeigheit . Ich aber ertrage es nicht länger , vor Ihrem Urteil in unrichtigem Lichte dazustehen . Ich will Ihnen deshalb meine Gründe mitteilen . Sind Sie bereit zu hören ? « » Ich bin zu allem bereit « , flüsterte sie und senkte den Kopf , » obschon ich Ihnen nicht verhehle , daß mir dieses Thema peinlich ist , und daß ich nicht einsehe , was das Aufrühren veralteter Geschichten nützen soll . Indessen , wenn Sie wollen - « » Nicht , wenn ich will « - verbesserte er - » sondern , wenn ich muß ! « Und mit veränderter Stimme , in gehobenem Tone fing er an : » Nein , nicht aus feiger Unentschlossenheit , nicht aus alberner Torheit habe ich nicht zugegriffen , als leisen Schrittes das heilige Glück mir nahte , mich mit seinen klaren Augen anschauend und mir zuflüsternd : Nimm mich ! , sondern wissend , was ich tat , wertend , was ich von mir wies , nach schwerer , reifer Wahl habe ich mit männlichem Entschluß entschieden . Und nun will ich Ihnen meine Entscheidungsstunde erzählen . « Nach diesen Worten machte er eine Pause , wie um Atem zu schöpfen . Als jedoch die Pause nicht enden wollte , schaute sie auf . Da stand er bebend vor ihr , von inneren Stürmen geschüttelt , die Lippen gewaltsam schließend . » Ich kann es Ihnen doch nicht erzählen « - brachte er mühsam hervor - » es geht zu tief « - und stemmte sich aufs Klavier . Geschwind sprang sie auf , um ihn nötigenfalls zu stützen . Doch er hatte sich bereits wieder aufgerichtet . » Ich habe recht entschieden ! « - rief er - » ich weiß , ich habe recht entschieden ! Und stände ich nochmals vor der Wahl , ich würde nicht anders entscheiden ! « Dann nahm er seinen Hut , verbeugte sich und küßte ihr die Hand . » Ich werde es Ihnen aufschreiben « , sagte er . Tief ergriffen begleitete sie ihn bis zur Haustür . » Gut « , sagte sie , nur um etwas zu reden , und zwang ihre Stimme zu unbefangenem Ton : » Gut , schreiben Sie mirs auf . Sie wissen , daß alles , was Sie bewegt , auch mir nahegeht ; und glauben Sie mir , ob ich Sie schon nicht jederzeit verstand und auch jetzt nicht verstehe , so habe ich doch niemals , auch nur einen Augenblick , an der Lauterkeit und Vornehmheit Ihrer Beweggründe gezweifelt . « » Dank ! treue edle Freundin ! « rief er leidenschaftlich , sie mit beiden Händen stürmisch ergreifend . » Sie heilen mich ; es tut so weh , so unerträglich weh , wenn jemand an der Vornehmheit meines Charakters zweifelt . « » Wer hat das jemals getan ? « rief sie heftig , fast zornig . Er erstaunte . » Jedermann « , antwortete er zaudernd , » das heißt - eigentlich niemand Bestimmtes . « Unterdessen hatte sie sich ihm entwunden und flüchtlings einige Stufen nach oben zurückgezogen . » Und eins noch : nicht wahr , Sie sind nicht ungerecht ? Sie tun ihr nichts zuleide ? « Er lächelte : » Ich tue keinem Menschen etwas zuleide als höchstens mir selber . « Damit verließ er das Haus . » Sind Sie ein gefährlicher , ein unerlaubter Mensch ! « - seufzte sie ihm nach und warf sich erschöpft in den Lehnstuhl , um sich von der Anstrengung zu erholen . Er aber eilte auf sein Zimmer , das Bekenntnis niederzuschreiben , das er ihr mündlich schuldig geblieben . Und siehe da , während ihn sonst das Schreiben wie Krötengift anwiderte , verspürte er jetzt , nachdem ihm durch das Verhör die Erinnerung aufgewühlt worden war , ein gieriges Verlangen , die Entscheidungsstunde seines Lebens einmal leslich festzubannen , damit sein erhabenes Geheimnis auch außer ihm dastände , unabhängig von seinem Gedächtnis , als feste Wahrheit . So schrieb er denn , knirschend zwar und gegen den Zwang der nüchternen Denkgesetze schäumend , aber in einem einzigen Zuge , in fieberhafter Eile : An Frau Martha Steinbach Fluch und Schmach der kahlen Prosa zuvor , denn sie entweiht ! Also , ich erzähle und entweihe : Meine Stunde Ihr Brief mit Theudas Bild war am Morgen angekommen , jener Brief , in welchem Sie mir andeuteten , daß ein klares Wort von mir erwartet werde , daß dem Wort eine holde Antwort gewiß wäre , daß dagegen längeres Zaudern als Verzicht ausgelegt würde . Ich verstand : eine Mahnung , verstärkt durch eine Warnung , und ich begriff : dieser Tag ist ernst ; heute gilt die Entscheidung . Ich betrachtete das Bild ; tausend wonnige Werte schauten mir daraus entgegen ; die Reinheit einer auserlesenen , durch Schönheit , Tugend und Erziehung hervorragenden Jungfrau - die Erinnerung an gemeinsam verlebte Stunden , zwar von nichtigem Ereignisgehalt , doch von ewigem Poesiewerte ( Parusie nenne ich jene Stunden für mich ) - der innige Blick der seelenvollen Augen , die zu mir sprachen : » Dein denkt meine Hoffnung « - die Verheißung einer Unsumme von Seligkeiten jenem , der sie zu erwerben wissen werde . Unter dem Bilde stand in unsichtbarer Schrift zu lesen : » Dies ist der höchste Preis « , und die Worte Ihres Briefes flüsterten : » Der Preis ist dein . « Solange des Tages Unruhe meine Sinne beschäftigte , behielt ich das Bild im verborgenen , nur flüchtig daran naschend , sei es , um in die wundersamen Rätsel der tiefsinnigen Augen zu tauchen , sei es , um die unerschöpflichen Wunder der weiblichen Schönheit zu kosten . So weidete ich im verstohlenen mein Herz an dem lieben Bilde . Am späten Abend jedoch , während ich einsam im