Rätsel auf : Ule , Ule , Er saß bei mir auf dem Stuhle , Er winkte mir , ich wehrte mich , Er winkte mir so süße , Daß ich vergaß die Augen und die Füße . Da mußte Hans wieder betteln , denn er wußte nicht , was das war und war doch recht neugierig . Dorrel aber ließ ihn lange zappeln , bis sie ihm zuletzt sagte : das ist der Schlaf . Die fromme und treue Magd sprach nur aus ihrem braven und rechten Gemüt . Sie wußte , daß es nicht gut ist für ein Kind , wenn man ihm Zeit läßt , ärgerlich und ungezogen zu werden , auch wenn man es alsdann straft , sondern es ist besser , wenn man seine Gedanken ablenkt durch etwas Neues , daß es seinen Ärger vergißt ; denn leicht hinterläßt ein häßliches Benehmen Spuren in der Seele eines jungen Kindes . Der kleine Hans wachte an einem Morgen auf , weil die Vögel auf den Ziegeln gerade über seinem Bett ein großes Klabastern und Schreien anstellten . Ein Stückchen Kalk vom Verputz war ihm auf die Bettdecke gefallen . Die Morgensonne schien durch das Fenster , und die Blüten des Spalierapfels waren aufgebrochen . Ein vollbesetzter Zweig zog sich schräg vor den Scheiben hin . Hans dachte , wenn die alle ansetzten , dann würde es eine Menge Äpfel geben , und sehr bequem waren sie vom Fenster aus zu pflücken . Indessen aber lag er in seinem warmen Bett und hielt die Augen behaglich geschlossen . Auf dem Dach waren jetzt auch Tauben , das hörte man am Gurren und an dem Trippeln . Die warteten , daß Hans in die Haustür trat und ihnen das Futter streute ; sie kannten ihn ganz genau und ließen sich nicht irre machen , wenn ein andrer kam und sie anführen wollte . Von den Äpfeln konnte er übrigens im Herbst , wenn sie reif waren , immer jeden Abend einen mit ins Bett nehmen ; dann zog er die Decke über die Ohren und aß ihn heimlich für sich . Die Sorte war auch gut . Jetzt hörte er Schritte auf der Treppe : ganz geschwind kniff er die Augen zu , aber sein Gesicht lachte . Die Mutter trat ein , warf ihm ein Kissen aufs Gesicht , faßte ihn darunter und hielt ihn fest ; dazu sang sie : Hab ' ein Vögelchen gefangen Im Federbett , Hab ' s in ' n Arm ' nein genommen , Hab ' s lieb gehätt ! Hans strampelte und lachte , die Mutter aber hob ihn aus dem Bett , schwenkte ihn und sang : Quibus , quabus , Die Enten gehen barfuß , Die Gäns ' haben keine Schuh , Was sagen denn die lieben Hühner dazu ? Dann küßte sie ihn recht herzlich , und er wischte sich den Mund ab und rutschte aus ihrem Arme auf die Erde . Ob er heute den Tauben wohl Erbsen streuen durfte ? Aber es war ein ganz besonderer Tag . Die Mutter kriegte ihn vor und wusch ihn außergewöhnlich gründlich , daß er mit den Zähnen klapperte über das nasse Wasser und ganz blankgescheuerte Backen bekam . Dann kämmte sie ihm das Haar glatt , das ihm sonst borstig und hell in die Höhe stand ; erst bearbeitete sie es mit Wasser , nachher mit Pomade . Hans fragte mit großer Neugierde , was denn heute geschehen werde ; aber die Mutter lachte nur und antwortete ihm nicht . Sie holte den guten Anzug aus dem Schrank , und auch seinen Kragen und die Manschetten kriegte er ; die waren zwar recht ausgewaschen , und einem verwöhnten Stadtkind wären sie nicht mehr ganz anständig erschienen , für Hans aber waren sie eitel Prunk und Herrlichkeit . Und wie er nun so fein angezogen war , ermahnte ihn die Mutter , daß er sich fromm in die Stube setzen sollte und ein Buch vornehmen , damit er den guten Anzug schonte und sich nicht unordentlich machte . Da holte er seine Lesebücher zusammen : den Preußischen Kinderfreund , drei Bände Spinnstube und die Bibel und begann für sich zu lesen ; denn eigentlich war ihm das Lesen doch das Liebste , und vollends , wenn der Vater nicht da war , der immer wollte , daß er etwas Nützliches studierte ; die Mutter aber meinte , es sei alles nützlich und gut , was in seinen Büchern stand . So las er im Kinderfreund seine Lieblingsgeschichten von der gnädigen Frau von Paretz , und das Gedicht : Als Kaiser Friedrich lobesam ins heil ' ge Land gezogen kam ( bei dem er immer meinte , lobesam müsse mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben werden , weil es doch der Nachname Kaiser Friedrichs sei ) ; und in der Spinnstube las er die Geschichte von Wittington und seiner Katze , der dreimal Bürgermeister von London wurde , welche Stadt anderthalb Meilen lang und fast eine Meile breit ist , achttausendeinhundertundeinundneunzig Straßen hat , hundert freie Plätze von großer Ausdehnung , zweimalhundertundfünfzigtausend Häuser , und zwei Millionen Einwohner . Das war einmal eine Stadt ! Zuletzt sagte die Mutter dem Hans , was bevorstand , denn der Herr Graf mit seiner Gemahlin und den Kindern wollten eine Lustfahrt durch den Wald machen und dabei im Forsthause einsprechen . Denn es waren noch nicht die Zeiten , die im vorigen Kapitel geschildert sind , und die bösen Zustände im gräflichen Hause wurden noch nicht äußerlich bemerkt . Da kam der erste Wagen , der von stolzen Pferden gezogen wurde , welche die Beine tänzelnd hoben und den Kopf hochhielten ; nachher , wie sie standen , spielten sie mutwillig mit dem Gebiß ; man sah es ihnen wohl an , daß sie in Herrendienst waren und in Wohlleben . Der Kutscher trug eine sehr stolze Livree und saß hochmütig auf dem Bock , als gehe ihn die ganze Welt nichts an ; und