Konjunktionen oder zufällige Konjunkturen nahetreten zu können ? Indem du diesen Titel schriebst , hattest du das Werk geschrieben . Du brauchtest es gar nicht zu beginnen . Es mußte unvollendet bleiben . Aber der Geist , der sich an diese Aufgabe wagte , durfte trotz Kaiphas und Pilatus nicht von dir aufgegeben werden . Ich bin überzeugt , daß er Besseres , Edleres und Höheres erreicht hätte als alles , alles das , was hier auf diesen beschriebenen Blättern zu lesen ist . Möchte er doch nicht gestorben sein , sondern nur schlafen , um wieder erwachen zu können ! « » Ob er tot ist oder nur schläft , das wünsche ich , jetzt mit dir erfahren zu können . Ich will dir erzählen , wie er entstand und wie er von mir ging . Es wird keine lustige Geschichte sein . « » Geschichte ? Auf keinen Fall ! Ist er tot , so hältst du seine Leichenrede . Gleicht er aber jenem Nichtverstorbenen , von welchem Christus sagte : unser Freund schläft , so wird es keine Erzählung , sondern eine Auferweckung sein . Da stehen wir vor der Thür des Raumes , in welchem du erzählen willst . Mir ist , als ob in mir jene Stimme klinge , welcher im Besitze des Höchsten , der da lebte , die Macht über den Tod gegeben war : Lazare , komm heraus ! « Da legte er seinen linken Arm um meine Schulter und drückte mich an sich . Ich schlang meinen rechten warm um ihn , und so traten wir beide hinein , innig vereint , als ob wir eine und dieselbe Person bedeuteten . Er stellte die Lampe auf den großen Tisch , führte mich zu einem Sitze , auf den ich mich niederließ , schob die beiden Hände in die Gürtelschnur und ging dann eine ganze Weile schweigend auf und ab . Hierauf lehnte er sich mit dem Rücken an den Tisch , so daß der Lichtschein sein Gesicht nicht traf , und sagte : » Höre meine Einleitung , Effendi ! « Ich nickte . Da begann er : » Die Geschichte einer jeden Anbetungsform hat eine Zeit des Martyriums , der Verfolgung um des Glaubens willen , aufzuweisen . Ich meine hier die Verfolgung mit der Todeswaffe . Wenn dem Religionshasse diese Waffe entzogen worden ist , zieht er sich , rachsüchtig grollend , in den Schutz seiner Lehrsätze zurück , um aus ihnen heraus , die er für uneinnehmbare Mauern hält , auch fernerhin die Andersgläubigen nach Möglichkeit zu schädigen . Es giebt wohl nur wenige Breitengrade der festen Gotteserde , welche nicht die Spuren davon tragen , daß der Mensch keine andere Verehrung Gottes , als nur die seinige dulden will , obgleich es doch wohl allein Gottes Sache wäre , zu bestimmen , in welcher Weise der Mensch zu ihm zu sprechen habe . Dieser aber ist so verwegen , dem Herrn vorzuschreiben , was er zu dulden oder nicht zu dulden habe , und wenn die Berechtigung zu dieser Vorschrift von irgend einem andern angezweifelt wird , so ist man schleunigst mit der Behauptung da , daß sie ja Gottes eigene Offenbarung sei . Im Besitze dieser Offenbarung gebärdet man sich , als ob man den Himmel mit seiner ganzen Seligkeit in Pacht genommen habe und nun ganz nach eigenem Gutdünken am Eingange zu demselben eine Warnungstafel anbringen müsse , auf welcher in den drohendsten Worten zu lesen ist : Der Zutritt ist nur solchen bevorzugten Personen gestattet , welche mit einer eigenhändig unterschriebenen Erlaubniskarte seiner Pächterlichen Hochgnaden versehen sind . Wer ohne diese Bescheinigung hier einzudringen wagt , der wird augenblicklich mit dem leiblichen , geistlichen und ewigen Tode bestraft ! - - - Hast du gegen diese meine Ausführung etwas einzuwenden , Effendi ? « » Soll ich aufrichtig sein ? « fragte ich . » Ich fordere es von dir ! « » So wisse : Du stehst als Personifikation deines Lebens , von dem du jetzt erzählen willst , vor mir . Es ist ein individuelles Leben . Deine Ansichten sind die Ergebnisse desselben . Ich habe sie also als individuelle Meinungen zu betrachten , nicht aber als Gottesbotschaften , die für mich maßgebend sein sollen . Ich bin , wie ich hoffe , ein vernünftiger Mensch . Als solcher habe ich nicht nur den ernsten Fleiß zu achten , mit welchem du nach Erkenntnis strebtest , sondern auch die Früchte dieses Fleißes , die du so aufrichtig bist , mir vorzulegen . Ich weiß , daß du mich nicht zwingen willst , sie zu genießen , und habe also nicht den geringsten Grund zu einem Lobe oder Tadel . Sprich also ruhig weiter ! « Wahrscheinlich hatte er eine andere Antwort erwartet . Er sagte es aber nicht , sondern fuhr gleich fort : » Hast du vielleicht einen solchen angeblich von Gott gepachteten Himmel kennen gelernt ? Ich nicht nur mehrere , sondern viele . Wie sonderbar , daß sie einander alle so außerordentlich ähnlich sind ! Und weißt du , was so ein allgewaltiger Vertreter Gottes für den Pacht bezahlt ? Was von dem ihm gebrachten Weihrauche übrig bleibt , das schickt er dem Herrn hinauf . Weiter nichts ! Und nachdem er sämtliche Verneigungen und Verbeugungen für sich hingenommen hat , ist er so gütig , nun auch seinerseits Gott einen Knicks zu machen . Weiter nichts ! Denn dieser Gott ist so ganz ewige Liebe , Gnade , Geduld und Gutmütigkeit , daß der Usurpator seines Himmels gar nicht an einen Tag der Abrechnung zu denken hat , an welchem er sicher der erste aller derer ist , die hinausgeworfen werden ! Da wirst du mich fragen , wie es sich mit der ewigen Gerechtigkeit verträgt , solchen übermütigen Himmelspächter so lange , lange Zeit im Paradiese sitzen zu lassen . Mein Freund , es ist ja gar nicht der Himmel , in dem er sich festgesetzt hat