, langer , fester Jugendschlaf wird Dich erfrischen und beruhigen - Du bist jetzt so erregt ... ich will Dich gar nicht mit weiteren Ausforschungen plagen . Morgen früh wirst Du mir besser erzählen können , was ich noch wissen will . Gute Nacht , mein Kind . « Martha beugte sich über ihre Tochter und strich ihr mit der einen Hand zärtlich über das Haar , während Sylvia die andere an ihre Lippen zog : » Gute Nacht , Mutter , Freundin - einzige , gute , liebste Mama , ich bin so glücklich ... « Nachdem sie allein geblieben , ging Sylvia wieder zum offenen Fenster und , an die Fensterwand gelehnt , den Kopf auf den zurückgelegten Arm gestützt , schaute sie zum Nachthimmel auf . Jetzt stand der Mond schon hoch am Firmament und goß ein sanftes , blauweißes Licht auf die Büsche und auf die Kieswege des Gartens . Die leise bewegte Luft war von Rosen und Jasmindüften durchweht . Diese Nachtluft und diese Düfte : wie oft hatte Sylvia deren Zauber empfunden ; doch während solcher Zauber sonst eine Verheißung war - heute war er Erfüllung . Ja , das Leben ist schön ... ja , der Lenz mit seinen Blütenschätzen , mit dem geheimnisvollen Glanz seiner Mondnächte , ist Verkünder und ist Spender liebeatmender Entzückung ... » Wie es gekommen ? « Das zog jetzt an Sylvias Geist vorüber . Vor vierzehn Tagen im Prater - damals blühte noch der Flieder und es war auch so eine laue , helle Frühlingsnacht gewesen - da war im Sacher-Saale ein » Junge-Herren-Ball « veranstaltet worden . Von allen jungen Herren der Gesellschaft galt Delnitzky als der hübscheste und eleganteste . Wenigstens zehn Komtessen schwärmten für ihn und fast alle Mütter wünschten im stillen , daß ihre Töchter ihn erobern mögen - denn er war eine der ersten » Partien « des Landes . Auf den drei oder vier vorhergehenden Bällen , die Sylvia mitgemacht , hatte der junge Mann besonders auffallend ihr gehuldigt , wodurch sie sich - nicht ohne eine gewisse Genugtuung - als der Gegenstand vielseitigen Neides fühlte . Dann aber , in einer Soiree bei der französischen Gesandtschaft - am Vorabend jenes Praterballes - hatte er sich von Sylvia ganz fern gehalten und in ziemlich ostentativer Weise der jungen Gattin eines alten Diplomaten den Hof gemacht . Eine gemischte Empfindung von Kränkung und Ärger klärte Sylvia darüber auf , daß ihr Delnitzky nicht gleichgültig war . Am liebsten hätte sie auf den » Junge-Herren-Ball « - den letzten der Saison - verzichtet . Delnitzky unter solchen Umständen wiederzusehen , würde ihr nur Qual bereiten . Es kam aber anders . Gleich bei ihrem Eintritt in den Saal eilte der junge Mann auf sie zu und bat um den Kotillon . Einen Augenblick war sie versucht , zu erwidern , daß sie vergeben sei , aber ehe sie noch darüber entschied , hatte sie schon unwillkürlich ja gesagt . Jene junge Frau war auch anwesend , doch wechselte Delnitzky diesmal keine zehn Worte mit ihr . Während einer Tanzpause kam eine ihrer Freundinnen auf Sylvia zu und hängte sich in sie ein : » Komm , laß uns ein wenig auf und ab gehen - ich habe Dir etwas zu erzählen - « » Das wäre ? « » Ich bin vorhin von einem Verliebten zur Vertrauten erkoren worden . Zwar kein gar lustiges Amt - man ist in solchen Angelegenheiten lieber der Gegenstand ... aber , da es sich um Dich handelt - von der man weiß , daß Du meine liebste Freundin bist ... kurz , ich bin nicht neidisch . Hast Du gesehen , mit wem ich die letzte Quadrille getanzt ? ... « » Ja , mit Delnitzky ... und ich sah ihn eifrig mit Dir sprechen - « » Was er mir so eifrig sagte , war , daß er sterblich in Dich verliebt ist ; daß er Dich aber für kalt und ablehnend hält . Gestern habe er - in seiner Verzweiflung - versucht , einer anderen den Hof zu machen ... er hatte sich vorgenommen , Dich zu meiden - doch heute war dieses Vorhaben wieder umgestoßen ; er hielte es nicht aus ... Und er bat mich , Dich auszuforschen - klug und unmerklich auszuforschen , ob er hoffen dürfte . Ich entledige mich dieses Auftrags ... freilich nicht gar klug und unmerklich - wozu auch ? Du wirst auf jeden Fall aufrichtig mit mir sein ? Nun ? « Sylvia zögerte mit der Antwort . Da fiel das Orchester mit einer rauschenden Walzermelodie ein und mehrere junge Leute traten mit auffordernder Verbeugung vor beide Mädchen hin . » Freut euch des Lebens , « hieß der Walzer - und wahrlich : diesem von Meister Strauß in Dreivierteltakt erlassenen Gebot gehorchte Sylvia aus vollem Herzen , als sie sich nun von ihrem Tänzer durch den Saal wirbeln ließ . Der Kotillon , die Krönung der schönen Ballnacht , brachte zwar keine förmliche Erklärung , aber ein durch Blick und Tonfall sich unzähligemal wiederholendes Bewerben und Gewähren . Auf einen Heiratsantrag hätte Sylvia sich Bedenkzeit erbeten , denn sie war durchaus nicht entschlossen , Delnitzkys Frau zu werden - dazu mußte sie ihn doch erst besser kennen lernen - , aber auf die stummen , lieberglühten Blicke gaben ihre Augen , ohne daß sie es hindern konnte , zärtliche Antwort , und seine leidenschaftszitternde Stimme , auch indem er die gleichgültigsten Dinge redete , weckte ein Echo in ihrer befangenen Gegenrede . Nach dem Kotillon das Souper an seiner Seite - und dann der Aufbruch in den dämmernden Frühlingsmorgen hinaus ; er war es , der sie in ihren Mantel hüllte , der ihr das Spitzentuch um den Kopf wand , der sie zum Wagen führte und ihr einsteigen half - mit langem , bebendem Händedruck . An all das dachte Sylvia zurück . Jetzt war alles besiegelt , er hatte ihre Hand begehrt und sie