sich ganz langsam - es waren nur die Gehäuse . Und lange Glockenketten schaukelten und wackelten wie fliegende Guirlanden mitten durch , dass die andern Schalen ausbiegen mussten . Das dumpfe Gebrumm der Glocken klang so alt , als stäken lauter längst verfallene Welten in den Glocken . » Hörst du , « sprach Liwûna , » mit den Glockentönen steigt wieder eine alte Zeit in dir herauf . Ja , das Neue macht es nicht . Ich will dich verstehen . Dazu bin ich ja da . « » Aber das Alte , « rief Kaidôh , » ist wieder so furchtbar schmerzhaft . Es lähmt die ganze Lebenskraft . « » Es soll , « gab da leise seine Freundin zurück , » die Freuden dämpfen . Das Alte ist beim Weltgenuss so nötig wie das Gedankenspiel . Ist dir Beider Daseinsrecht nicht klar ? Wenn dir die Erinnerungsschmerzen über den Kopf wachsen , dann musst du allerdings sterben . Das ist schon richtig . Doch mit jedem Tode sterben auch die Erinnerungen . Und ist das nicht auch gut ? Wenn Etwas ganz stirbt - stirbt immer viel Schmerz zu gleicher Zeit mit . Ja - jedes Sterben ist eigentlich nur ein Sterben von Schmerzen . « Kaidôh klatschte in die Hände und lachte , als verstände er auf einmal die ganze Welt von oben bis unten . Und aus den Trichtern , Glocken , Schnecken , Muscheln und Trompeten scholl wieder ein tausendfaches Echo , das ein Weltlachen war , empor in den endlosen Raum . Das Echo hing blos nicht ordentlich zusammen - als wärs ein Echo von Liwûnas Worten . Die Wandwinde bliesen gegen die beiden leichten Riesengeister an , dass sie weiterflogen . Liwûnas Grösse entsprach der des Kaidôh , sodass dieser seine Begleiterin lange anschaute ; eine so grosse Dame hatte er noch nie gesehen . Sie hatte langes pechschwarzes Haar mit einem Rubindiadem , ihr Gesicht war weiss wie Marmor , und aus den schwarzen Augen strömte ein grosser Glanz , der auch die nackten weissen Arme ganz hell machte . Oefters flackerten die grossen Augen , als rasten grosse Sonnen drinn . Die Schatten der beiden Riesengeister gleiten auf der spiegelnden Wand wie zwei fliegende Pfeile dahin . Und rasselnd steigen aus der Höhe abermals Sterne herunter - durchsichtige Mühlenräder sinds ! Sie drehen sich und lassen alle die eine Seite sehen ; die Scheibe ist erst eiförmig - dann rund - und zum Schluss wie am Anfange . Und aus den Radreifen schlagen keilförmige Scheinwerfer raus - blaue , gelbe und orangefarbige - die drehen sich durch den ganzen Himmelsraum , als wärens Speichen von Riesenrädern - farbige Speichen . Und die Speichen drehen sich so schnell , dass Kaidôh dem flirrenden Farbenwirbel nicht mit den Augen folgen kann . Er dreht sich um - und erblickt in der grossen schwarzen Felsenwand , die überall glatt wie ein Spiegel ist - das Spiegelbild der Rädersterne . Im schwarzen Spiegel sind die blauen gelben und orangefarbigen Streifen gedämpft . Kaidôh kann nun Alles von dem bewegten Farbenbilde in sich aufnehmen - die Helligkeit nimmt allmählich immer mehr ab . Und dann wirds wieder stiller in der Spiegelwand - andre Sterne erscheinen - Blattlappengebilde , die an vielen Stellen phosphorescieren - was ganz unheimlich in der schwarzen Spiegelwand wirkt . Liwûna und Kaidôh sprechen über die verschiedenen Arten der Schwärmerei in kurzen abgebrochenen Sätzen . Und nun folgen noch mächtige Wassersterne , deren Wogen nach allen Seiten hoch in die Höhe gespritzt sind - man könnte sie für Zinngebilde halten . Die Wassersterne sind aber nicht alle so wie Zinn - sehr viele sind rot wie Blut - zwei ganz grosse sind wie Gold . Die beiden Riesengeister sprechen gegen die Felsenwand , ohne sich umzudrehen , vom Müdewerden . Dazu haben sie aber keine Zeit , denn jetzt wirds ganz bunt im Felsenspiegel - als schwebten Millionen Laternen durchs grosse All . Kaidôh wird neugierig und wendet endlich den Kopf . » Die Rauschlust kommt immer wieder ! « schreit er wild - denn er sieht jetzt nicht blos die bunten Laternen - er sieht alle Sterne , die bisher vorbeizogen , noch einmal - auf ein Mal . Kaidôh ist abermals noch viel viel grösser geworden - er blickt jetzt in einen gewaltigen Sternwirbel und erkennt Alles . Die Trichtersterne und die Wassersterne - die Raketensterne und alle die andern wirbeln da im Raume herum , als führe ein Sturm durch Sonnenstäubchen . Jetzt kann sich Kaidôh nicht mehr halten , er bewegt seine Zehen und will hinein in das glänzende schauerliche Sternenmeer . Und er kann seine Zehen wieder regieren . Und er stürzt sich in den Sternwirbel - und schreit - und schreit ! ! Seine Brust dehnt sich weit aus , und ihm ist , als gingen all die vielen Millionen Sterne in seinen Leib . Und er lacht wie ein Gott - und schreit - und schreit . Liwûna kann ihm kaum folgen . Und dem Kaidôh ist so , als setzten alle Sterne noch mehr Grösse an ihn ab - immer mehr - immer mehr ! Jetzt endlich fühlt er Welten in sich - Welten ! Und er bewegt die Zehen - und schiesst durch den Wirbel - und kreischt auf - in verrückter Seligkeit - und - und - weiss nichts mehr von sich . Liwûna folgt ihm mit gesenktem Haupt und führt ihn hinaus aus dem Sternwirbel in eine kühlere Weltgegend . Und langsam wird alles anders . Und mir ist so , als wenn ich langsam erwache - aus wirren wüsten Träumen , und ich frage leise : » War ich Kaidôh ? « Liwûna - das ungeheure Riesenweib neben mir - lächelte und nickte - und sprach sanft : » Du bist immer noch Kaidôh ! « Und ich bebte , als hätte sie mir was Furchtbares gesagt . Wir schwebten wieder im stillen Raume - aber die Sterne waren