, und in der arabischen Wüste , die nicht weniger schrecklich als die Sahara ist , kann der Wassermangel leicht verderblich werden . Glücklicherweise hatte ein Krieger vom Beduinenstamme der Beni Harb sich eines Haddedihnmädchens wegen , welches er liebte aber nicht dazu bewegen konnte , ihm zu seinem Stamme zu folgen , in den ihrigen aufnehmen lassen . Er war ein ernster , gewandter , sehr erfahrener und zuverlässiger junger Mann , der die Gegend , durch welche wir reiten mußten , sehr genau kannte . Dieser behauptete , genug Bijar19 und Ujun20 zu kennen , wo wir Wasser finden würden ; er werde unser Führer sein , und wir könnten ihm getrost unser Vertrauen schenken . Wir beschlossen , uns an diese seine Versicherung zu halten , worauf er nicht wenig stolz war , und haben es auch dann nicht zu bereuen gehabt . Für Hanneh wurde ein großer Tachtirwan bestimmt , den zwei Kamele zu tragen hatten . Er war sehr geräumig und bequem ; sie konnte sitzen oder liegen , wie sie wollte , und sogar auf den Kissen sich ganz ausstrecken . Ein Dach aus bunten , reichgestickten Stoffen bot ihr genügenden Schutz vor den Sonnenstrahlen . Da unser Weg durch die Wüste führte und wir fünfzig Krieger zählten , mußten wir darauf verzichten , diese Leute mit Pferden beritten zu machen , welche täglich trinken müssen . Die Haddedihn sind berühmt wegen ihrer Zucht vortrefflicher Reitkamele ; sie besitzen große Herden dieser Tiere , und so konnten wir also eine gute Auswahl treffen . Das Reitkamel wird Hedschihn genannt , während das Lastkamel Dschemal heißt . Die besten Reitkamele sah man früher beim Stamme der Bischari , weshalb sie Bischarihnhedschihns genannt wurden . Der Plural lautet Hudschuhn . Die Schammar und also auch die Haddedihn sind so klug gewesen , sich dieses vorzügliche Material zu erwerben , und züchten nun Reitkamele , welche denen der Bischari wenigstens gleichkommen , aber meiner Ansicht nach sie sogar übertreffen . Also solche Hudschuhn wollten wir reiten . Die mausgrau gefärbten hält man für die besten und ausdauerndsten Renner . Halef suchte deren mehrere für sich und mich und auch als Reserve aus . Außerdem war es uns beiden , aber auch nur uns , keinem andern Haddedihn , gestattet , unsere Pferde mitzunehmen . Der Hadschi behauptete , daß dies zu Repräsentationszwecken notwendig sei . Da er der berühmte Scheik der Haddedihn sei und ich der ebenso berühmte Gelehrte Hadschi Akil Schatir el Megarrib aus dem fernen Wadi Draha , so gehe es gar nicht anders , als daß wir in der heiligen Stadt und deren Umgebung und auch sonst bei wichtigen oder festlichen Gelegenheiten vorzügliche Pferde von reinstem Blute reiten müßten . Sein Rappe hieß Barkh21 und war ein ganz vorzüglicher Nedjedihengst . Mein Pferd , auch ein Rapphengst , war Assil22 Ben Rih , ein gleichwertiger Sohn meines herrlichen Rih , welcher unter mir erschossen wurde . Die Kugel , welche ihn traf , hatte eigentlich meinem Herzen gegolten . Zahllose Briefe meiner Leserinnen und Leser sprechen von den Thränen , welche beim Lesen seines Todes vergossen worden sind23 . Man braucht sich ihrer nicht zu schämen . Mir selbst werden noch heut die Augen naß , wenn ich an diese traurige , ergreifende Scene denke . Jetzt ritt ich , wie bereits gesagt , Assil , seinen ebenbürtigen Sohn , der mich schon mit hohen Ehren durch ganz Persien getragen hatte und ein hochedles Pferd war , auf welches ich mich in jeder Beziehung verlassen konnte . Er war mir lieber als Halefs Barkh . Noch kurz vor unserm Aufbruche konnte Halef den dringenden Bitten seines Sohnes , doch auch für ihn ein Pferd mitzunehmen , nicht mehr widerstehen . Es wurde für ihn die herrliche Schimmelstute Kawamah 24 bestimmt , eine Tochter von jener weißen , berühmten Stute , welche das Pferd Muhammed Emins , des früheren Scheikes der Haddedihn , gewesen war . Als wir dann unterwegs waren , bildeten wir mit den Kamelen , welche die Wasserschläuche und andere notwendige Sachen zu tragen hatten , eine ganz hübsche und , wie Halef sich stolz ausdrückte , » wie das Eigentum eines Königs aussehende « Kavalkade . Selbst bei Kamelen sehen Rassetiere eben ganz anders aus als gewöhnliche , vielleicht gar abgenutzte Exemplare ! Hierbei will ich die vielleicht nicht ganz unnötige Bemerkung machen , daß man die Unwahrheit sagt , wenn man behauptet , das Kamel könne über eine Woche lang dürsten , und es komme vor , daß die Wüstenreisenden dadurch vor dem Tode des Verschmachtens gerettet werden , daß sie ein Kamel erstechen und das in dem Magen desselben befindliche Wasser trinken . Die Wahrheit ist , daß das Kamel in Beziehung auf das Futter genügsam ist und mit dornigen und stacheligen Gewächsen fürlieb nimmt , welche kein Pferd fressen würde ; es zeigt sich auch in dieser Hinsicht als brauchbares Wüstentier . Sodann kann es infolge seines weiten Magens eine ungewöhnliche Menge Wasser zu sich nehmen , welche länger reicht als bei dem Pferde ; aber schon am zweiten Tage hat es wieder Durst ; am dritten wird es schwach und am vierten hinfällig , wenn es Lasten zu tragen hat . Es kommt ja auch auf die Leistungen an , welche man von ihm verlangt . Ich bin mit einem vorher tüchtig getränkten Bischarihnhedschihn , welches nach deutschem Gelde wohl 8000 Mark wert war , in drei Tagen und drei Nächten 450 Kilometer geritten ; dann aber konnte es vor Durst nicht weiter . Und daß das Magenwasser genießbar sei , ist auch eine alte , ganz unbegründete Fabel . Ich habe viele Kamele kurz und auch später nach dem Tränken schlachten sehen , denn das Fleisch wird ja ganz gern gegessen ; aber schon zwei Stunden nach der Annahme des Wassers hatte es das Aussehen von Urin und einen geradezu widerstrebenden Magengeruch . Dann wird es schnell dicker und dunkler , bis es nach kurzer Zeit