nahen Erlösung und von Sabbatais Macht im Himmel und auf Erden . Ferner erzählte er , daß sein Oheim aus der Türkei nach Hause zurückgekehrt sei und gänzlich betäubt sei von dem Großen und Wundervollen , das er dort gesehen . Das Volk von Smyrna sei wie im Wahnsinn und jauchze dem Befreier zu , der in Prozessionen von nie gesehener Pracht durch die Straßen ziehe . Die Ungläubigen , die Chofrim , seien ihres Lebens nicht sicher ; Chajim Peña sei vom Volk fast zerfleischt worden , als er gegen Sabbatai aufgetreten war ; des Peña eigne Tochter habe mit verzückten Sinnen das Heil des Erlösers ausgerufen , habe geweissagt und sei wie berauscht gewesen . Da gaben sie Chajim Peña frei , und er wurde später zum Jünger . So wurde erzählt und Boruchs Klöß wußte immer noch erstaunlichere Dinge als Itzig Gänßhenker . Maier Knöcker aber schwieg mit schwerem Herzen . Ringsum sah er den wilden Tanz sich gestalten ; seine Klugheit warnte ihn davor , zu widerstehen , um so mehr , als noch in derselben Nacht das Gerücht laut wurde , Zacharias Naar stehe in Verbindung mit dem Propheten selbst . Er erhielt dadurch eine förmliche Weihe ; er ging in die Häuser der Juden , überzeugte die Zweifler und entstammte die Hoffenden . Überall schritt er umher , überall fand man ihn , oft hob er sich gegen den dunklen Himmel der Felder ab , einsam im Abend . Die Glocke verkündete die Mitternacht . Ein junger Mensch schlich über den Lilienplatz in die Wassergaß zum Haus des Knöckers . Er hatte ein langes Rohr unter seinem Mantel verborgen , und sein Kopf war sorglich in eine Kapuze gehüllt . Der rote Mond senkte sich gegen Westen und schien ein zauberhaftes Blühen auf die Dächer zu breiten . Gelbe Blüten , zarte Nebelschleier , er hauchte sie hin , daß es keiner sah , und die Steine waren nicht mehr Steine , sondern Knospen von Mondblüten und jeder Zaunpfahl erwachte aus einem traumlosen Schlaf und guckte schwermütig in die Welt . Die windschiefen Häuser sahen unbekleidet , hilflos und gottverlassen aus ; manche erschienen rührend in ihrer trostlosen Verfallenheit , während ihre Fenster traurigen Augen glichen , die in die dunstige Glasglocke des Himmels hineinstarrten , als ob sie geblendet wären von dem sanften natürlichen Licht . Der junge Mensch überkletterte einen niederen Zaun und erstieg eine schmale morsche Treppe , von wo er auf ein Dach kam , und dort schritt er auf den Zehen weiter . Vor einem grünen Fensterladen stand er still und steckte sein Rohr durch einen schmalen Spalt . Nun rief er mit dumpfer und verstellter Stimme in das Sprachrohr : » Boruch ado adonai elohim ! O ihr gerechten und gottliebenden Eheleute Maier Nathan und Thelsela ! freuet euch , denn eure Tochter , die eine Jungfrau ist , hat eine Tochter in ihrem Leib empfangen , die wird die Braut sein dem Erlöser des Volkes Israel , dem Messias zu Smyrna . « Der Knöcker , der vergebens seine Kissen um Schlaf zerwühlt hatte , und dessen Phantasie in wilder Bewegung war , weckte sein Weib . » O meine Liebste , « flüsterte er beklommen , » hast du die himmlische Stimme gehört ? Es ist ein Engel dagewesen ; stehe auf , wir wollen beten , daß du die himmlische Stimme auch zu hören gewürdigt werdest . « Zitterndes Leibes erhob sich die Frau ; sie lauschte in die Nacht hinaus , legte die vermagerte Hand auf die klopfende Brust und kniete nieder . Da ertönte die Stimme von neuem : » Ihr sollt eure Tochter in hohen Ehren halten und großen Fleiß anwenden , daß sie wohl versorgt werde . Denn aus ihrem jungfräulichen Leib wird die Messiasbraut geboren werden . « Da packte Thelsela ihren Mann und zog ihn hinüber in das Zimmer , wo die Tochter schlief . Sie schien ruhig zu schlummern , sah abgehärmt aus und ihre Lider zuckten ein wenig . Als die Mutter ihr die Decke vom Körper ziehen wollte , stieß sie einen heiseren Schrei aus und krampfte die Hände von tödlicher Angst erfaßt , in den Stoff . Doch der Knöcker streichelte ihr die Wangen und stotterte unverständliche Zärtlichkeiten , während Thelsela den Leib des Mädchens befühlte , ernst nickte und von Andachtsschauern durchrieselt wurde . Eine große Freude hatte den Maier Nathan befallen : sein Haus war zu solch vorzüglichen Dingen auserwählt worden , daß er in diesen Stunden sogar der Sorge um sein Geld vergaß und mit seinem Weib am Lager der Tochter sitzen blieb , um ungeduldig den Anbruch des Tages zu erwarten . Über Nahels Wangen flossen bittere Tränen . Mit weitgeöffneten Augen sah sie beständig auf einen Punkt . Böse Gesichte schienen sie zu foltern ; das Licht tat ihr weh , jede Tröstung schmerzte sie . Der Maier Nathan indessen , dem eine ganz neue Welt aufgegangen war , sah sich schon als den Patriarchen der Gemeinde , gepriesen als den Vater eines unerhörten Glückes . Er nahm sein Weib bei der Hand , führte sie in das Schlafgemach zurück , stammelte trunken , fuhr sich in die Haare , lachte , tänzelte und ging endlich fort , um zuerst seinen Freund Boruchs Klöß und dann den Chassan aufzusuchen . Der Morgen war nahe . Eine drückende Öde lag auf den Gassen . Fern in der Ebene rauschte der Fluß , und bisweilen klang es herein wie das Klappern eines Mühlenrades oder das Geläute von Kuhglocken . Den Zenit belagerten große Wolken . Wie Raubtiere lagen sie und schienen bereit , sich auf das Land zu stürzen . Fast in allen Judenhäusern war Licht . Wo auch Maier Knöcker das neugierige Ohr an einen Türverschluß oder an eine dünne Mauerwand legte , hörte er Gebete murmeln , Klagen , Anrufungen und Lobpreisungen . Als der helle Tag angebrochen war , kam wunderbare Kunde . Es hieß nämlich , die Juden