Eisenfüßen , die sich unten auf dem schwarzen Fliesenboden schneckenartig umkrümmen ... Von der zierlichen Decke oben , über die sich geometrische Figuren in blauen und grünen Linien auf goldnem Grunde durcheinander spinnen , hängen an eisernen Ketten bunte maurische Lampen hernieder . Sie beleuchten das braune Fettgesicht des dicken Schreibers und lassen auch eine indische sitzende Götterfigur mitten im Hintergrunde sichtbar werden . Der Götze sitzt aber höher als der Schreiber ... Im Empfangssaal ist es ganz still . Nur die glühenden Kohlen knistern ein bißchen . Die duftigen blauen Räucherwolken wirbeln zur zierlichen Decke , ziehen in langen Fäden langsam durch die Säulenbogen in die Mondnacht hinaus . Zu Osman in die Empfangshalle kommen nun mit dem gelehrten Kodama die beiden Dichter Suleiman und Safur . Kodamas wohltönende Stimme wird von Osman schon von fern , als die Drei noch unten auf der Treppe waren , gehört . Kodama ist auch ein Geograph , aber er läßt sich nicht gern so nennen , weil er nicht gern reisen mag ... er ist zu dick . Osman blickt die Kommenden traurig an . Kodama schmunzelt so recht inniglich vergnügt , er ist fast ebenso dick wie der dicke Schreiber . Osmans Mondgesicht glänzt , des Geographen Mondgesicht glänzt auch . Dessen gelbseidener Turban ist sehr schön . Ach - Kodamas kurzer schwarzer Sammetrock ist auch sehr schön , und gar seine breiten schwarzseidenen Hosen - die sind die schönsten Pluderhosen in ganz Bagdad . » Aber Osman , warum bist Du denn so traurig ? « ruft der Geograph , und er schüttelt sich vor Lachen , daß ihm die hellen Tränen über die rasierten braunen Wangen rollen . Osman schweigt , und seine Miene wird noch kummervoller . Safur betrachtet das indische Götzenbild . Suleiman wärmt sich die Hände vor dem einen Kohlenbecken . Kodama streichelt den runden kupfernen Himmelsglobus und wendet sich plötzlich ganz ernst zum jungen Safur und sagt sehr wohltönend : » Sieh nur , mein Teurer , hier kannst Du was lernen . So rund wie diese Kugel ist auch unsre Erde - ja ! ja ! Hast Du denn schon meine kleine Schrift über die Kugelgestalt der Erde zu Ende gelesen ? Nein ? Ich kann Dir nur raten - lies , was ich da geschrieben . Das könnte Dich auch dichterisch anregen . Glaubst Du nicht , daß der Mensch auch so rund wie eine Kugel werden könnte ? Ich sage Dir : möglich ist das . Zum mindesten sollten wir immer bestrebt sein , runder zu werden . Dürfte nicht mein Leib noch schöner aussehen , wenn er noch runder würde ? Bist Du auch rund ? Nein ? Warum nicht ? « Safur lacht laut auf und geht hinaus auf den Altan , wendet sich aber gleich zur Linken und schreitet eilig über die Brücke zum Mittelturm ; seinen Freund Abu Maschar , der noch immer oben auf dem Turme wie eine Bildsäule dasteht , will er besuchen . Indessen - Kodama setzt sich behaglich neben Osman auf den persischen Teppich und fragt den traurigen Schreiber ; » Na , was hast Du denn ? « Kodama bekommt leider keine Antwort . Battany und Jakuby treten grade - immer noch flüsternd - mit mürrischen Gesichtern in den Empfangssaal . Sie sehen Bagdads dickste Freunde merkwürdig steif auf dem Teppich sitzen . Suleiman wärmt sich noch immer die Hände an dem einen Kohlenbecken . Man begrüßt sich , indem man schweigend leicht das Haupt nach vorne beugt , was sehr drollig aussieht ... Es ist einen Augenblick wieder still . Dann jedoch knarren die Treppenstufen , und herein stürmt wie ein Wilder der große Philosoph Abu Hischam . Malerisch schlottert ihm sein alter Kittel um die dürren Beine , die armenische Pelzmütze sitzt ihm schief auf den lockigen braunen Haaren , sein zottiger Bart zittert ihm , und die großen braunen Augen rollen ihm im Kopfe . Abu Hischam haut mit der Faust auf den Globus und stampft mit dem rechten Fuß auf den Boden . Kodama springt empor . Suleiman , Battany und Jakuby kommen erschrocken näher . » Was ist denn los ? « schreit der dicke Kodama . Doch der Philosoph reckt die Faust zum Himmel auf und fragt heiser : » Wißt Ihr noch nichts ? « » Ich weiß Alles ! « ruft traurig der dicke Schreiber . Die Andern aber wollen nun wissen , was los ist . Und Abu Hischam erzählt wirr und erregt : » Was wir immer gefürchtet , ist geschehn . Der Chalif Mutadid - dieser Hund - er hats gewagt - er hat ein neues Gesetz erlassen . Er hat verboten - man höre nur ! - Bücher herauszugeben , die einen philosophischen oder politischen Inhalt haben . Das heißt : wir dürfen überhaupt keine Bücher mehr herausgeben . Ist das nicht stark ? Weder Philosophisches noch Politisches soll ins Volk dringen - das heißt : wissenschaftliche Bücher sollen nicht mehr geschrieben werden . Was sagt Ihr nun ? Er hats gewagt ! Der Hund ! Der Hund ! Dieses verfluchte Aas ! « Und alle Sechs werden fürchterlich wütend - sie schreien gellend durcheinander . Battanys Toga fliegt umher wie ein Segel im Sturm . Jakuby fuchtelt mit dem rechten Zeigefinger vor seiner Nase herum . Kodama schlägt sich immerfort mit den Fäusten vor die Brust . Suleiman ringt die Hände . Osman stöhnt . Der Philosoph Abu Hischam brüllt wie ein Stier , schimpft wie ein Kameltreiber und hält , wie sich der Lärm ein wenig gelegt , eine Rede : » Freunde ! « ruft er , » was ich schon immer empfahl , das empfehle ich jetzt noch einmal - das muß jetzt endlich zur Tat werden . Wir müssen einen Geheimbund gründen und unsre Bücher unter uns herausgeben - nicht fürs Volk . Was haben wir davon , wenn unsre Bücher gekauft und gelesen werden von Leuten , die uns garnicht verstehen können ? Bilden