en halben Tog zu verschlofa ; weil wir Weibsen uns abrackern missen . Das wär ane verkehrte Welt . Wach uf , Karle ! « - Karl fuhr auf , sah sich verdutzt um , nahm seine Pfeife auf , die er langsam wieder in Brand setzte , und blinzelte bald von neuem mit den Augenlidern . Seine Ehehälfte ging inzwischen brummend und murrend auf und ab . Theresens Wut wurde gar nicht durch die Schlafsucht des Gatten erregt , an die sie schon gewöhnt war . Vielmehr ärgerte sie sich darüber , daß Gustav von der Bäuerin mit den besten Bissen bewirtet wurde . Sie war ihrem Schwager überhaupt nicht grün . Der jüngere Sohn werde dem älteren gegenüber von den Alten bevorzugt , fand sie . Sie fühlte wohl auch , daß Gustav ihrem Gatten in vielen Stücken überlegen sei , und das mochte ihre Eifersucht erregen . Ganz erbost flüsterte sie den Schwägerinnen zu - soweit bei ihr von einem Flüstern die Rede sein konnte - » de Mutter stackt ' s Gustaven wieder zu , vurna und hinta ! « Endlich war Gustav fertig mit Essen . Zur Freude seiner Mutter hatte er reine Wirtschaft gemacht . Sich streckend und gähnend , meinte er , daß es in der Kaserne so was freilich nicht gäbe . Inzwischen war der alte Bauer erwacht . » War Gustav doe ? « fragte er , sich mit leeren Augen umsehend . Als er gehört hatte , daß Gustav bereits abgegessen habe , stand er auf und erklärte , mit ihm hinausgehen zu wollen auf die Felder . Der junge Mann war gern bereit dazu . Er wußte so wie so nicht , wie er den langen Sonntagnachmittag verbringen solle . Karl ging mit Vater und Bruder aus dem Zimmer , scheinbar , um mit auf ' s Feld zu gehen . Aber , er verschwand bald . Er hatte nur die Gelegenheit benutzt , herauszukommen , um auf dem Heuboden , ungestört von seiner Frau , weiter schlafen zu können . Der Bauernhof bestand aus drei Gebäuden , die ein nach der Südseite zu offenes Viereck bildeten . Das Wohnhaus , ein geräumiger Lehmfachwerkbau , mit eingebauter Holzstube , ehemals mit Stroh gedeckt , war von dem jetzigen Besitzer mit Ziegeldach versehen worden . Mit dem schwarz gestrichenen Gebälk und den weiß abgeputzten Lehmvierecken zwischen den Balken , den unter erhabenen Bogen wie menschliche Augen versteckten Dachsenstern , blickte es sauber , freundlich , altmodisch und gediegen drein . Die Winterverpackung aus Moos , Laub und Waldstreu war noch nicht entfernt worden . Das Haus war wohl versorgt , die Leute , die hier wohnten , das sah man , liebten und schützten ihren Herd . Unter einem langen und hohen Dache waren Schuppen , Banse und zwei Tennen untergebracht . Ein drittes Gebäude enthielt Pferde- , Kuh- und Schweineställe . Scheune wie Stall wiesen noch die althergebrachte Strohbedachung auf . Die Gebäude waren alt , aber gut erhalten . Man sah , daß hier Generationen von tüchtigen und fleißigen Wirten gehaust hatten . Jeder Ritz war zugemacht , jedes Loch beizeiten verstopft worden . In der Mitte des Hofes lag die Düngerstätte mit der Jauchenpumpe daneben . Am Scheunengiebel war ein Taubenhaus eingebaut , welches eine Art von Schlößchen darstellte ; die Türen und Fenster des Gebäudes bildeten die Ein- und Ausfluglöcher für die Tauben . Ein Kranz von scharfen , eisernen Stacheln wehrte dem Raubgetier den Zugang . In dem offenen Schuppen sah man Brettwagen , Leiterwagen und andere Fuhrwerke stehen , die Deichseln nach dem Hofe gerichtet . Unter dem vorspringenden Scheunendach waren die Leitern untergebracht . Im Holzstall lag gespaltenes Holz für die Küche , Reisig zum Anfeuern und Scheitholz . Das Kalkloch , der Sandhaufen und der Stein zum Dengeln der Sensen fehlten nicht . Der Sinn für das Nützliche und Notwendige herrschte hier wie in jedem rechten Bauernhofe vor . Aber auch der Gemütlichkeit und dem Behagen war Rechnung getragen . Ein schmales Gärtchen , von einem Holzstaket eingehegt , lief um die Süd- und Morgenseite des Wohnhauses . Hier zog die Bäuerin neben Gemüsen und nützlichen Kräutern verschiedene Blumensorten , vor allem solche , die sich durch starken Geruch und auffällige Farben auszeichneten . Und um die Pracht voll zu machen , hatte man auf bunten Stäben leuchtende Glaskugeln angebracht . In der Ecke des Gärtchens stand eine aus Brettern zusammengestellte Holzlaube , die sich im Sommer mit bunt blühenden Bohnenranken bezog . Im Grasgarten standen Obstbäume , von denen einzelne , ihrem Umfange nach zu schließen , an hundert Jahr alt sein mochten . Die Tür des Wohnhauses war besonders schön hergestellt . Drei glatt behauene steinerne Stufen führten hinauf . Die Pfosten und der Träger waren ebenfalls von Granit . Auf einer Platte , die über der Tür angebracht war , stand folgender Spruch eingegraben : » Wir bauen alle feste , und sind doch fremde Gäste , und wo wir sollen ewig sein , da bauen wir gar wenig ein ! « Gustav und der Bauer schritten vom Hause , ohne daß einer dem anderen ein Wort gesagt oder einen Wink gegeben hätte , geraden Weges nach dem Pferdestalle ; denn hier war der Gegenstand des allgemeinen Interesses untergebracht : eine zweijährige braune Stute , die der Bauer vor kurzem gekauft hatte . Zum dritten oder vierten Male schon besuchte der Unteroffizier , der erst am Abend vorher in der Heimat eingetroffen war , das neue Pferd . Er hatte sich die Stute auch schon ins Freie hinausführen lassen , um ihre Gänge zu beobachten ; aber ein Urteil über das Pferd hatte er noch immer nicht abgegeben , obgleich er ganz genau wußte , daß der Alte darauf wartete . Gustav sagte auch jetzt noch nichts , obgleich er prüfend mit der Hand über die Sehnen und Flechsen aller vier Beine gefahren war . Die Büttners waren darin eigentümliche Käuze . Nichts wurde ihnen schwerer , als sich