und besprechen oder so was wie mit Sympathie . Das hilft immer . Wir haben da eine alte Pohlsche , sowie die lospustet , ist es weg ... Apropos , ist denn noch Weihnachtsmarkt ? « » Ich glaube , er ist noch oder wenigstens ein bißchen . « » Ein paar Buden werden ja wohl noch stehen , und da müssen wir hin , Kinder . Herr Jraf , einen Dreier , so was Klassisches will ich mal wieder hören . Und dann gehen wir zu Helms und trinken Grog oder Schokolade mit Schlagsahne und dann in die Reichshallen . « » Oh , das ist ein glücklicher Einfall « , sagte Manon . » Nicht wahr , Sophie ? Du bist so still ; sprich doch auch ... Für Therese wird es wohl nicht passen , sie wird die Reichshallen nicht vornehm genug finden . Aber zwei Schwestern ist auch genug , und ich freue mich herzlich . Nur mußt du ' s so einrichten , daß wir etwa um neun bei Bartensteins sind oder doch nicht viel später . Ja , Leo , bis in die Voßstraße mußt du uns dann bringen . « » Gern . Aber wozu ? Was ist denn da los ? « » Polterabendprobe . Seraphine Schweriner , eine Cousine von Flora , verheiratet sich in vierzehn Tagen , und da haben wir seit Weihnachten immer Proben . Ich spiele mit , sogar zweimal , erst Quirlmädchen , dann Slowake mit Mausefallen . Ich soll reizend aussehen . « » Natürlich . « » Und Sophie hat ein Transparent gemalt und den Prolog gedichtet . Aber sie will ihn nicht sprechen . « » Das mußt du dann am Ende auch noch . « » Vielleicht ; aber jedenfalls nicht gern . Prolog ist immer zu langweilig . Jeder ist immer froh , wenn es damit vorbei ist . Aber ob ja oder nein , davon sprechen wir unterwegs , vorausgesetzt , daß sich unterwegs überhaupt ein Gespräch führen läßt . Denn man muß jetzt sehr aufpassen : es ist abends immer so neblig . Überhaupt , Berliner Luft ... « » Ach , rede doch nicht so was , Manon . Berlin hat die feinste Luft von der Welt . Ich kann dir sagen , daß ich froh bin , mal wieder ein bißchen drin herumschnuppern zu können . Nebel ; Nebel ist ganz egal , Nebel ist was Äußerliches , und alles Äußerliche bedeutet nichts . Innen steckt es , innen lebt die schaffende Gewalt , immer frisch , froh und frei ; - fromm schenk ich mir , verzeih , Therese ... Gott , unser Nest da , das hat die reinste Luft , immer Ostwind und dergleichen , und wer nicht fest auf der Bost ist « , und er gab sich einen Schlag auf die Brust , » der hat eine Lungenentzündung weg , er weiß nicht wie . Also wir haben die reinste Luft , keine Frage . Und doch sag ich euch , immer stickig , immer eng , immer klein . Wenn der Oberst niest , hört es der Posten vorm Gewehr und präsentiert . Greulich . Wenn nicht das bißchen Jeu wäre und die paar Judenmädchen ... « » Aber Leo ... « » Oder die paar Christenmädchen ; bloß die Jüdinnen sind hübscher . « » Ihr müßt aber doch geistige Beschäftigung haben ? « » I bewahre . Dazu ist ja gar keine Zeit . Ich überschlage bloß dann und wann meine Schulden und rechne und rechne , wie ich wohl rauskomme . Das ist meine geistige Beschäftigung , ganz ernsthaft , beinahe schon wissenschaftlich . « » Gott , Leo « , sagte die Mutter und sah ihn ängstlich an . » Gewiß bist du bloß deshalb gekommen . Ist es denn wieder viel ? « » Viel , Mutter ? Viel ist es nie . Viel kann es überhaupt nie sein . Denn so dumm ist keiner . Viel , das fehlte auch noch . Aber wenig ist es , und bei allem Glück , daß es so wenig ist , ist das doch auch grade wieder das Ärgerliche , ja das Allerärgerlichste . Denn man sagt sich : Gott , es ist so wenig , dafür kann man ja gar nichts gehabt haben , und hat auch nicht , und dann kommt erst das andre , daß man ' s , trotzdem es so wenig ist , doch nicht begleichen kann . Keiner , der einem hilft , keine Seele . Wenn ich mir da die andern ansehe ! Jeder hat einen Onkel ... « » Oh , den haben wir auch « , unterbrach Sophie . » Und Onkel Eberhard ist ein Ehrenmann ... « » Zugestanden . Aber Onkel Eberhard , so gut er ist , er legitimiert sich nicht als Onkel oder wenigstens nicht genug . Und dann , Kinder , wer keinen Onkel hat , der hat doch wenigstens einen Großvater oder einen Paten oder eine Stiftsdame . Stiftsdame ist das beste . Die glauben alles , jede Geschichte , die man ihnen vorerzählt , und wenn sie auch selber nicht viel haben , so geben sie doch alles , ihr letztes . « » Ach , Leo , rede doch nicht so . Sie können doch nicht alles geben . « » Alles , sag ich . Denn was eine richtige Stiftsdame ist , die kann auch alles geben , weil sie gar nichts braucht . Sie hat Wohnung und Fisch und Wild , und die Puthühner laufen im Hof herum , und die Tauben sitzen auf dem Dach , und in dem großen Gemüsegarten , den sie natürlich selber besorgen ( denn sie haben ja nichts zu tun ) , da steht immer irgendwo ein Kohlrabi oder eine Mohrrübe , und in der Küche ist immer Feuer , weil sie frei Holz haben . Und deshalb , ja , ich muß es