Wein- und im zweiten Stock die Schnapsnase . « Das weiße zarte Gesicht , das sich ansah wie ein Heiligenbild , wenn das Mädchen schwieg , wurde zur widerlichen Fratze , wenn sie im derben Volkston ihre Spitzfindigkeiten hinwarf . » Nein , das ist zu arg « , sagte das jüngste Mädchen oben auf dem Schindeldach entrüstet , » das muß ich meiner Frau Mutter erzählen , die hat alle zwei zur Firmung geführt . « » Was denn ? was denn ? « fragten die Kleineren neugierig und schauten hinab auf die lärmende Schar . » Daß die Strohschneidermädeln schon vor der Kirche singen und schreien , gelt ? « fragte das größte Kind , » die tun mehr , was unserm Herrgott nicht recht ist « , betonte sie dann mit halbem Verständnis . Das spielte sich draußen auf der Straße ab , während drinnen in der Kirche der Leopold und die Lene das bindende » Ja « sprachen und alle Weiber wie bei einem Begräbnis einige Minuten lang in die weißen Taschentücher weinten . » Na ja ! Sind halt doch ein paar arme Waisen . Wie schnell dem Leopold seine Mutter gestorben ist , gleich nach ihrem Alten . Und der Lene ihre Leut erst , was die für eine Freud gehabt hätten an ihren Kindern , wenn sie das erlebt hätten ! « schluchzte die Laternenanzünderin . » Aber Nachbarin « , flüsterte ein hochbusiges , lebensfrohes Weib , » heut haben wir ja keine Leiche , sondern eine Hochzeit ! « » Freilich , wahr ist ' s « , seufzte die Frau und weinte weiter , da sie einmal begonnen . » Sie , Jungfer Braut , Sie müssen mehr denn je Ihrer Pflichten eingedenk sein , Sie müssen Ihrem Manne mehr sein als jedes andere Weib dem Manne ist , Sie müssen seine rechte Hand sein , und Ihr werdet wahrhaftig den Weg des Herrn in Frieden wandeln und in Ehren . « - So schloß der Pfarrer seine Rede , noch ein tiefes » Amen « , und die zwei waren eines . - » Und da soll ein Mensch nicht weinen , wenn einer so schön redet wie der Herr Pfarrer ? « wimmerte die Laternenanzünderin . Auch der Leopold fuhr bei dem Schluß der Rede mit der Faust über die Augen , dann blickte er auf seinen leeren Ärmel und dann mit glückleuchtenden Augen auf sein junges blühendes Weib . Er hatte während der Trauung ihre Hand nur auf die eine Sekunde losgelassen , es war ihm auf dem Herzensgrunde so gruselnd-ängstlich , als könnte ihm das Mädchen da an seiner Seite noch im letzten Augenblicke genommen werden , und was hatte er dann auf der Welt ? Seit er heimgekehrt war , hatte er an dem Kinde seine Freude , die Schönheit des jungen Geschöpfes machte ihn weich , wenn er grollen wollte , und lustig , wenn ihn sein Schicksal traurig dünkte , und stark , wenn er sich schwach und gedrückt fühlte gegenüber der alten fröhlichen Zeit . Je länger das währte , desto näher rückte der Wunsch heran , sie zu seinem Weibe zu machen . Und er hätschelte sie heimlich und offen und sagte ihr oft , wie draußen in der Welt , gleich in Italien , da , wo er war , die Männer ihre Weiber gut hielten , und ihre Kinder , setzte er meist hinzu , denn sie war ja noch ein halbes Kind damals . Und als die Alten dann eines nach dem andern starben , seine große Elternstube leer wurde , als er Brot genug erwarb für zwei , er war Straßenaufseher geworden , da fragte er : » Lene , möchtest du nicht die Meinige werden ? « Ei , wie ihm bei der Frage etwas im Hals zitterte und wie er eine Faust machte aus purer Verliebtheit , weil er sich nicht zu helfen wußte . Sie schaute ihn an , schmiegte sich ein wenig an ihn , lächelte und lief davon , ohne ein Wort zu sagen . Acht Tage später aber fragte sie in ihrer faulen , zurückhaltenden , kindischen Weise unauffällig , so wenn es sich schickte nur , alle alten Leute in der Blauen Gans : ob der Leopold hübsch sei , ob er eine Frau erhalten könne , ob er nie trinken würde so wie die andern paar leichtsinnigen Männer , die im Hause lebten , und ob er nicht sein Weib schlagen würde , so wie es im Zorn oder im Rausch fast jeder einmal wenigstens getan hätte . Die Leute antworteten erst lachend , dann ernst dem Mädel , das kaum aus den Kinderschuhen gesprungen war , kein rechtes Anschicken zur Arbeit hatte und eigentlich von dem ganzen Hause verzogen und erhalten wurde . » Weil sie ein armes Waiserl ist und so viel schön « , meinten die Weiber , und die Männer dachten sich dasselbe . » Sollst den Leopold heiraten , Lene ! « sagte der Laternenanzünder , der ihr Vormund war seit ihres Vaters Tod , » bist ein Waisenkind jetzt , und der Leopold hat ein gutes Einkommen , kann sich schon so eine Prinzessin nehmen , und der Leopold ist ein ehrlicher Kerl und hat eine Manier gelernt in der Welt , und der Leopold schaut am Sonntag aus wie ein gnädiger Herr , und er hat dich gern und verzieht dich von klein auf . Soll ich mit ihm reden ? « » Nein , nein ! Laß der Herr Laternanzünder-Göd das nur sein « , sagte sie leichthin und schlenderte davon . Noch am selben Abend aber , als sie am Brunnen stand , fragte sie den Leopold : » Wirst du nie viel Wein und Bier trinken ? « » Hab ich nie getan , du Kindskopf « , lachte er . » Wirst du dein Weib niemals schlagen ? « » Schäm dich , Mädel , daß du um