einem großen Zeitungsblatt , das im Laufe des Nachmittags der Postbote gebracht hatte . Freilich war es noch kein rechtes Vorlesen , sondern erst der Versuch dazu , wobei sich ' s die Dobschütz - in den Zeitungen zitterte der italienische Krieg noch nach - angelegen sein ließ , zunächst nur die Kopftitel zu lesen , und zwar in einem anfragenden Tone . » Erzherzog Albrecht und Admiral Tegetthoff ... « Die Gräfin schüttelte den Kopf ... » Auf dem Marsche nach Magenta « ... » Die Kürassierbrigade Bonnemain « ... Neues Kopfschütteln ... » Man schreibt uns aus Charlottenburg über das Befinden König Friedrich Wilhelms des Vierten ... « » Ja « , unterbrach hier die Gräfin , » das lies , liebe Dobschütz . Das aus Charlottenburg . Ich habe kein Interesse für Kriegsgeschichten , es sieht sich alles so ähnlich , und immer bricht wer auf den Tod verwundet zusammen und läßt sterbend irgendein Etwas leben , das abwechselnd Polen oder Frankreich oder meinetwegen auch Schleswig-Holstein heißt . Aber es ist immer dasselbe . Dieser moderne Götze der Nationalität ist nun mal nicht das Idol , vor dem ich bete . Die rein menschlichen Dinge , zu denen , für mich wenigstens , auch das Religiöse gehört , interessieren mich nun mal mehr . Dieser unglückliche König in seinem Charlottenburger Schloß ; ... ein so heller Kopf , und nun umnachtet in seinem Geiste . Ja , das interessiert mich . Ist es lang ? « » Eine Spalte . « » Das ist viel . Aber fange nur an , wir können ja abbrechen . « Und nun las die Dobschütz : » ... Alle Nachrichten stimmen dahin überein , daß es mit dem Befinden des Königs schlechter geht ; seine Teilnahme läßt nach , und die Stunden , in denen er folgen kann , werden immer seltener . Selbstverständlich beginnt dieser Zustand des Kranken auch das staatliche Leben zu beeinflussen , und gewisse Rücksichten , die man bisher nahm , lassen sich nicht mehr durchführen . Es läßt sich nicht verkennen , daß sich ein vollständiger Systemwechsel vorbereitet und daß sich dieser Wechsel demnächst auch in der auswärtigen Politik zeigen wird . Das Verhältnis zu Rußland und Österreich ist erschüttert , ein freundschaftliches Verhältnis zu den Westmächten bahnt sich mehr und mehr an , zu England gewiß . Alles , was geschieht , erinnert an die Zeit von 6 bis 13 , die , nach voraufgegangener Erniedrigung , eine Zeit der Vorbereitung und Wehrhaftmachung war . Mit solcher Wehrhaftmachung beschäftigen sich unausgesetzt die Gedanken des Prinzregenten , und ist Preußen militärisch erst das , was der Prinzregent aus ihm zu machen trachtet , so werden wir sehen , was wird . Und in keiner Frage wird sich das deutlicher zeigen als in der schleswig-holsteinschen . « » Es ist gut « , sagte die Gräfin . » Ich dachte , der Artikel würde Mitteilungen vom Hofe bringen , anekdotische Züge , Kleinigkeiten , die meist die Hauptsache sind , und nun bringt er politische Konjekturen . Ich glaube nicht an Vorhersagungen , die meist von denen gemacht werden , die die geringste Berechtigung dazu haben ... Aber was ist das für ein Bild , das ich da auf der Rückseite der Zeitung sehe , Schloß und Schloßtürme ... « Die Dobschütz , die nichts davon wußte , wandte die Zeitung und sah nun , daß es eine Annonce war , die , mit ihrem großen Holzschnitt in der Mitte , beinahe die ganze Rückseite der Zeitung einnahm . Das Auge der Dobschütz glitt darüber hin . Dann sagte sie : » Es ist eine Pensionsanzeige aus der Schweiz , natürlich vom Genfersee : hier , das kleine Gebäude , ist das Pensionat , und das große Hotel im Vordergrunde ist nur Zugabe . « » Lies . Ich interessiere mich für solche Annoncen . « » ... Unsere Pension Beau-Rivage tritt nun in ihr fünfundzwanzigstes Jahr . Es haben in dieser Zeit junge Damen aus allen Teilen der Erde Aufnahme bei uns gefunden und bewahren uns , soviel wir erfahren , ein freundliches Gedenken . Wir verdanken dies , neben dem Segen , der nicht fehlen darf , auch wohl den Grundsätzen , nach denen wir unsere Pension unausgesetzt leiten . Es sind dies die Grundsätze der Internationalität und konfessioneller Gleichberechtigung . Ein kalvinistischer Geistlicher steht leitend an der Spitze des Ganzen , aber durchaus von einem Geiste der Duldung erfüllt , überläßt er es den Eltern und Vormündern , die Zöglinge , die man uns anvertraut , an diesem Religionsunterricht teilnehmen zu lassen oder nicht ... « Die Gräfin erheiterte sich sichtlich . Sie hatte den Zug der meisten Frommen und Kirchlichen , die Kirchlichkeit anderer nicht bloß auzuzweifeln , sondern meist auch von der komischen Seite zu nehmen , und so waren ihr denn Mitteilungen aus dem Lager der Katholiken und beinah mehr noch der Genferischen immer eine Quelle vergnüglicher Unterhaltung , auch wenn sich nicht , wie hier , eine das Heitere so direkt herausfordernde Geschäftlichkeit mit einmischte . Sie nahm das Blatt , um die Pensionsanzeige , die sich noch fortsetzte , weiterzulesen , aber der Diener , der schon seit einer Viertelstunde den Whisttisch beobachtet und den Schluß des Robbers abgewartet hatte , trat jetzt vor , um zu melden , daß der Tee serviert sei . » Trifft sich vorzüglich « , sagte Baron Arne . » Wenn man gewonnen hat , zählt ein Rebhuhn , worauf ich rechne , zu den gesundesten Gerichten ; sonst freilich nicht . « Und damit erhob er sich und reichte dem Fräulein von Dobschütz den Arm , während Schwarzkoppen mit der Gräfin voranschritt . » Nun , Petersen « , sagte der Graf , » wir müssen miteinander fürlieb nehmen . « Und an Asta und Elisabeth vorübergehend , rief er diesen zu : » Nun , meine Damen ... « Aber Asta streichelte nur zärtlich seine Hand und sagte : »