das Leben kostet . « Die Pittelkow lachte herzlich , was sie jedoch nicht abhielt , Wanda mit einer gewissen Feierlichkeit in den rechten Sofaplatz hineinzukomplimentieren . Stine , die sehr gut aussah und auf Wunsch der Schwester ihr getüpfeltes » Perlhuhnkleid « anhatte , sollte sich neben Wanda setzen , bestand aber hartnäckig auf ihrem Willen und nahm einen Lehnstuhl der Schauspielerin gegenüber . Zwischen beiden stand ein Riesenbouquet , das im Invalidenhausgarten für diesen Festabend geschnitten worden war : ein Dutzend Rosen , aus deren Mitte hohe Feuerlilien aufwuchsen . Wanda , die riechen wollte , bückte sich zu tief hinein und machte sich dadurch einen gelben Bart , was Paulinen ungemein amüsierte . Sogar Olga wurde herbeigerufen . » Sieh , Olga , sieh , Tante Wanda hat ' nen Schnurrbart . Und was für einen ! Ihr sollt mal sehn , Kinder , der junge Graf hat gar keinen ! « In diesem Augenblick wurde die Klingel gezogen , und die Pittelkow ging , um in Person zu öffnen . Stine folgte , weil sie nicht sitzen bleiben und großartig die Dame spielen wollte . Wanda dagegen , im Vollgefühl dessen , was sie sich und der Kunst schuldig sei , rührte sich nicht vom Fleck und thronte weiter . Erst als der Besuch eintrat , erhob sie sich und erwiderte leichthin den Gruß der beiden älteren Herren , während sie vor dem jungen Grafen einen Hofknicks machte . » Darf ich die Herrschaften miteinander bekannt machen ? « fragte jetzt Sarastro verbindlich und mit anscheinend ernstester Miene . » Mein Neffe Waldemar « ( dieser verbeugte sich ) , » Frau Pauline Pittelkow geborene Rehbein , Fräulein Ernestine Rehbein , Fräulein Wanda Grützmacher . Einer Vorstellung unseres Freundes Papageno bedarf es nicht ; er genießt des Vorzuges , allen Anwesenden bekannt zu sein . « In der Art , wie diese Vorstellung von den drei Damen aufgenommen wurde , zeigte sich durchaus die Verschiedenheit ihrer Charaktere : Wanda fand alles in der Ordnung , Pauline brummte was von Unsinn und Afferei vor sich hin , und nur Stine , das Verletzende der Komödie herausfühlend , wurde rot . » Hat Borchardt geschickt ? « » Versteht sich , hat er ... « » Nun , dann bitt ich also ... « Der ungewöhnliche Bestimmtheitston , in dem das alles von seiten Sarastros gesagt wurde , verschnupfte die Pittelkow nicht wenig , sie hielt es aber für angemessen , ihren Ärger darüber auf andere Zeit zu vertagen , und ging mit Stine hinaus , um den schon vorher gedeckten Tisch aus dem Hinterzimmer in das Vorderzimmer zu tragen . Inzwischen war der alte Graf , der sehr feine Nerven hatte , durch die Feuerlilien und ihren Geruch heftig inkommodiert worden ; er nahm sie darum ohne weiteres aus dem Bouquet , öffnete das Fenster und warf sie hinaus . » Ein mir unerträglicher Geruch ; halb Kirchhof , halb Pfarrgarten . Und von beiden halt ich nicht viel . « Ehe fünf Minuten um waren , war die Tafelrunde geschlossen . Alle saßen an einem ovalen Tisch : obenan der alte Graf , neben ihm Wanda und Stine , dann Papageno und Waldemar , zuunterst aber , also dem alten Grafen gegenüber , seine Freundin Pauline . Sie saß so , daß sie bei jedem Aufblick in den Trumeau sehen mußte , was den alten Grafen , als er es merkte , zu dem halb scherzhaften , halb huldigenden Zuruf » Ehre , dem Ehre gebührt ! « veranlaßte . Die Pittelkow aber gefiel sich heute in Ablehnung solcher Huldigungen und sagte : » Jott , Ehre ! Mir ist nichts jräßlicher als immer meine Visage sehn . « » Dann bitt ich meine schöne Freundin , ihren Augenaufschlag etwas niedriger zu richten ; sie sieht dann mich . « Das erheiterte sie . » Da bin ich doch lieber fürs Gewesene . Da bin ich doch noch lieber für mich . « Sarastro und Papageno waren entzückt und tranken ihrer schwarzen Freundin zu . » Immer dieselbe « , sagte Sarastro . » Nicht wahr , Fräulein Wanda ? « Diese stimmte zu , schon einfach , weil sie mußte , begann aber doch an ihrer Rose zu zupfen , zum Zeichen , daß sie nicht hergekommen sei , sich vor den Triumphwagen der Witwe Pittelkow zu spannen . Dann lehnte sie sich zurück und sah nach der » Tellskapelle « . Papageno trug dieser Stimmung Rechnung und kam der Künstlerin , die durchaus versöhnt werden mußte , mit einem Kunstgespräch entgegen , was sich um so eher tun ließ , als auch der alte Graf an allem Theaterklatsch einen ehrlichen Anteil nahm und keinen Unterschied machte , gleichviel ob sich ' s um die Lucca oder Patti oder um die letzte Choristin in der » Fledermaus « handelte . » Meine Gnädigste « , begann Papageno , » was dürfen wir demnächst an Neuigkeiten auf Ihrem Kunstinstitut erwarten ? « » Unser Alter « , erwiderte Wanda , » will es mit einem Ausstattungsstück versuchen . Er meint , es sei noch das einzige ... « » Da hat er recht . Ist es eine Reise nach dem Mond oder in den Mittelpunkt der Erde ? « » Hoffentlich das letztere « , warf der alte Graf ein . » Ich bin für Mittelpunkte . « Wanda lächelte . Das Eis war gebrochen , und es wurde ihr von diesem Augenblick an einigermaßen schwer , in einem öden , weil wenigstens zunächst noch unpersönlich verbleibenden Kunstgespräch weiter fortzufahren . Sie bezwang sich aber und sagte , während sie nur dann und wann den alten Grafen verständnisvoll streifte : » Wegen Beschaffung eines Textes hat sich der Alte natürlich kein graues Haar wachsen lassen . Er bleibt bei seiner Abneigung , für Dinge zu zahlen , die man umsonst haben kann , und glaubt , wie mein Kollege Pöltrig sagt , der übrigens studiert hat