daß es durch meinen Mund geschieht . « Maria senkte die Augen , ihre Lippen zitterten , aber sie schwieg . » Ein sicheres Glück bietet sich uns im Leben selten . Dem , der es einmal abgewiesen hat , wird es schwerlich wiederkehren « , fuhr die Gräfin nach einer Pause noch kälter und förmlicher als früher fort . » Indessen hast du recht zu erwägen . Dein Zögern gefällt mir ; es beweist , daß du den Ernst des Schrittes kennst , den andere junge Mädchen oft so leichtsinnig unternehmen . Ich habe Vertrauen zu dir . Wenn ich deine Einwilligung , deine einfache Einwilligung mit nach Hause nehme , so enthält sie für mich alle heiligsten Schwüre , die ein ehrliches Mädchen ihrem zukünftigen Gatten nur irgend leisten kann . « » Jawohl , das enthielte sie auch ... Ich bitte Sie - « » Wieder : Sie ! Bleibe ich dir denn fremd ? « - » Ich bitte dich , sage dem Grafen Hermann - - « eine unaussprechliche Bangigkeit bemächtigte sich ihrer ; sie blickte in das marmorblasse Gesicht der Gräfin : - So lieblos wie die Tante , dachte sie . » Nun , was sag ich ihm ? « » Daß ich heute abends - Ihr kommt ja doch ? - selbst mit ihm sprechen werde . « Sie küßte der Gräfin , die sich ziemlich enttäuscht erhob , die Hand und begleitete sie bis zur Treppe . In ihr Zimmer zurückgekehrt , schritt sie lange in hoher Erregung auf und ab und quälte sich mit der Frage : Warum will ich ' s tun ? - Ist mein Grund nicht ein verwerflicher ? ... Und dann setzte sie sich ans Klavier und spielte und wurde allmählich ruhiger . Und dann kam Tante Dolph und las ein Telegramm von Wilhelm Dornach vor , einem Bekannten aus uralter Zeit , dessen Existenz sie längst vergessen hatte . Auf ein Gerücht hin , das in seine ländliche Einsamkeit gedrungen war , schickte der gute , dumme Mensch ihr seine Glückwünsche zur Verlobung ihrer Nichte mit seinem Vetter . Die Gräfin lachte über die Eile des armen Teufels , seine geheuchelte Freude an den Tag zu legen . Als nächster Anwärter auf das Majorat konnte der ganz unbegüterte und mit einer zahlreichen Familie gestrafte Mann doch nichts anderes gewünscht haben , als daß sein Vetter ledig bleibe . Ein insdiskreter Wunsch , ja , aber der natürlichste von der Welt . Sie nahm Platz auf der Chaiselongue mit dem Rücken gegen das Bild ihrer verstorbenen Schwägerin , das anzusehen sie überhaupt vermied , klagte über Kopfschmerzen und rieb die eingefallenen Schläfen mit Kölner Wasser . Sie war leidend und in gereizter Stimmung . Sogar als sie ihr jetziges Lieblingsthema anschlug , das Lob Hermanns , geschah es mit einer Beimischung von Spott . » Heil der Frau , die er heimführt ! « rief sie aus , » ihre Ehe wird freilich sein wie jede , in der nur ein Wille herrscht . « Sie beantwortete den erstaunten Blick Marias mit der Frage , ob denn Hermann nicht von seiner Kindheit an gelernt habe , sich einer Weiberregierung zu fügen ? ... Wie albern müßte doch die Frau sein , die es nicht verstände , einen so vortrefflichen Elementarunterricht als Grundlage zu weiterer Ausbildung zu benützen ! Gute Lehren , wie das anzufangen sei , kamen nun in Fülle . Ernst gemeinte wie spaßhafte und alles mit Beispielen erläutert . Man sehe das Ehepaar Heinburg . Im Anfang war er ein Spieler und brachte die Nächte im Klub zu , während sie daheim saß und weinte . Das hat sich nach und nach geändert - durch ihr Verdienst ! Jetzt spielt sie , und er weint . » Und deine Freundin Emmy , die sich zum Altar schleppen ließ wie ein Lamm zur Schlachtbank und in ihrer Ehe einen so guten sicheren Hafen gefunden hat , von dem aus sie allerlei abenteuerliche Fahrten unternehmen kann in die stürmische See ! « Ein Klopfen an der Tür ließ sich hören , und Fräulein Nullinger , die Gesellschafterin Gräfin Dolphs , schlüpfte herein . Sie wurde von der Gebieterin » Nulle « genannt , was sie empörte , und litt infolge ihres aufregenden Dienstes an Nervosität . Obwohl sie jetzt nur die harmlose Meldung zu machen hatte , daß die Schneiderin gekommen sei und gesagt habe , sie könne nicht lange warten , zuckte es dabei krampfhaft um ihren Mund . » Schon gut , setzen Sie sich « , erwiderte Dolph und fuhr fort , Freund und Feind durch die Hechel zu ziehen . Sie nannte viele Namen ganz flüchtig und obenhin ; an dem , der ihn trug jedoch , blieb ein Makel hangen , oder er wurde mit einer Lächerlichkeit behaftet . Maria hörte ihr heute aufmerksamer zu als sonst und dachte : Sie hat wohl recht . Was soll auch an den übrigen Menschen sein , wenn Tessin nichts taugt ? Und Gräfin Dolph , wie ein echter Schauspieler , den schon die Teilnahme eines einzigen Zuhörers begeistert , übertraf sich selbst in ihrer fragwürdigen Kunst und geriet in den kleinen Witz- und Bosheitsrausch , der ihr so gesund war . Ihr Gesicht , das , wie sie selbst sagte , eine Karikatur der schönen Züge ihres Bruders war , belebte sich , und ihre Kopfschmerzen verschwanden . Fräulein Nullinger verlor endlich die Geduld und erhob sich , noch um eine Schattierung höher gefärbt als gewöhnlich . » Ich werde der Schneiderin sagen « , sprach sie , » daß Frau Gräfin jetzt lästern müssen und keine Zeit für sie haben . « Dolph lachte . » Ach was , mein Lästern : ein gerader Kerl , der gleich Farbe bekennt . Aber das Ihre ! ... Wenn Sie anfangen : Ich hab den oder die recht gern , das ist , wie wenn ein Reiter sein Pferd zusammennimmt , bevor er ihm