verbissener Bitterkeit . Er hatte nicht verstanden , was der Herr Lehrer früher gewollt mit seinen Schlägen , die beinahe nicht weh taten ; daß er ihm jetzt den Jammer seines Lebens vorwarf , verstand er wohl . » Weiß schon « , wiederholte er in einem Tone , durch dessen erzwungene Keckheit unbewußt der Schmerz einer tiefen Enttäuschung drang . Der Lehrer betrachtete ihn aufmerksam - er war das verkörperte Elend , der Bub ! - Nicht durch die Schuld der Natur . Sie hatte es gut mit ihm gemeint und ihn kräftig und gesund angelegt ; das zeigte die breite Brust , das zeigten die roten Lippen , die starken , gelblich schimmernden Zähne . Aber die wohlwollenden Absichten der Natur waren zuschanden gemacht worden durch harte Arbeit , schlechte Nahrung , durch Verwahrlosung jeder Art. Wie der Junge dastand mit dem wilden braunen Haargestrüpp , das den stets gesenkten Kopf unverhältnismäßig groß erscheinen ließ , mit den eingefallenen Wangen , den vortretenden Backenknochen , die magere derbe Gestalt von einem mit Löchern besäten Rock aus grünem Sommerstoff umhangen , die Füße mit Fetzen umwickelt , bot er einen Anblick , abstoßend und furchtbar traurig zugleich , weil das Bewußtsein seines kläglichen Zustandes ihm nicht ganz verlorengegangen schien . Lange schwieg der Lehrer , und auch Pavel schwieg ; aber immer verdrossener ließ er die Unterlippe hängen und begann verstohlen nach der Tür zu sehen , wie einer , der eine Gelegenheit zu entwischen wahrzunehmen sucht . Da sprach der Lehrer endlich : » Sei nicht so dumm . - Wenn du aus der Schule draußen bist , sollst du denken : wie kann ich hinein , und nicht , wenn du drin bist : wie kann ich hinaus ? « Pavel stutzte ; das war nun wieder ganz unerklärlich und stimmte mit der weitverbreiteten Meinung überein , der Schulmeister vermöge die Gedanken der Menschen zu erraten . » Geh jetzt « , fuhr jener fort , » und komm morgen wieder und übermorgen auch , und wenn du acht Tage nacheinander kommst , kriegst du von mir ein Paar ordentliche Stiefel . « Stiefel ? - wie die Kinder der Bauern haben ? ordentliche Stiefel mit hohen Schäften ? Unaufhörlich während des Heimwegs sprach Pavel die Worte : » Ordentliche Stiefel « vor sich hin , sie klangen märchenhaft . Er vergaß darüber , daß er sich vorgenommen hatte , den Arnost zu prügeln , er stand am nächsten Morgen vor der Tür der Schule , bevor sie noch geöffnet war , und während der Stunde plagte er sich mit heißem Eifer und verachtete die Mühe , die das Lernen ihm machte . Er verachtete auch die drastischen Ermahnungen Virgils und seines Weibes , die ihn zwingen wollten , statt zum Vergnügen in die Schule zur Arbeit in die Fabrik zu gehen . Freilich mußte dies im geheimen geschehen ; zu offenen Gewaltmaßregeln zu greifen , um den Buben im Winter vom Schulbesuch abzuhalten , wagten sie nicht ; das hätte gar zu auffällig gegen die seinetwegen mit der Gemeinde getroffene Übereinkunft verstoßen . Sieben Tage vergingen , und am Nachmittage des letzten kam Pavel nach Hause gerannt , in jeder Hand einen neuen Stiefel . Vinska war allein , als er anlangte ; sie beobachtete ihn , wie er das blanke Paar in den Winkel am Herd , sich selbst aber in einiger Entfernung davon aufstellte und in stille Bewunderung versank . Freude vermochten seine vergrämten lüge nicht auszudrücken , aber belebter als sonst erschienen sie , und es malte sich in ihnen ein plumpes Behagen . Einmal trat er näher , hob einen der Stiefel in die Höhe , rieb ihn mit dem Ärmel , küßte ihn und stellte ihn wieder an seinen Platz . Aus der Stube erscholl ein Gelächter , Vinska trat auf die Schwelle , lehnte sich mit der Schulter an den Türpfosten ( eine Tür gab es zwischen der Stube und dem Eingange nicht ) und fragte : » Wo hast die Stiefel gestohlen , du Spitzbub ? « Er sah sich nicht einmal nach ihr um , von antworten war gar keine Rede . Vinska jedoch wiederholte ihre Frage so oft , bis er sie anbellte : » Gestohlen ! ja just gestohlen ! « » Du Esel « , murmelte sie , » siehst du ? Jetzt sagst du ' s selbst . « Der Blick ihrer begehrlichen grauen Augen wanderte abwechselnd von den Stiefeln zu den eigenen nackten , hübsch geformten Füßen . Pavel hatte sich auf die Erde gekauert neben sein neues köstliches Eigentum ; es war ihm , als müsse er es beschützen gegen eine nahende Gefahr , und er machte sich gefaßt , ihr zu begegnen . Vinska neigte den Kopf auf die Seite , lächelte den Burschen , der drohend zu ihr emporsah , plötzlich an und sprach mit einschmeichelnder Stimme : » Geh , sag mir , woher hast sie ? « Er wußte nicht , wie ihm geschah . In dem Ton hatte er die Vinska vor kurzem zum Peter sprechen hören , der ihr Liebhaber war . Heiße Wellen wogten auch in seiner Brust , er verschlang seine reizende Hausgenossin mit den Augen und meinte , was ihn da mit ungeheurer Macht angepackt hatte , sei die Lust , auf sie loszustürzen und sie durchzuprügeln . Dabei rührte er sich nicht , öffnete nur ganz willenlos die Lippen und sprach : » Der Herr Lehrer hat sie mir gegeben . « Vinska begann leise zu kichern . » O je - der ! Wenn du sie von dem hast , dann hast du nichts . « » Was - nichts ? « » Nun - nichts ! Wenn du morgen aufwachst , sind die Stiefel weg . « » Weg ? ... Warum nicht gar ! « » Ja , ja ! was der Lehrer schenkt , hält sich nicht über Nacht . Du weißt ja , daß er ein Hexenmeister