» Und du gehst ? « » Warum nit ? Wozu hätt ich mein Putz ? Jetzt , wo ich unter d ' Leut gehen kann , hab ich kein Ursach mehr , ihnen fernzbleiben . « » Na , da heißt aber auch schon vom Montag ' s Kleebinder Muckerls sein Schatz . « » Meintwegen , mir schadt ' s nit , und ihm macht ' s ein Freud , und die gönn ich ihm . « » Die gönnst ihm ? « murrte die Alte . » Spiel du dich nit auf die Erkenntliche hinaus ! Wär dir so ums Herz , so ging wohl dein Mutter allen andern vorauf ! Nit ? Aber wann nur du dich zsammstatzen kannst , so mag ich nebenherrennen wie ein Hadernkönigin . Der Muckerl würd mich auch bedenken , wann du ihm nur ein gut Wort gäbest . « » Ich hab um mein Sach keins an ihn verlorn , werd ich doch nit um fremde betteln . « » Ja , das stünd dir nit an , du hochfahrigs Ding ! Haltst dich leicht schon vorm Bettelngehen sicher ? Nimm nur dein Holzschneider . Fahrt ihm einmal unversehens der Schnitzer in d ' Hand und bleiben ihm die Finger verkrümmt , is ' s mit der ganzen Herrlichkeit vorbei . Hättst wohl auch auf was Gescheiters warten können . « In selbstgefälliger Eitelkeit , die Worte dehnend und singend , entgegnete die Dirne : » Zuwarten und aufdringen is nit mein Sach . « Sie befühlte ihre vollen Arme , die sie vor sich über der Bettdecke liegen hatte , den einen mit dem andern . » Mit solche Arm braucht mer nur festzhalten , was einm taugt unter dö , was darnach greifen . « » Freilich wohl , dalkete Gredl ! Aber laß mer sich einmal drauf ein , dann halt mer nit nur , mer wird auch ghalten und mag nit loskommen . « Das Mädchen kehrte sich gegen die Wand und gähnte . » Pah , wär mir drum , riskieret ich halt ein blaues Fleckel . « III Der Sonntag hat seine festliche Stimmung vom ersten Läuten der Kirchenglocken , das in der Morgenluft verklingt , bis nachmittags , wo man , vom Segen heimkehrend , wieder über die heimische Türschwelle tritt ; darnach aber , wenn die Sonne sich neigt und die Vögel zu lärmen aufhören , während » Manner und Buben « im Wirtshause damit anheben , beginnt für jene , die in den Stuben sitzen , für die Bäuerinnen , für die Bursche , die kein Geld haben , für die Bauern , die es sparen wollen , für die Unkräftigen , die vom Siechtum eben erstanden sind oder sich in dasselbe gelegt haben , eine verlassene , nachdenkliche , ja langweilige Zeit . Gegen das Verlassensein hilft freundnachbarlicher Besuch , gegen die Nachdenklichkeit unterhaltsame Ansprach , welche auch der Langweile nicht aufzukommen gestattet . Es war daher recht christlich von der alten Matzner Resl am oberen Ende des Ortes , daß sie sich entschloß , die Kleebinderin am unteren Ende desselben heimzusuchen . Die alte Resl befand sich nicht einmal allein auf ihrem Stübel , sie hatte da jedzeit ihr einzig Kind , die Sepherl , um sich ; mochte sie übrigens auch einen klein wenig selbstsüchtigen Anlaß zu dem Besuche bei der Mutter Muckerls haben , so soll das der Christlichkeit ihres Unternehmens keinen Abbruch tun , wer kann im Verkehre unter Menschen diese Schwäche hoch aufnehmen , die selbst der Frömmste im Verkehr mit Gott nicht los wird , durch den er für sich die ewige Seligkeit zu gewinnen hofft . So gingen denn Mutter und Tochter die schmale Straße zwischen der Häuserzeile und dem Ufer des Baches dahin . Sepherl war eine mannbare Dirne , mittelgroß , mehr sehnig als voll gebaut , was , wie die Rauheit ihrer Hände , von früher , harter Arbeit herrühren mochte ; sie hatte ein rundes , gutmütiges Gesicht , das Schönste in selbem waren große , frische , blaue Augen , die sie oft , wie wundernd , weit aufriß , und daher rührte wohl die dünne , in der Mitte gebrochene Falte , die ober den Brauen von einer Schläfe zur andern lief . Ihr Mund war klein , wie im Wachstum zurückgeblieben , und nahm sich , geschlossen , die blutroten Lippen in tiefe Winkel verlaufend , wie der eines Kindes aus , das dem Weinen nahe ist . Die alte Kleebinder saß bei geschlossener Türe am Fenster , als die beiden in das Vorgärtchen traten . Sie beeilte sich ihnen entgegen . » Bist allein « , sagte die Resl . » Ja , mein Muckerl is ins Wirtshaus . « » Ich weiß . « » Tut euch setzen . Sepherl , nimm dir den Sessel aus dem Eck dort . Is recht schön , daß ihr euch wieder einmal anschaun laßt . « » Freut uns , wann wir dir nit unglegen kommen . Heut is a schöner Tag , und ' n Weg von uns her kann mer wohl für ein klein Spaziergang rechnen . Es wär auch gar nit unlustig zu gehen , tät nur der Bach nit sein , der stinkt so viel . « » Ja , so viel stinken tut er « , sagte Sepherl mit dünner Stimme und wunderte sich hinterher , das heißt , sie machte große Augen , sei es über die üble Eigenschaft des Baches oder weil sie ungefragt dazwischengesprochen . » Dich sieht mer aber fast gar nit außer Haus , Kleebinderin ? « » Ich komm so viel schwer ab . Weißt ja , Matzner Resl , mein Muckerl arbeit heim . Feldarbeit braucht kein Nachräumen , aber Stubenarbeit braucht ' s , man glaubt nit damit fertig z ' werden . Ja , er schafft aber auch fleißig die ganze Woche über . No , wollt er sich heut einmal lustig machen