, wenn sie sich ihren Gedanken überließ . Auf einmal schwieg sie , erhob sich und begann im Kreise um mich herumzuhüpfen . Sie hüpfte immer im Gehen und hielt sich dabei gerade wie ein Ladestock . Fräulein , Fräulein , sagte sie , und ihre hellbraunen Augen blitzten vor Schelmerei , Sie sitzen vor einem kleinen Hügel , legen Sie den Kopf zurück , da her , Sie werden sehen , wie angenehm das ist . Der kleine Hügel , von dem sie sprach , war ein Ameisenbau , der nicht anders aussah , als ob an dieser Stelle ein Haufen Fichtennadeln zusammengeharkt worden wäre . Anka hatte ihr Taschentüchlein ausgebreitet und lud mich ein , mir ' s darauf bequem zu machen . Ich will es tun , wenn Sie meinen , daß es angenehm sein wird , erwiderte ich . Wissen Sie was ? Ich bin schläfrig , ich werde ein wenig schlafen , und Sie werden mich beschützen . Wenn ein Bär kommt , so jagen Sie ihn davon , und wenn eine Ameise mir über das Gesicht kriechen will ... Jetzt verriet sie sich : Eine Ameise kommt gewiß nicht ! rief sie . , Das soll mir lieb sein « , meinte ich , und so begab ich mich denn unter ihren Schutz . Ich setzte nur noch eine Frage hinzu : Ob sie wisse , daß es schändlich sei , Vertrauen zu täuschen ? Da lachte sie , und diesmal ging mir ihr Lachen wirklich durch das Herz . Ich wollte aber doch sehen , wie weit sie es treiben würde , lehnte die Wange an das Tuch - sehr leicht , wie Sie denken können - und tat , als ob ich mich anschickte einzuschlafen . Anka blieb eine Weile regungslos , schlich dann heran , bückte sich , schob leise und vorsichtig ein dünnes Reis dicht neben dem Tuch , so tief sie konnte , in den Ameisenbau und begann es hin und her zu bewegen . In dem Augenblick sprang ich in die Höhe , sprach kein Wort , schlug sie aber tüchtig auf die Hand . Sie blieb starr ; es geschah zum erstenmal , daß sich jemand an ihrem geheiligten Persönchen vergriff . Sie weinte nicht , sie war auch nicht beschämt , sie trachtete offenbar nur danach , wieder in Besitz ihrer sorglosen und herausfordernden Gleichgültigkeit zu kommen , die sich dann auch erstaunlich bald einstellte . Beim Nachhausegehen fragte ich sie , ob es denn irgendwen gäbe - außer ihren Eltern natürlich - , von dem sie sich nicht ohne großen Schmerz trennen würde , um den es ihr leid täte , wenn er sie verlassen müßte . Sie dachte nach . Man sah diese Kleine denken . Sie blickte dabei mit halbgesenkten Wimpern nach der Seite , und ihr Gesichtchen nahm einen erstaunlich gesammelten und ernsten Ausdruck an . Ich will Ihnen sagen , antwortete sie langsam und bestimmt , wenn man mir den Clovek wegnehmen würde , das täte mir leid . Clovek heißt auf böhmisch der Mensch ; Anka hatte die häßlichste unter ihren Puppen , ein Wickelkind ohne Beine , mit großem hölzernem Kopf , so getauft . Die Nase war dahin , ein Arm verloren , denn die Gunst , in der Clovek stand , hinderte seine Herrin nicht , ihn gelegentlich an die Wand zu schleudern ... Die Antwort , die mir das Kind damals gab , hat sich mir so tief eingeprägt , weil sie prophetisch war . Aber lassen wir das gut sein ! Ich kehre zu meiner Wanderung mit Anka zurück . Um jeden Preis , sehen Sie , wollte ich an jenem Tage eine Regung der Reue in ihr erwecken . Ich legte es ihr so nahe , daß sie es greifen mußte , welches Wort ich von ihr zu hören ersehnte . Sie verstand mich völlig ! Es war aus der Geschicklichkeit , mit der sie mir auswich , deutlich zu erkennen . Was wünschen Sie also ? rief ich . Sagen Sie mir aufrichtig , was Sie jetzt wünschen . Ich wünsche , entgegnete sie und blickte mit triumphierender Miene zu mir empor , ich wünsche so stark zu sein , daß jeder Wagen , der an mich anfährt , umwirft . Das war der Erfolg , den meine Beredsamkeit schließlich erreichte . Sehr oft dachte ich damals : Wenn dieses Kind zu erlösen ist , kann es nur durch Liebe geschehen . Ich fühlte mich von meiner Aufgabe hauptsächlich deshalb so schwer bedrückt , weil ich mich des Zweifels nicht erwehren konnte : Du bist vielleicht ungerecht , die Schuld liegt vielleicht mehr an dir als an dem Kinde . Meine Seelenqual wurde endlich so bitter , daß ich sie einem Gönner anvertraute , den ich mir nach und nach erworben hatte , dem alten Hausarzt . Er war in dem ganzen Hofstaat der einzige unabhängige und aufrichtige Mensch . Obwohl er nicht viele Worte machte , empfand ich , daß ich Vertrauen zu ihm haben dürfe , und so hatt ich ' s denn und bat ihn , dem Grafen und der Gräfin zu sagen - da mir der Mut fehlte , es selbst zu tun - , daß ich mein Amt , dem ich nicht gewachsen sei , niederlege . Er zeigte kein Erstaunen über meinen Entschluß , aber er suchte ihn zu erschüttern . Das dürfen Sie nicht tun ! wiederholte er mehrmals . Es kommt keine Bessere nach ... Sie müssen ja doch Rücksicht nehmen auf das arme Ding - die Anka . Bedenken Sie , was der bevorsteht ... Ich bitte Sie , wie lange soll denn ihre Mutter , die Frau Gräfin , noch leben ? Er sagte das mit furchtbarer Bestimmtheit und - mit furchtbarer Gleichgültigkeit . Sie können den Eindruck ermessen , den diese Worte auf mich hervorbrachten . Daß sie meine eigenen Besorgnisse bestätigten , das erhöhte noch den Schrecken , den ich empfand