in seine vorige Lage , schlossen das Boot an den Eisenring der Treppe und versperrten auch die vordere Tür . Dann schlichen sie durch den Garten auf die Straße hinaus . » Geh du allein « , flüsterte Georg , » und ich auch . Wenn dann einer gesehen wird , so ist doch wenigstens der andere nicht entdeckt . Gute Nacht ! « » Gute Nacht ! « gab Robert zurück . » Und vielen Dank , Georg . « » Hat nichts zu sagen « , lachte der . » Aber du , wenn einmal deine Alte ein bißchen zu essen im Küchenschrank hat , dann denk an mich . Etwas Warmes bekomme ich nie . « Robert stand vor Erstaunen still . » Nie ein Mittagessen ? « wiederholte er . » Aber du verdienst doch wöchentlich dein bestimmtes Geld . « Georg zuckte die Achseln . » Fürs Verhungern zu viel und fürs Sattessen zu wenig « , antwortete er . » Ich bin ja noch ein Anfänger in diesem Handwerk , mußt du wissen . Es kommt alles durch den gebrochenen Fuß , sonst wäre ich längst Steuermann . « » Du Armer ! « rief der Junge gerührt . » Ich will für dich tun , was ich kann und werde dir auch in Zukunft deine Kleider flicken . Der Schneider soll doch zu etwas gut sein . « » Es tranken ihrer neunzig , ja neunmal neunundneunzig aus einem Fingerhut ! « - summte Georg spöttisch , und dann winkte er im Halbdunkel der Linden noch einen lachenden Abschiedsgruß . Robert war jetzt allein . Schnell die Flaschen ergriffen , einen letzten Blick zum Teich hinüber , eine Rundschau , ob auch alles ganz ruhig sei , und dann Fersengeld gegeben . Husch , husch , über den Bahnkörper , vorbei am hohen , alten Gefängnis , durch die Straße , an deren Ende erst der Nachtwächter daherklapperte , und dann in den Garten gekrochen . Nichts regte sich . Jetzt stand er auf dem Hofplatz seines elterlichen Hauses und probierte die Tür , - sie war offen . Pikas , der Spitz , kroch ihm wedelnd entgegen , alles atmete so tiefen Frieden , war so ganz ungestört , ganz wie immer , daß es dem Jungen mit jeder Minute leichter ums Herz wurde . Er warf Stiefel , Mütze und Jacke von sich , dann schlich er an die angelehnte Tür zur Schlafkammer seiner Eltern und sah hinein . Die beiden alten Leute schliefen fest . Robert lächelte , als er jetzt den Riegel der Hoftür vorlegte . Welche unnötigen Sorgen hatte er sich gemacht . Georg verspottete ihn wirklich nicht mit Unrecht , das begriff er erst in diesem Augenblick und beschloß , daß das nicht mehr so bleiben dürfe . » Ich will kein Stubenhocker werden , wie Georg sagt , keiner , der Branntwein und Zigarren nur dem Namen nach kennt . Andere Lehrjungen haben auch ihre freien Stunden ; ich nehme also nur , was mir als mein gutes Recht zusteht . « Er schlüpfte in sein Bett und träumte in verworrenem Durcheinander von Segeln und Booten , von erbrochenen Schlössern und leeren Flaschen . Am Morgen hatte er zwar ein Gefühl , als müßte das Geheimnis der Nacht auf seiner Stirn zu lesen sein , aber das verzog sich auch bald wieder . Gegen Mittag schaute Georg verstohlen durch die Lücke im Zaun . » Hast du etwas zu essen , Kleiner ? « Robert schob hindurch , was er unbemerkt hatte beiseite bringen können , und so ging es auch an den folgenden Tagen . Er bestahl seine Mutter , um sich die Freundschaft des ehemaligen Matrosen zu erhalten und um mit ihm bei jedem günstigen Wetter zu segeln . Der Gedanke , daß das Boot dem Müller gehörte , daß die Benutzung Unrecht sei , war längst vergessen . Die beiden Kameraden sprachen nur noch darüber , wie man es einrichten könnte , hinter dem Rücken des alten Schneiders einen Abstecher nach Hamburg zu machen . Robert brannte vor Begierde , wirkliche Schiffe und Schiffswerften zu sehen . » Wenn ich nur Geld hätte ! « seufzte er . Der Seiler schien diesen Ausruf erwartet zu haben . » Besitzt du keinen Spartopf , Kleiner ? « fragte er . » Alle wohlerzogenen Kinder haben doch einen . « Dieser Ton reizte jedesmal den ganzen Trotz Roberts . Er wollte nicht wie ein kleines Kind behandelt werden . » Ich habe Geld « , antwortete er , » aber den Schlüssel zum Spartopf gibt mir der Vater nicht . Jeden Weihnachten wird der Inhalt auf die Sparkasse getragen und für mich angelegt . « Georg lachte . » Du bist ja ein reicher Mann . Weißt du aber , daß ich es von deinem Alten sonderbar finde , dir das Verfügungsrecht über dein Eigentum zu entziehen ? Ich wenigstens ließe mir das nicht gefallen . « Robert errötete . » Aber was soll ich dabei tun ? « fragte er kleinlaut . » Hm , Notwehr ist erlaubt . Hat er deine Sparbüchse , so halte du dich an seinen Geldkasten . Wo er steckt , das wirst du ja wissen . « Roberts Herz pochte schneller . » Natürlich weiß ich das « , antwortete er , » aber - « » Nun , und das kleine Instrument , das über eigensinnige Schlösser hinweghilft , kennst du ja . Hier ist es . « Robert wehrte mit erhobenen Händen ab . » Du « , stammelte er , » das kann ich doch nicht tun . Es ist Vaters Geld , und nähme ich es , so wäre es gestohlen . « Der Seiler steckte gelassen den Dietrich wieder in die Tasche . » Bleib bei deinen Ansichten , Kleiner « , sagte er , » ich habe nichts dagegen . Aber sag doch einmal , für wen spart und geizt denn eigentlich