hätte ich mir schon gefallen lassen und ihm zuliebe allenfalls auch die gestrenge Hardine als Fräulein Mama in den Kauf genommen . Darum spitzte ich wohl einen Augenblick die Ohren . Aber der Major war ein vornehmer Herr und ich hieß schlechtweg Müller . Der Propst hatte mir kaum vor einer Stunde gesagt , daß ich um meines Standes willen es nur bis zum Gemeinen bringen könne . Das fiel mir zur rechten Zeit wieder ein , und ohne mich viel darum zu grämen , erklärte ich der alten Hexe , welch ein Wind es mit ihrer Prophezeiung sei . Die aber blieb bockssteif bei ihrem Satze und wurde noch obendrein rabiat . - Was für ein blitzdummer Junge du bist , Gustel , eiferte sie , indem sie beide Arme in die Hüften stemmte . Als ob ein Edelreis nicht auch wilde Schößlinge treiben könne ! Als ob man ein Kind , wenn man seinem Ursprunge nicht auf die Spur kommen lassen will , nicht bloß als einen Müller oder meinetwegen als eine Beckern und dergleichen in das Register einzutragen brauchte ! Notabene : insofern der Pastor mit einem unter einer Decke steckt . Was aber , frage ich , was ist unser Herr Propst ? Ein alter guter Freund von Fräulein Hardine . Wer hat dich heimlich bei Nacht und Nebel in das Waisenkloster eingeschmuggelt , wer , frage ich ? Fräulein Hardine . Bist du ein Soldatensohn wie die anderen ? Weiß einer überhaupt , wer dein Vater gewesen ist ? Siehst du aus wie von gemeinem Gezücht ? Wie ein Junker , August , wie ein Prinz siehst du aus . « - » Wahrlich , ja wahrlichen Gott , wie ein Prinz ! « unterbrach Frau Lisette den Erzähler , eine stolze Röte über dem abgezehrten Gesicht . » Der Prinz hießest du , Prinz Gustel in der ganzen Legion ! « - Prinz Gustel schmunzelte nicht unempfindlich bei dieser schmeichelhaften Erinnerung , hielt aber den Faden seiner Mitteilung getreulich fest . » Wer hat dir eine halbe Freistelle ausgewirkt ? fragte die Alte weiter . Eine Mutter etwa , die Witwe ist ? ein Vormund , ein Rat oder Amt ? Gott bewahre , Fräulein Hardine . Wer bringt dem Propst netto alle sechs Monate die Unkosten für deinen Unterhalt ? Wer besucht dich im Kloster ? Wer setzt dir den Kopf zurecht ? Niemand anderes als Fräulein Hardine . Und nun noch zu guter Letzt : Was braucht der tote Major einen Kranz aus dem Waisenkloster , wenns nicht einer von seinem Blute war , der ihm die letzte Ehre antun sollte ? Was brauchte der Propst dir im Leichenhause eine Standpredigt zu halten , wenn du nicht quasi zur Familie gehörtest ? Wer den Zusammenhang nicht mit Händen greift , nun der kann sagen , er hat keinen Grips . Fräulein Hardine ist deine Mutter , das steht so fest , wie das Amen im Evangelium . Die Alte machte eine Pause , weil sie doch einmal verpusten und ausspucken mußte . Ich sagte kein Wort , denn im Grunde war mir die Sache einerlei . Nach einer Weile fing die Beckern mit frischer Lunge wieder an : Ich will mit meinem Satze nichts Unreputierliches von Fräulein Hardine behaupten , August . Aus so einer honetten Familie , und so eine Erbschaft vor Augen , beileibe nicht , beileibe nicht ! Denn zurzeit ist Fräulein Hardine freilich so arm wie eine Kirchenmaus ; aber das alte schwarze Spukeding , ihre Muhme , kann doch nicht ewig in ihrem Goldturme Schätze graben . Und wenn sie sich zehnmal dem Leibhaftigen verschrieben hat , unser Herrgott hält ihm Widerpart , und über hundert Jahre hats der ärgste Geizkragen noch nicht gebracht . Dann aber gibts keine zweite im Kurfürstentum wie unser Fräulein Hardine . Nichts Unreputierliches , Gustelchen , ums Himmels willen nichts dergleichen ! Aber eine Heimlichkeit steckt dahinter ; darauf nehme ich Gift . So eine Prinzenheirat etwa , die der Frau nicht die Mannesehre und den Kindern nicht den Vatersnamen gibt , wie die alte geizige Schloßfrau ihrer Zeit auch eine eingegangen hat ; oder so etwas dergleichen , was unsereiner nicht versteht . Warum schlägt Fräulein Hardine die schönsten Bewerbungen aus ? Wird eine freiwillig eine alte Jungfer , die an jedem Finger einen Freier haben könnte ? Warum , frage ich , als weil sie in der Stille schon einen hat , der mit ihr auf die Grafenerbschaft lauert . Laß sie aber nur erst sicher in ihrem Goldturme sitzen , dann wird der versteckte Prinz schon zum Vorschein kommen . Und dann wirst du ein Junker , August , und ein reicher Millionär , und dann denke an die alte , arme Beckern , die dir zuerst ein Lichtchen angesteckt hat . « Der Erzähler schwieg . - » Weiter , weiter , Mann ! « rief Frau Lisette in atemloser Spannung . » Weiter , weiter ! « - » Weiter - nichts ! « versetzte lachend der Invalid . » Die Geschichte ist aus . « » Aus ? « » Rein aus , sage ich dir . Wir waren unter dem Geklätsch vor der Klosterpforte angelangt . Ich drehte meiner Alten eine Nase , denn das Haus war nicht in einen Aschenhaufen umgewandelt , und die Herde nicht über alle Berge entflohen . Nun aber die Angst , als das Weibsstück sah , wie ich seine Weisheit aufgenommen hatte . Sie zitterte wie ein nasser Pudelhund , und ihre Zähne - nein , die klapperten nicht , denn sie hatte keinen Zahn - aber das Kinn wackelte ihr und : Um Gottes , Jesus willen , Gustelchen , reinen Mund ! jammerte sie , bringe eine alte , arme Witfrau nicht um ihr hartes Stückchen Brot . Ich lachte aus vollem Halse und rannte in das Tor , hinter welchem die Kameraden sich lustig wie alle Tage tummelten . In aller Eile lieferte ich ihnen