seinem ersten Klange legten Alle in der Hütte die Arbeit weg . und standen mit gefalteten Händen schweigend da , indeß der Werkmeister ein kurzes Gebet sprach . Nach dessen Vollendung , als Alle sich anschickten die Hütte zu verlassen , sagte er zu Ulrich : » Ihr scheint ein guter und geschickter Arbeiter zu sein und Eure Zeugnisse lauten günstig . Heute werdet Ihr müde sein von der Reise , da mögt Ihr der Ruhe pflegen und Euch Quartier suchen ; aber morgen um fünf Uhr , wenn sie Morgen läuten von der St. Lorenzkirche , da seid in der Hütte zum Frühgebet und zur Arbeit , da wird Euch auch der Hüttenmeister empfangen . « Ulrich dankte und trat aus der Hütte . Draußen aber faßte ihn der blonde Hieronymus unter dem Arm und sagte : » Quartier brauchst Du Dir nicht zu suchen , Bruder Ulrich , das findest Du bei mir , wir können die Mahlzeit und das Lager theilen . « » Vergelt ' es Dir Gott , Bruder Hieronymus ! « sagte Ulrich , denn er hatte vorhin den Namen des Steinmetzen schon gehört und gemerkt , weil sein Träger ihm auch gefiel . » Der große Aeneas Sylvius scheint recht zu haben , der Nürnberg eine feine Stadt nennt voll wohlerzogener und gastfreier Leute . « » Das ist wohl nur gut nürnbergisch , « antwortete Hieronymus , » und ich bin selbst ein Nürnberger Kind , aber Baubrüder , mein ' ich , sollen in allen Stücken auch Brüder sein und miteinander arbeiten und streben in wie außer den Hütten . « » Ich denke auch so , « antwortete Ulrich , » und will ' s Gott , so soll es Dich nicht gereuen , daß Du mir zuerst also freundlich begegnest . « » Meine Wohnung ist nicht weit von hier , « sagte Hieronymus , » in einem Seitengäßlein von St. Katharinen . « Bald war sie erreicht , und die Baubrüder traten in ein kleines Haus , in dem sich unten die Werkstatt eines Formenschneiders und Rädleinmachers des Meister Sebald befand . Oben an der Stiege aber wartete ein altes Mütterlein , bot den Einkehrenden fröhlichen Gruß und eilte das Mittagsessen für sie aufzutragen . » Es langt schon für Zwei ! « rief sie wohlmeinend dem fremden Gast entgegen . Zweites Capitel Nürnbergs Geschlechter Es war ein stattliches aber etwas düsteres Haus , in das Albrecht Dürer mit Farbentopf und Pinsel im Dienst des Meisters Michael Wohlgemuth gesandt worden war . Im Erdgeschoß befand sich ein Comptoir mit kleinen Fenstern hinter vorspringenden , aber künstlich gearbeiteten Eisengittern , welche diesen Räumen ein gefängnißartiges Ansehen gaben . Darin saß und arbeitete mit seinen Gehülfen Herr Gabriel Muffel , der Chef eines großen Handelsgeschäftes und Genannter des großen Rathes , wie denn seine Familie von Alters her zu den edelsten rathsfähigen Geschlechtern von Nürnberg gehörte . Die übrigen Räume des Erdgeschosses dienten zu großen Waarenlagern , die ihre Vorräthe auch in die geräumige Hausflur und den Hofraum erstreckten , der durch ein Hintergebäude geschlossen war . Aufseher und Auflader waren hier gleicherweise mit Verzeichnen , Schnüren und Aufpacken der Waaren viel beschäftigt , und Niemand achtete auf den jungen Burschen , der sich seinen Weg durch die Vorräthe bahnte und mit elastischen Schritten die Stiege hinaufsprang , denn seine Sendung lautete in das erste Stockwerk . Wie lebhaft es unten zugegangen , hier war es sehr still , und Albrecht wußte nicht , sollt ' er diese stille Einsamkeit ehren durch leises Auftreten und lautloses Spähen , oder sollt ' er , um sich bemerkbar zu machen , sie durch irgend einen Laut unterbrechen . Er stand in einem Vorsaal mit dunkel gemalten Wänden und mehreren hohen Flügelthüren von schwerem Eichenholz mit kunstvollem Schnitzwerk und goldenen Leisten geschmückt ; eben so zierte schöngeschnitztes Getäfel die Decke und der Fußboden zeigte nach venetianischer Art ein buntes Mosaik ; er war mit Gyps übergossen und da hinein bunte Steinchen eingedrückt , die oben glatt geschliffen waren und schön geölt glänzten , als wären es köstliche Edelsteine . Außer der Stiege , die er heraufgekommen , zogen sich von hier aus noch andere kleine hölzerne Wendeltreppen mit zierlichen Geländern hinab und hinauf , den häuslichen Verkehr zu erleichtern . Nachdem Albrecht nach allen Seiten vergeblich gespäht und gewartet , ob nicht Jemand kommen möchte , dachte er an Wohlgemuth ' s Knechte , die ihn wieder roh empfangen und anlassen würden , wenn er länger bliebe , als sie die Dauer der Arbeit berechneten , und daß er schon an der Seite des fremden Wandergesellen mehr Zeit zu dem Wege gebraucht , als der Fall gewesen sein würde , wenn er ihn allein mit seinen gewohnten geflügelten Schritten zurückgelegt . Dann faßte er sich ein Herz und pochte an die eine Thür , und da dies ohne Erfolg blieb , an die zweite . Da auch hier Niemand antwortete , ihm aber gleichwohl war , als habe er dahinter seufzen hören , öffnete er dieselbe leise und schaute in ein schmales , aber tiefes Gemach , an dessen Fenster eine weibliche Gestalt an einem eichenen Pulte saß und schrieb . Albrecht stand eine Weile betroffen still . Das Gemach selbst erschien wie ein Museum der Kunst . Der Fußboden war mit kostbaren Teppichen bedeckt , auch die Tapeten an den Wänden waren von gleichen Mustern kunstreich gewirkt , die schön geschnitzten Sessel mit gelbem Sammt überzogen und die meisten Tische hatten marmorne Platten . Darauf standen allerlei zierliche Geräthschaften für den Hausgebrauch , aber alle von funkelndem Silber und Gold . Große Spiegel von venetianischem Glas wetteiferten in Glanz mit ihren goldenen Rahmen und mehrere Heiligenbilder mit bunten Farben auf Goldgrund gemalt hingen dazwischen . Das schönste Bild aber des Zimmers war seine Bewohnerin . So ohngefähr hätte Albrecht die Madonna malen mögen . Sie war von mittelgroßer Gestalt , feinem Wuchs und zart gerundeten Formen . Röthlich blonde Locken umflutheten von