würde sie ausgereicht haben . Was am ersten Abend Lucinde schon beim Beobachten des Zwetschenmahles befremdet hatte , waren eine Menge ausgestopfter großer Vögel , einige aus Steinen gemeißelte häßliche Köpfe , die Götzen vorstellten , ein Porzellan-Chinese mit einem großen Pfauenwedel , auch eine Lanze , die quer an der Wand hing , mit einem Köcher voll Pfeile , die , wie sie später erfuhr , vergiftet sein sollten . Alle diese Dinge hatte der Herr von Buschbeck aus Indien mitgebracht . Er war Hauptmann in niederländischen Diensten gewesen , und seine Witwe lebte von einer Pension , die sie , wie sie sagte , aus dem Haag bezog ... die Gelder ausgenommen , die sie auf dem Lande » liegen « hatte . Diese vergifteten Pfeile beschäftigten Lucinden so sehr , daß sie gleich in der zweiten Nacht von der gnädigen Frau träumte , die ihr im Schlaf erschien und einen dieser Pfeile gerade aufs Herz setzte . Sie schrie im Schlaf auf , und wie sie aus ihrer Bettlade in die Küche blickte , huschte auch etwas dahin und klappte nach der Entréethür zu . Sie horchte länger , entdeckte aber nichts . Als sie am Morgen erwachte und nach ihren Tauben sah , - der Tischler war noch nicht bestellt worden , weil Lucinde nicht früher ausgehen sollte , als bis ihre » Garderobe « ganz in Ordnung war ; sie hatte daran den ganzen Tag nähen müssen - da lag ja eine von ihnen todt ! Das Opfer war glücklicherweise keiner ihrer Lieblinge . Frau von Buschbeck bedauerte den Unfall , fand es aber angemessen , daß man die Taube nicht ganz » umkommen « ließ . Sie wurde zu Mittag von ihr selbst , wie sie ' s nannte , au gratin zubereitet . Daß Lucinde von einem ihrer Täubchen selbst nichts essen mochte , that ihr leid , denn sie sagte , sie hätte darauf gerechnet . Lucinde mußte sich deshalb mit einer einfachen Milchsuppe begnügen . Schwerlich würde Lucinde von der Milchfrau ein ferneres überraschendes Wort , das wir gleich berichten wollen , vernommen haben , wenn sie nicht die Schlauheit gehabt hätte , schon durch das Guckloch zu beobachten , wann diese kam . Denn kaum hatte im glücklich erspähten Moment , als sie ohne zu klingeln geöffnet bekam , die Milchfrau gesagt : Was ? Sie sind noch da ? und dies Noch höchst scharf betont , als auch schon wieder Frau von Buschbeck in Halbnégligé , Joppel und Spitzenhaube erschien und eine weitere » Conversation « unterbrach . Lucinde war eine Gefangene . Die gnädige Frau besorgte die inzwischen nothwendig gewordenen Ausgänge selbst und schloß ihren Pflegling ein . Glücklicherweise glaubte dieser , solche Vorsicht wäre in der Ordnung , da ihr die Stadt als eine Höhle aller Laster und Verbrechen geschildert worden war . Nur daß sie ausschließlich in der Küche und auf dem Entrée verbleiben mußte , wurde ihr zu schwierig . Sie rüttelte wenigstens an dem Eingang zur Wohnthür , aber die vordere Herrlichkeit mit den Erinnerungen an die Wilden fand sie immer verschlossen . Der Taubenschlag , der auf dem Boden hergerichtet werden sollte , kam nicht . Die Tischler wären viel zu theuer , hieß es , und vor Mardern blieben die Thierchen unterm Küchenherde gesicherter . Es war ein trauriger Anblick , die armen Luftbewohner in dem engen Raume sich drängen und einer dem andern auf die ohnehin bei Tauben schon so schwerfälligen Füße treten zu sehen . Lucindens liebste Freude war sonst gewesen , an der Dachluke zu sitzen und die kreisenden Bewegungen ihrer Pflegebefohlenen mit ihren scharfen Augen , die sie bis in die weiteste Ferne verfolgen konnten , zu beobachten . Sie verbrachte eben damit die Zeit , die besser für die Erlernung des Eierkuchenbackens wäre angewendet gewesen . Einzig den paar Kröpfern , die sich Lucinde aufgezogen , that die Ruhe wohl . Die häßlichen Thiere saßen wie die Puterhähne und vergruben die Schnäbel in ihre Kröpfe . Leider aber mußten sie hungern , was diese vornehmen Prälaten am wenigsten vertragen können . Es starben aber - fast konnte man sagen » glücklicherweise « - in nächster Nacht noch zwei von den armen Gefangenen . Es war eine Taube darunter , deren Verlust Lucinden unendlich nahe ging ; eine halb braun und weiße Taube von ganz besonderer Zierlichkeit , mit einem Halse , dessen Federn auf die wunderbarste Art in sämmtlichen Farben des Regenbogens spielten , ohne daß man eigentlich unterscheiden konnte , wo die grünen und die blauen Schattirungen anfingen ; es sind die Farbenspiele der Taubenhälse eben Wunder , die noch kein Chemiker hat erklären können . Lucinde wußte wohl , daß zu ihrer Wirkung das Licht des blauen Himmels gehörte , von dem in die nach einer Brandmauer hinausgehende Küche leider sehr wenig hereinfiel . Auf dem Boden , das entdeckte sie dann allmählich auch , war gar kein Platz , um daselbst einen richtigen Taubenschlag bauen zu können . Sie entdeckte das , wenn sie von dorther Holz holen mußte . Es war das für sie immer eine große Entdeckungsreise , auf der sie vielerlei Neues sah . Es schmerzte sie daher auch nicht zu sehr , als eines Tages die Alte mit einem ganz besonders charakteristischen Tone sagte : Sackerlot ! Die Tauben fressen einem ja das Hemd vom Leibe weg ! Das sind theure Kostgänger ! Wir wollen sie verkaufen ! Was sie einbringen , leg ' ich zu deiner Toilette an für den Winter , Jettchen ! Lucinde hatte aus dem Fenster , wenn sie vorn rein machte und nähte - letzteres mußte sie jeden freien Augenblick - und wenn es in der Küche zu finster wurde , in der Vorderstube , schon manche wunderschöne Frau auf der Straße gesehen und träumte dann , wenigstens einen neuen Hut tragen zu können , wenn auch ohne Federn . Sie gab also ihre Einwilligung zum Verkaufe . Die Alte brachte einen Koch aus einem