Schwester erhielt auch Befugnisse in Hinsicht ihres Teiles der Erbschaft des Großoheims , in so weit sie sich für ein Mädchen schickten . Wir waren über diese Einrichtung sehr erfreut , und beschlossen , nach dem Wunsche und dem Willen der Eltern zu verfahren , um ihnen Freude zu machen . Ich ging , nachdem ich in den verschiedenen Zweigen der Kenntnisse , die ich zuletzt mit meinen Lehrern betrieben hatte , und welche als allgemein notwendige Kenntnisse für einen gebildeten Menschen gelten , nach mehreren Richtungen gearbeitet hatte , auf die Mathematik über . Man hatte mir immer gesagt , sie sei die schwerste und herrlichste Wissenschaft , sie sei die Grundlage zu allen übrigen , in ihr sei alles wahr , und was man aus ihr habe , sei ein bleibendes Besitztum für das ganze Leben . Ich kaufte mir die Bücher , die man mir riet , um von den Vorkenntnissen , die ich bereits hatte , ausgehen und zu dem Höheren immer weiter streben zu können . Ich kaufte mir eine sehr große Schiefertafel , um auf ihr meine Arbeiten ausführen zu können . So saß ich nun in manchen Stunden , die zum Erlernen von Kenntnissen bestimmt waren , an meinem Tische und rechnete . Ich ging den Gängen der Männer nach , welche die Gestaltungen dieser Wissenschaft nach und nach erfunden hatten und von diesen Gestaltungen zu immer weiteren geführt worden waren . Ich setzte mir bestimmte Zeiträume fest , in welchen ich vom Weitergehen abließ , um das bis dahin Errungene wiederholen und meinem Gedächtnisse einprägen zu können , ehe ich zu ferneren Teilen vorwärts schritt . Die Bücher , welche ich nach und nach durchnehmen wollte , hatte ich in der Ordnung auf einem Bücherbrett aufgestellt . Ich war nach einer verhältnismäßigen Zeit in ziemlich schwierige Abteilungen des höheren Gebietes dieser Wissenschaft vorgerückt . Der Vater erlaubte mir endlich , zuweilen im Sommer eine Zeit hindurch entfernt von den Eltern auf irgend einem Punkte des Landes zu wohnen . Zum ersten Aufenthalte dieser Art wurde das Landhaus eines Freundes meines Vaters nicht gar ferne von der Stadt erwählt . Ich erhielt ein Zimmerchen in dem obersten Teile des Hauses , dessen Fenster auf die nahen Weinberge und zwischen ihren Senkungen durch auf die entfernten Gebirge gingen . Die Frau des Hauses gab mir in sehr kurzen Zwischenzeiten immer erneuerte schneeweiße Fenstervorhänge . Sehr oft kamen die Eltern heraus , besuchten mich und brachten den Tag auf dem Lande zu . Sehr oft ging ich auch zu ihnen in die Stadt , und blieb manchmal sogar über Nacht in ihrem Hause . Der zweite Aufenthalt im nächst darauf folgenden Sommer war viel weiter von der Stadt entfernt in dem Hause eines Landmanns . Man hat häufig in den Häusern unserer Landleute , in welchen alle Wohnstuben und andere Räumlichkeiten ebenerdig sind , doch noch ein Geschoß über diesen Räumlichkeiten , in welchem sich ein oder mehrere Gemächer befinden . Unter diesen Gemächern ist auch die sogenannte obere Stube . Häufig ist sie bloß das einzige Gemach des ersten Geschosses . Die obere Stube ist gewissermaßen das Prunkzimmer . In ihr stehen die schöneren Betten des Hauses , gewöhnlich zwei , in ihr stehen die Schreine mit den schönen Kleidern , in ihr hängen die Scheiben-und Jagdgewehre des Mannes , wenn er dergleichen hat , so wie die Preise , die er im Schießen etwa schon gewonnen , in ihr sind die schöneren Geschirre der Frau , besonders wenn sie Krüge aus Zinn oder etwas aus Porzellan hat , und in ihr sind auch die besseren Bilder des Hauses und sonstige Zierden , zum Beispiel ein schönes Jesukindlein aus Wachs , welches in weißem feinem Flaume liegt . In einer solchen oberen Stube des Hauses eines Landmanus wohnte ich . Das Haus war so weit von der Stadt entfernt , daß ich die Eltern nur ein einziges Mal mit Benutzung des Postwagens besuchen konnte , sie aber gar nie zu mir kamen . Dieser Aufenthalt brachte Veränderungen in mir hervor . Weil ich mit den Meinigen nicht zusammen kommen konnte , so lebte die Sehnsucht nach Mitteilung viel stärker in mir , als wenn ich zu Hause gewesen wäre und sie jeden Augenblick hätte befriedigen können . Ich schritt also zu ausführlichen Briefen und Berichten . Ich hatte bisher immer aus Büchern gelernt , deren ich mir bereits eine ziemliche Menge in meine Bücherkästen von meinem Gelde gekauft hatte ; aber ich hatte mich nie geübt , etwas selber in größerem Zusammenhange zusammen zu stellen . Jetzt mußte ich es tun , ich tat es gerne , und freute mich , nach und nach die Gabe der Darstellung und Erzählung in mir wachsen zu fühlen . Ich schritt zu immer zusammengesetzteren und geordneteren Schilderungen . Auch eine andere Veränderung trat ein . Ich war schon als Knabe ein großer Freund der Wirklichkeit der Dinge gewesen , wie sie sich so in der Schöpfung oder in dem geregelten Gange des menschlichen Lebens darstellte . Dies war oft eine große Unannehmlichkeit für meine Umgebung gewesen . Ich fragte unaufhörlich um die Namen der Dinge , um ihr Herkommen und ihren Gebrauch , und konnte mich nicht beruhigen , wenn die Antwort eine hinausschiebende war . Auch konnte ich es nicht leiden , wenn man einen Gegenstand zu etwas anderem machte , als er war . Besonders kränkte es mich , wenn er , wie ich meinte , durch seine Veränderung schlechter wurde . Es machte mir Kummer , als man einmal einen alten Baum des Gartens fällte und ihn in lauter Klötze zerlegte . Die Klötze waren nun kein Baum mehr , und da sie morsch waren , konnte man keinen Schemel , keinen Tisch , kein Kreuz , kein Pferd daraus schnitzen . Als ich einmal das offene Land kennen gelernt und Fichten und Tannen auf den Bergen stehen gesehen hatte , taten mir jederzeit die Bretter leid , aus denen etwas in unserem Hause