Das , was eben der Diener gesagt hatte , in freundlichen , aber ihm nicht hörbaren Worten und mit holden Blicken aus . Während sie sprach , krächzte der Rabe , als fühlte er etwas von Neid . Der greise Neunzigjährige aber zeigte auch jetzt nicht die geringste Theilnahme , und erhob sich nun von seinem kurzen Mahle , ohne von Siegbert ' s Gegenwart oder von dessen Dank für seine Aufmerksamkeit irgend Notiz zu nehmen . Die freundliche Dame folgte . Siegbert , befremdet über all dies Plötzliche , Unerwartete , trank . Die Hitze war allerdings sehr drückend , und fast hätte er ausgetrunken , wenn er nicht für den Fremden die theilnehmende Regung empfunden hätte , ihm Halbpart anzubieten . Er ging auf ihn zu und reichte ihm ins Kornfeld die beiweitem noch größere Hälfte des Pokals . Ein sonderbares Lächeln überlief des Fremden Züge , als er erst zögerte , dann aufstand und das dargebotene Glas mit einem Zuge leerte . In dem : Ich danke ! das er vor sich erröthend hinsprach , als er Siegbert den Pokal zurückgab , lag ein Ausdruck von Gefühl , der dem jungen Maler , gewohnt , scharf zu beobachten , nicht entging . Wie sich Siegbert umwandte und mit dem leeren Becher , den Diener suchend , dastand , war der Fremde plötzlich wirklich verschwunden . Nun kam aber der Bediente heran und that sehr erschrocken . Gott sei Dank ! sagte er , daß man Den da bei Zeiten entdeckte , und man läßt so sein Silberzeug unbewacht auf dem Tische liegen ! Wie so ? Kennen Sie den jungen Mann ? fragte Siegbert . Ei wohl , sagte der Alte in unmodischer Livree ; er hat den Präsidenten tausend mal um Arbeit ersucht und will heute gewiß wieder herein . Wir haben nichts für ihn . Es ist ein gewisser Hackert , früher Schreiber bei einem Notar . Ein verdächtiger Mensch ! Sieh ! Sieh ! Das Silberzeug ! Das Silberzeug ! Damit maß er nun auch Siegbert mit mistrauischem Blick und lehnte das Trinkgeld ab , das ihm dieser anbot . Er eilte , was er konnte , in den Garten zurück , um den mit Silberzeug bedeckten Tisch rasch abzuräumen . Siegbert schüttelte den Kopf . Der hält mich auch für nicht geheuer ! sagte er und wanderte , über die Civilisation der neuen Zeit nachdenkend , sein Portefeuille unterm Arm , den Hügel hinunter , dem Dorfe zu wo er die Allee einschlug , die ihn zur Stadt zurückführen sollte . Noch einmal war es ihm , als säh ' er durch das Kornfeld auftauchend des Fremden Hut . Doch ebenso rasch verschwand die Spur . Zweites Capitel Dankmar Wildungen Die Pappeln der Allee säuselten von einem leichten Winde bewegt , der sich inzwischen lind erhoben hatte . Links und rechts standen noch die Kornfelder in voller Reife oder waren von den Regenschauern in der verflossenen Woche nur in langen Schwaden niedergedrückt . Die Obstbäume , die im Felde standen , versprachen für den Herbst eine gute Ernte . Bald kam das mit einem zierlichen Gärtchen umfriedigte Häuschen des Chausseegeldeinnehmers , dann der Durchschnitt einer Eisenbahn , die sich quer über die Straße hinwegzog , und schon fingen einzelne Landhäuser die unmittelbare Nähe der Stadt zu bezeichnen an . Siegbert ' s träumerisches Gemüth hing noch eine Weile an der verlebten tempelheider Scene , bald aber verwischte sich der Eindruck , und sein Auge schweifte nur noch mit jener fast bewußtlosen Ruhe umher , die reinen Seelen eigen ist . Seine Gedanken konnten von einem Stein am Wege , von einem verdorrenden Baume innigst beschäftigt werden . Was er deutlicher ansah , entlockte ihm eine Betrachtung , und da er Künstler war , hatte er den Vortheil , dem Vielen , was ihm in dieser Weise gerade kein Urtheil abgewann , doch immer , wenn auch mit flüchtiger Anschauung , eine eigenste Form abzugewinnen . Eine von dem niedergeworfenen Korn erdrückte Blume , ein dunkler Schmetterling auf einer noch stolzen , hohen Ähre sich wiegend , eine kleine Wolke wie ein durchsichtiger oder zerrissener Schleier durch den blauen Äther fließend , Alles das waren für ihn Ruhepunkte des Gefühls und des innern Auges , die nur dann mit wirklich nachdenkenden Reflexionen abwechselten , wenn er einem Handwerksburschen begegnete , der ihm zu stolz schien , um sich das Almosen zu betteln , dessen er vielleicht doch bedurfte , oder wenn er steineklopfenden Chausseearbeitern oder der langsamen Arbeit zusah , wie einige wenige Hände ein Wohnhaus aufrichteten . Er glich darin den alten Künstlern , daß er sich nicht ganz auf seine Kunst allein beschränkte , sondern , wie Michel Angelo , Tizian , Benvenuto Cellini , Rubens thaten , sich an den allgemein menschlichen Dingen gern betheiligte . Und wenn man ihm auch sagte , Rubens würde sicher in seiner Färbung voller und üppiger gewesen sein , wenn er statt mit Staatsactionen sich mit seinem , wenn auch genialen , doch in der Ausführung oft flüchtigen Pinsel allein beschäftigt hätte , so erwiderte er , daß Rubens , ohne den Verkehr mit der großen Welt , in einer der Geschmacklosigkeit schon zusinkenden Zeit sich doch nicht die Fülle productiver Anschauungen würde erhalten haben , die wir an diesem reichen Geiste bewundern . Siegbert war schon der Stadt ziemlich nahe , als er aus einem rasch auf der Chaussee herrollenden Wagen sehr freundlich gegrüßt wurde . Die Dame , die ihm nickte , gab dem Kutscher ein Zeichen zum Halten . Siegbert sprang hinzu und erwartete einen Befehl ; denn er wußte , Frau von Trompetta gehörte zu den immer bewegten und bewegenden Naturen . Frau von Trompetta , eine kleine , dicke , kugelrunde Frau mit immer lebhaften Geberden , gesprächig wie ein Mühlrad , saß im ceriserothen leichten Sommershawl neben einer sehr einfach und bescheiden gekleideten gefälligen jugendlichen Blondine . Bester Wildungen , rief Frau von Trompetta , man sieht Sie ja