als daß der Ritter ins Gras beißen und das Zeitliche segnen müßte . Schnapphahnski denkt aber nicht daran ; ein leises Frösteln rieselt ihm über den Nacken , er schüttelt sich , und wiederum steht er da in der alten Parade : » So fiel ich aus , und so führt ich meine Klinge ! « Graf G. macht da den zweiten Ausfall ; abermals klirren die Säbel , und zum zweiten Male besieht unser Schnapphahnski einen Schmiß , der dem besten Korpsburschen Heulen und Zähnklappen verursacht haben würde , vor dem unser Ritter aber nur leise stutzt und momentan zurückweicht , um sich sofort wieder zu sammeln und seine frühere Stellung einzunehmen . Graf G. ist über das zähe Leben seines Feindes nicht wenig erstaunt ; er kennt doch die Force seines Säbels , er weiß , was in frühern Jahren seinen Hieben zu folgen pflegte , und schäumend vor Wut , daß seine besten Schläge ohne Erfolg bleiben , stürzt er zum dritten Male in den Kampf , und wiederum rasseln die Klingen , daß die Lüfte schwirren , daß allen beiden Kämpfern Hören und Sehen vergeht . Da trifft der Säbel des Grafen zum letzten Male , und Schnapphahnski taumelt totenbleich zu Boden - o armer Mann ! Die Klinge hat den Kopf nicht berührt , sie machte eine Reise über Schulter und Brust , die Kleider hängen in Fetzen herunter - o unglückseliger Ritter ! Fallen in der Blüte der Jugend , ein Mann , so schön und so glücklich - es ist hart ! Da kniet der Graf an seinem Opfer nieder und reißt die Kleider seines Gegners auf ; er erwartet nicht anders als eine klaffende Wunde von ein bis zwei Zoll , es wundert ihn , daß nicht das Blut schon hervorspritzt . Da ist er mit dem Losknöpfen des Rockes fertig , zu seinem Entsetzen zieht er - ein nasses seidnes Sacktuch aus dem Busen seines Feindes . Er weiß nicht , was dies bedeuten soll ; noch immer kein Blut ; er greift abermals zu - ein zweiter Foulard ! Zum dritten Male untersucht er - ein drittes Sacktuch ! Und so : ein , zwei , drei , sechs , acht , zieht der erstaunte Graf einen nassen Lappen nach dem andern vom Körper des Ritters , bis zuletzt unser guter Schnapphahnski , seiner Hülle bar , als ein vollkommen unverletzter , höchst liebenswürdiger junger Mann am Boden liegt . - O Reineke , Reineke ! O berühmter Ritter Schnapphahnski ! Du hattest dein zweites Abenteuer überstanden . Zuerst die Gräfin S. , und dann der Graf G. O denke an die Lakaien zu O. in Schlesien , o denke an das Duell von Troppau ! Man erzählt , Graf G. sei unwillig aufgesprungen ; er habe ausgespuckt , sich auf sein Pferd geworfen und das Weite gesucht . Schnapphahnski gewann nach einiger Zeit die Besinnung wieder ; er sammelte die umherliegenden Tücher und steckte sie vorsichtig in die Taschen . Sein Bedienter brachte ihn , leiblich sehr erschöpft , aber geistig ungemein heiter , in die nächste Herberge . III Berlin Nach dem Abenteuer in Troppau treffen wir Herrn v. Schnapphahnski zunächst in Berlin . Eine interessante Blässe lagert auf seinem Gesicht , und es versteht sich von selbst , daß der schöne schwarze Bart des Ritters dadurch nur um so vorteilhafter ans Licht tritt . In Schlesien war unser Ritter ein verliebter Husar , in Troppau erscheint er als renommierender Duellant - in Berlin ist er Flaneur . » Salamankas Damen glühen , Wenn er durch die Straßen schreitet , Sporenklirrend , schnurrbartkräuselnd , Und von Hunden stets begleitet . « Gibt es etwas Schöneres als Flanieren ? Der Hauptreiz des süßen Nichtstuns besteht übrigens nicht darin , daß man überhaupt sporenklingend und schnurrbartkräuselnd durch die Straßen schreitet , sondern daß man gerade dann flaniert , wenn alle andern Leute wie die lieben Zugstiere arbeiten müssen . Ich bin fest davon überzeugt , ein westindischer Pflanzer fühlt sich nicht nur deswegen so wohl in seiner Haut , weil er jedes Jahr an seinen Plantagen diese oder jene Summe profitiert , nein , sondern nur aus dem Grunde scheint ihm das Leben um so wonniger , weil er eben dann recht wohlgefällig seine Havanna-Zigarren rauchen kann , wenn um ihn her die schwarzen Afrikaner in der Glut der Sonne und unter der Wucht der Arbeit zu vergehen meinen . Hole der Teufel die Flaneure und die westindischen Pflanzer . Die Proletarier werden einst die erstern und die Sklaven die letzteren totschlagen . Ja , tut es ! Es ist mir ganz recht - aber nur einen verschont mir : den Ritter Schnapphahnski ! Unser Ritter gefiel sich in Berlin ausnehmend . Nichts konnte natürlicher sein . Berlin , die Stadt , wo sich der Tee und das Weißbier den Rang streitig machen , wo die schönsten Gardeoffiziere und die schönsten Frauen in schlanken Taillen wetteifern und wo jeder Eckensteher wenigstens etwas Bildung besitzt , wenn auch nur für einen Silbergroschen - Berlin war der Ort , wo unser Ritter am ersten hoffen durfte , eine vermehrte und verbesserte Auflage seiner Blamagen erscheinen zu sehen . Schnapphahnski war allmählich in der Liebe Gourmand geworden . Die süße , sanfte Unschuld hatte er satt . Er sehnte sich nach weiblichem Kaviar - - ein Blaustrumpf , eine Emanzipierte , eine Giftmischerin ! - es war unserm Ritter einerlei . Nur starker Tabak , nur Furore ! Man begreift solche Gelüste , wenn man bedenkt , daß der edle Ritter nach der letzten Affäre in Troppau wenigstens für ein ganzes Jahr so blasiert war wie eine kranke Ente . Der Zufall wollte es , daß die Augen Schnapphahnskis auf die göttliche Carlotta fielen ... Er hatte gefunden , was er suchte . Nichts konnte erwünschter sein als ein Roman mit einer geistreichen Schauspielerin , und nun vor allen Dingen die Bekanntschaft mit einer Carlotta , die gerade damals in das Nachtgebet jedes