der Fürst , indem er seinen schönen Schnurrbart strich - Hätten wir dieselbe Politik , oder mit andern Worten , verfolgten wir dieselben Zwecke , so würden wir einander weder unterstützen noch vertrauen , selbst nicht um einander zu benutzen . Indessen - - Fahren Sie fort , Fürst : Indessen - - Indessen liegt der Unterschied zuweilen nicht sowohl in der Richtung , als in der Länge des Wegs . - Wieder ließ er seinen feurigen und durchdringenden Blick über das bleiche Gesicht Alicens schweifen . Diese aber wußte wohl , was der Fürst sagen wollte , ja sie hatte sogar eine ziemlich richtige Vorstellung von seinen an ' s Abentheuerliche streifenden Plänen , sie hütete sich jedoch , ihm zu zeigen , daß sie ebenso schlau als schön sei . Andrerseits hatte sie dem Gespräch gleich zu Anfang diese Wendung gegeben , um dem lauschenden Pater einen Beweis für das Mißtrauen zu geben , welches in ihrem Verhältniß zum Fürsten ebenfalls eine Rolle spielte . So weit war die Stellung , welche sie augenblicklich zu einander eingenommen , wahr . Freilich aber wußte der gute Angelikus nicht , daß die Rolle , welches dies Mißtrauen bei ihnen spielte , nur eine sehr untergeordnete war , und daß der Grundton ihres Verhältnisses , besonders zu gewissen Stunden , eine schrankenlose Offenherzigkeit - wenn nicht von Alicens so doch von des Fürsten Seite bildete . Mochte es nun der Umstand sein , daß des Fürsten Lieblingspferd gerade heute gestorben , oder hatte ihm Alice eine Andeutung darüber zukommen lassen , daß sie heute wichtige politische Angelegenheiten abzumachen hätten - für das Letztere schien wenigstens seine erste Frage zu sprechen ; kurz der Fürst befand sich heute zur großen Genugthuung von Alicen in einer Stimmung , wie sie sie für die gegenwärtige Situation nur wünschen konnte . - Ich bin überzeugt , theure Baronin - fuhr der Fürst fort - wir können eine lange Strecke miteinander gehen , bis - - - - - Bis unsere Wege sich trennen ? - Nein , bis der Eine von uns sein Ziel erreicht hat . Der Andere wandert dann allein weiter . - Eitler Narr - murmelte Alice für sich , indem sie lachte . - Gestehen Sie , Felix - sagte sie laut - daß dies Räthselspiel unendlich albern ist . Sprechen wir vernünftig und deutsch . Ich reise morgen nach Berlin . Haben Sie mir einen Auftrag mitzugeben ? Vielleicht an Carolotta , die Göttliche ? Oder an die kleine Tänzerin ? Wie heißt doch die Himmlische ? - Helfen Sie mir , Fürst ! Mein Gott , was sind Sie heute unbehülflich ! Ich kenne Sie gar nicht wieder . - Sie reisen morgen wirklich nach Berlin ? - fragte der Fürst , welcher sich von seinem Erstaunen theils über die unerwartete Nachricht , theils über die plötzlich veränderte Stimmung Alicens noch nicht erholt hatte , indem er vom Stuhle aufsprang . - Oder ist es ein Scherz , Alice ? - - Ein Scherz ? Im Gegentheil : Die Angelegenheit , welche mich dorthin führt , ist sehr ernster Natur . - Alice sagte dies in so bestimmten Tone und mit solchem Accent der Wahrheit , daß das ironische Lächeln , welches dabei um ihre feingeschnittenen Lippen schwebte , offenbar eine andere Beziehung hatte , als die , dem Sinn der eigenen Worte zu widersprechen . Lizinsky ging , mit hastigen Schritten im Zimmer auf und ab und warf , wenn er vor Alicens Platz vorüberkam einen bald forschenden , bald unentschlossenen Blick auf sie . Sie ließ ihn ruhig gewähren und blätterte indeß in den vor ihr liegenden Briefen . Endlich blieb er vor ihr stehen und sagte : - Alice , haben Sie Vertrauen zu mir ? - Wenig . - Warum ? - Weil Sie nicht offen sind . Nicht , ob ich Vertrauen zu Ihnen hätte , sondern ob Sie mir trauen dürften : das wünschten Sie zu wissen . Also woher der Umweg ? Aus Mißtrauen . Können Sie verlangen , daß ich Ihnen mehr vertraue , als Sie zu erwiedern geneigt sein möchten ? Der Fürst biß sich in die Lippen . - Sie sind ein gefährliches Weib , Alice - sagte er seufzend . - Diese Schmeichelei scheint Ihnen schwer geworden zu sein . Vielleicht weil sie diesmal eine Wahrheit enthält . In der That , ich bin ein gefährliches Weib . Fahren Sie fort . Der Fürst setzte sich wieder - Alice - begann er mit gedämpfter Stimme - ich habe eine Bitte an Sie . Doch ehe ich sie ausspreche , hören Sie . Sie wissen , was vor 14 Tagen in Paris vorgegangen . Es mag wenige geben , die sich schon mit dem Gedanken befreunden können , daß die französische Republik Bestand habe . Ich gehöre zu diesen Wenigen , ja ich bin sogar der festen Ueberzeugung , daß die französische Revolution des Jahres 1848 keine französische , sondern eine europäische ist , und daß wir großen und ernsten Stürmen entgegengehen : ich meine Deutschland , und vor Allem Oesterreich und Preußen . Der Fürst schien eine Antwort zu erwarten . Alice aber winkte ihm fortzufahren . - Ich glaube , daß die Wenigen , von denen ich sprach , und zu denen ich auch Sie rechne - Alice lächelte dankend - auf die kommenden Ereignisse gerüstet sein müssen , ja daß sie die Leitung derselben womöglich in die Hand nehmen müssen . Denn wenn die beiden Mächte , Absolutismus und Volksbewußtsein , einander gegenübertreten , so kann der Kampf nur ein Kampf auf Leben und Tod sein . Wenn , glauben Sie nun wohl , werden wir gewinnen ? Wenn der Absolutismus oder wenn das Volksbewußtsein siegt ? - Vielleicht weder in dem einen noch in dem andern Falle , sagte Alice mit Indifferenz . - Desto schlimmer für uns . Doch aber nur , wenn wir neutral bleiben wie bisher . - - Oder mit beiden