um , ob Niemand ihren Schritten folge , verließ dann plötzlich den gewöhnlichen , breiten Weg , und schlug einen Seitenweg ein , der durch eine Nebenpforte zu dem großen , parkähnlichen Garten führt , welcher zu diesem beliebten Etablissement gehört . Hier saß in einer blühenden Fliederlaube , die fast undurchdringlich von dem grünen Gezweig umschlungen war , ein schöner , ernster Mann von 30 Jahren , in dessen regelmäßigen , römischen Zügen sich deutlich die Ungeduld der Erwartung und ihre ängstliche Spannung malte . Als er die Pforte leise öffnen hörte , sprang er auf , stürzte mit ausgebreiteten Armen aus der Laube , umschloß mit unbeschreiblicher Leidenschaft das junge Weib , das eben eingetreten , und sagte mit dem Ton der glühendsten Liebe : » meine Johanna , Du kommst ! O ich danke Dir ! « Dann zog er sie zärtlich in die Laube , nahm ihr den feinen Strohhut ab , strich die vollen Locken , die sich zu üppig vorgedrängt , von der Stirn , kniete dann zu ihren Füßen nieder , preßte die kleinen Hände fest in die seinen , und drückte lange , brennende Küsse auf ihre Lippen . So saßen sie stumm eine geraume Zeit - alles war still und heimlich ; kein fallendes Blatt unterbrach die Ruhe ringsum . Es war jene Mittagsstille in der Natur - das orientalische Brüten , die Ruhe , die sich selbst genießt , welche die Fühlhörner des Lebens zurückzieht und ihre großen Wünsche , die in fernen Blitzen aufzucken am Horizont , in schwülen Schlummer wiegt . Doch des Menschen Herz hat den rastlosen Pulsschlag des Lebens ; und mächtiger wird sein heißes Begehren , wenn alles ringsum wünschelos und regungslos schlummert . Die Blicke des jungen Weibes zogen den Zauberkreis immer enger um den Geliebten . Er flüsterte : » Sieh ' mich nicht so an , - das ertrag ' ich nicht ! Du willst mir nicht gehören ; du willst nicht mein werden - o so laß ' Deinen Blick sanft sein wie den Blick der Taube , ein stilles , argloses Glück spiegeln , die Idylle der Unschuld , den süßen Wahn der Kindheit ! Laß ' ihn ohne Verlangen sein , wie die stille , abendliche Flut , die keinen Sturm und keine Brandung kennt ! Doch selber glühend , weckst Du meine Glut , die mich verzehrt , die mich ringen macht nach Deinem Besitz ! « » Und Du siehst es nicht , daß ich Dich besitzen will , besitzen muß ! « - Er sprang auf , wie von bachantischer Wuth erfaßt , von dem Taumel des Gottes ergriffen , drückte krampfhaft die Frau an sich - küßte Busen und Schultern in flammender Leidenschaft . » Franz , vernichte mich nicht ! Du weißt es ja , wie ich Dich liebe ! Jede Fiber sehnt sich nach Dir , jeder Nerv zuckt nach Vereinigung . Ach , ich möchte Dir ja alles geben , was Dich glücklich macht ; und doch flehe ich zu Dir : schütze mich vor mir selbst , schütze uns Beide . Du bist der Stärkere ! Deinem Schutz muß ich vertrauen ! O warum bist Du so heftig ? Nun ist ' s das letzte Mal , daß ich Dich hier gesehn ! Unterbrich mich nicht - laß ' mich ganz ausreden ! Ich muß Dir jetzt Alles sagen , was mich schon lange gequält . Seit ich Dich gesehen , liebe ich Dich , mein Leben - bis dahin ohne Gehalt und Bedeutung , hat in Dir seine wahre Erfüllung gefunden . Ich habe mich diesem berauschenden Glück überlassen , ohne zu fragen : wie kann , wie soll das enden ? Jetzt aber sehe ich klar - wie unrecht ich daran gethan , wie gefährlich uns Beiden dieser Dämmerzustand des Herzens geworden . Als ich vor vier Jahren gezwungen wurde , meinen Gatten zu heirathen , wider meine Neigung - da glaubte ich zu lieben , ein süßer Irrthum , in dem jedes junge Mädchen befangen ist . Schon damals unterdrückte ich dies Gefühl ; nicht aus moralischen Grundsätzen ; nicht aus Pflichtbewußtsein ; sondern aus Stolz . Ich war die Frau eines Andern ; ich wollte , den Menschen gegenüber , vorwurfsfrei dastehen . Seit ich Dich kenne - weiß ich wohl , daß ich früher nie geliebt . Und die Seligkeit zu lieben , so mit aller Kraft lieben zu können , hat mir nie Zeit gelassen zur Reue . Und ich werde es nie bereuen , Dir die ganze Stärke meiner Leidenschaft offen gezeigt zu haben . Ich bin keine von den christlichen Hausfrauen , welche die heißen Wünsche ihres Herzens , aus Furcht vor moralischer Abkanzelung oder ewiger Strafe , unterdrücken , und in ihrem Tugendbewußtsein reichlichen Ersatz für alles geopferte Glück finden . Ich bin nichts weiter - als stolz - ich will keine Seligkeit , die ich mir stehlen , über die ich vor der Welt erröthen müßte . Darum und darum allein - gehöre ich Dir nicht ganz in Liebe an . Erschwere mir nun durch kein Wort , keine Bitte , mein Opfer ! Beklage mich auch nicht - ich bin durch die Liebe zu Dir so selig gewesen , als eine Sterbliche sein kann . Was sie auch für Schmerzen in ihrem Gefolge haben mag - ich scheue sie nicht ; ich werde Dir ewig für das höchste Glück meines Lebens dankbar sein . « Eine Pause folgte diesen Worten . Den Kopf fest in die Falten des Kleides gedrückt , saß der Mann unbeweglich da . Als er das Gesicht erhob , war es bleich zum Erschrecken , doch ruhig . Seine Hand zitterte sichtbar , als er die andere , ihm so theure Hand erfaßte . Doch fest stand er auf , und erwiederte : » Ich verstehe Dich , Johanna , wir müssen uns trennen ! Ich habe in Dir gefunden , was mir von Jugend an