. Wir nahmen traurig Abschied , und gelobten uns ewige Treue . - Mein Leben ward furchtbar öde , da er fort war - wir schrieben uns oft , wenn auch die Mutter darüber schalt , daß ich Tage lang schrieb , ohne zu nähen , und über das viele Postgeld . Aber nun ward die Eifersucht zu meinem Dämon - ich hatte keine ruhige Minute mehr . Schrieb er mir einmal länger nicht , als gewöhnlich , so sprach ich im nächsten Brief meine Unruhe darüber aus , machte ihm Vorwürfe , nannte ihn untreu - « die Kranke unterbrach sich hier , sie fing an zu schluchzen , nach einer Weile sammelte sie sich wieder und fuhr fort : » So war in stiller Pein ein halbes Jahr verstrichen , da wurdest Du der Lebensretter meiner Mutter - sie war auf den vom Eise glatten Stufen gefallen , hatte den Arm gebrochen , Du hobst sie auf , brachtest sie zu dem Chirurgen , dann in unsre Wohnung - Du sahst , wie arm wir waren , wie wir noch ärmer werden mußten , da die Mutter nun nicht mehr arbeiten konnte , Du bezahltest den Arzt , Du halfst überall , und doch warest Du selbst arm . So war ich Dir gleich , als ich Dich kennen lernte , zu Dank und Lohn verpflichtet . « » Verpflichtet ? O , mein Gott ! « rief jetzt Thalheim , sich vergessend , außer sich . » Pflicht - wo ich ein Herz bot für ein Herz , Dank und Lohn , diese Kinder des Hochmuthes und des Egoismus , wo ich nach wahrer Liebe mich sehnte ! O , Amalie , wie jämmerlich klein mußt Du von mir gedacht haben ! « Und er sprang mit diesen Worten auf , ging an ' s Fenster und drückte die brennende Stirn an die kühlen Glasscheiben . » Bleibe hier , Johannes , « bat sie , » ich gestehe Dir jetzt meine Schuld , damit ich versöhnt sterben kann . Warum klagst Du in schmerzlicher Ueberraschung ? Ich habe es Dir zuvor gesagt , daß ich Deiner Vergebung ja so sehr bedarf ! Komm , komm ! « » Vergieb mir , « sagte er , » diese Aufwallung , ich will still anhören . « Und er setzte sich wieder auf seinen vorigen Platz , drückte schmerzlich-lächelnd Amaliens Hand , die sie ihm entgegen streckte , und sah dann aufmerksam lauschend vor sich nieder . Niemand konnte es ihm mehr ansehen , welche widerstreitenden Gefühle in seiner Seele tobten . Die Kranke begann wieder : » Lass ' mich kurz sein . Du gingest oft bei uns aus und ein , meine Mutter hing mit der wärmsten Hochachtung und zugleich zärtlichsten Mutterliebe an Dir - ich bewunderte Deine Großmuth , Deine Aufopferungen , Deine stete Milde - aber mir war ewig , als stündest Du auf einer kalten , klaren Höhe , die ich nimmer erklimmen könnte , die mich auch nimmer lockte . Da war es wieder einmal , daß mir Jaromir lange nicht geschrieben , ein Gerücht nannte ihn als den Liebhaber einer schönen verwittweten Gräfin - ich machte ihm eifersüchtige Vorwürfe , die er stolz ignorirte , endlich antwortete er aufgebracht , ich möge ihn nicht so unzart quälen , er thue es ja auch mir nie , denn er vertraue mir - - In diesen edlen Worten sah ich nur die Sprache der Gleichgültigkeit , mein Stolz überredete mich , daß er mich so sehr in seiner Gewalt zu haben glaube , daß neben ihm für mich jeder andere Mann verschwinden müsse - dafür wollt ' ich ihn demüthigen , ich schrieb ihm begeistert von Dir , war auch freundlicher als zuvor gegen Dich , um ihm zu zeigen , daß noch andere edle Männer um meine Gunst sich bewerben könnten . O , er kannte mich nur zu gut ! Er machte einen Scherz aus meinem Bestreben , seine Eifersucht zu erregen , wie er es durchschaute , und schrieb mir , daß er trotz dem meiner unveränderten Liebe gewiß sei - - ich hatte kaum diesen Brief , der meinen Stolz empörte , durchflogen , und ihn zürnend weggeworfen , als Du kamst , mir Deine Liebe gestandest , mir Deine Hand botest - und wenn ich nun Ja ! sagte , rief eine teuflische Stimme in mir , so wäre Jaromir doch gedemüthigt , und ich sagte Ja in derselben Stunde , und meine Mutter kam und segnete uns . « Amalie hielt erschöpft inne , und Johannes flüsterte zwischen den Lippen : » Unüberlegte , kindische Rache eines eitlen Mädchens , und meine wahre , riesenstarke Liebe ! « Sie fuhr nach einer Weile fort : » Du warst so gütig , so edel , ich sah mich so unendlich geliebt , Du übtest einen mächtigen Zauber über mich - meine Mutter dankte Dir ihr Leben und mehr , sie hatte längst gehofft , mit der Zeit werde mein Verhältniß zu diesem Jaromir enden , denn sie sah nicht ab , was daraus werden sollte - sie war glücklich über meine Handlung , ich war wie eine Träumerin - erst nach Wochen , als ein Brief Jaromir ' s anlangte , worde er sein Befremden über mein längeres Schweigen ausdruckte , und ängstlich zärtlich fragte : ob ich krank , oder was sonst geschehen sei ? - da kam ich erst eigentlich zum klaren Bewußtsein dessen , was ich gethan hatte . Ich war in Verzweiflung - meine Mutter schrieb für mich an Jaromir , besinnungslos unterschrieb ich den Brief - ich ward krank , dadurch entging Dir mein tiefes Herzeleid . Ich hoffte immer noch , er würde wieder schreiben , mich beschwören , zu widerrufen - dann wollte ich mein Wort von Dir zurückverlangen , es möchte daraus entstehen , was da wolle . Aber er schickte mir meinen Ring wieder und schrieb kein Wort dazu