, hätte eine Veränderung in Beider Mienen bemerkt . Der Dechant blickte ernst , mit geschlossenen Lippen , vor sich nieder , während die Edelfrau mit etwas verlegenen Blicken ihn zuweilen ansah . » Und es trieb wirklich meine Frau von Bredow noch nicht zur Beichte ? « sagte er den Kopf schüttelnd , doch nicht in unfreundlichem Tone . » Hier im Walde ? « » Auch der Wald ist Kirche , wenn das Herz drängt eine Schuld zu bekennen . « » Hochwürdiger Herr , aber sie mußten doch gewaschen werden . Das Leder war versessen und braun durch und durch , daß es eine Schande war , und nicht wie ein christlicher Ritter gehen soll . Im Kriege , nun ja , da thut ' s nichts . Aber Ihr wißt ja , was er auf das alte Lederstück hält , er läßt ' s nicht los . Er wäre damit zu Hof geritten . « » Herr Gottfried reitet ja nicht mehr zu Hofe . « » Aber zu Kindelbier , zu den Landtagen . Ja zum hochwürdigsten Bischof ritt er , mir zur Schande Mariä Lichtmeß , auf den Dom nach Brandenburg in den Büchsen , und wie er beim Heimreiten dreimal vom Prallstein aufsteigen mußte und dreimal runter fiel - « » Ist dem von Kerkow auch begegnet . Auch Wilkin Stechow . Der Bischof hat herrschaftlich auftischen lassen . « » Aber die Weiber haben nicht über sie gelacht ; sie trugen reines Zeug am Leibe . Daß mein Gottfried vom Prallstein fiel , thut ihm auch keine Schande , und dem Bischof thut ' s Ehre ; aber die Weibsen , die schnippischen von Brandenburg , haben sich zugezischelt : ob ' s denn in Hohen-Ziatz kein Wasser gebe ! Das ging auf mich , das ist meine Schande . Das konnt ' ich als ehrliche Frau nicht dulden . Mit Gutem giebt er sie ja nicht . Ihr wißt warum . Ist denn Waschen eine Sünde ? « » An und für sich betrachtet , ist Reinlichkeit sogar eine Tugend , aber jede Tugend kann durch Uebermaß zur Sünde werden . Zum Exempel wenn man am Sonntag wäscht und die Messe darüber versäumt . « » Heut ist ' s ja zu Ende . « » Oder die irdische Reinigung für wichtiger hält , als die der unsterblichen Seele . Wie meine Frau von Bredow treffend bemerkte , hat der Herr das Wasser geschaffen zum Waschen , und gleichwie der Mensch durch ' s Wasser muß , d. h. durch die Taufe , zum ewigen Heil , so mag aller Creatur das Waschen zu ihrem zeitlichen dienen . Ja , es ist nichts Schlimmes dabei , so der Mensch die Geschöpfe , die ihm untergeben sind , dazu zwingt . Er mag die Pferde und Schafe durch die Schwemme treiben , denn von selbst gehen sie nicht , auch seine Kinder bürsten und begießen , auch wenn die Kleinen sich sträuben und schreien . Auch ist nichts natürlicher , als daß eine gute Hausfrau das Kleidungsstück , auf welches ihr Eheherr so viel giebt , einmal gereinigt wünscht , selbst , wenn er es nicht wünscht . Es ist sogar löblich ; ja zugeben möchte ich , daß sie als Hausfrau ein Recht hätte , es in die Wäsche zu thun gegen den eigentlichen Willen des Mannes , ich meine , wenn er das Verbot nicht bestimmt ausgesprochen hätte . Aber in diesem Falle hatte er es gethan . Nicht wahr , er jagte es Euch damals an der Färbermühle ab , und war sehr zornig ? « » Das wohl , ehrwürdiger Herr , aber - « » Ihr unternahmt es dennoch : einmal gegen seinen Willen , wohl wissend , wie sehr es ihn kränken mußt , welchen Werth er darauf legte , daß Niemand ihm das Kleid berühre . Ihr nahmt es auch gegen seinen Willen , mit einer Hinterlist , die sogar an einen Diebstahl erinnert , während er schläft oder seiner Sinne nicht mächtig ; ja mehr noch : die eigene Tochter habt Ihr verleitet mitzuspielen , sie mußte , während sie dem Vater schmeichelte , ihm hinterrücks das Kleidungsstück entwenden . Ei , ei ! welche Saat in das unschuldige Herz eines Kindes gestreut ! Das alles zusammen genommen , erwäge meine Tochter und antworte sich dann selbst , ob das nicht gegen das Gesetz ist , das den Mann über die Frau setzte , nicht gegen die christliche Moral , die keine Arglist will , Summa , ob es nicht eine Sünde ist ? « Der Dechant war stehen geblieben . Auch die Edelfrau war stehen geblieben . » Ja , ehrwürdiger Herr , sie mußten aber doch gewaschen werden . « » Warum ? « » Warum ! Ja , ich will nicht sagen , darum , weil sie schmutzig waren . Denn meinethalben hätten sie ' s bleiben mögen bis an den jüngsten Tag , wenn er ein so eigensinniger Narr ist . Aber konnt ich ' s mir denn selbst vergeben , wenn er mir länger zum Gespött so rum ging ! Seine Ehre ist ja auch meine , seiner Kinder Ehre . Ein Hauswesen ohne Ordnung ist kein Hauswesen . Ja , nur der Kinder wegen ! Es war meine Pflicht als Mutter . Es ging nicht anders , Herr Dechant . Aus purer guter Absicht hab ich ' s gethan . « » Darum also . « Die Edelfrau wußte nicht , wie sie den Blick verstehen sollte . » Die großen Herren in Friesack , wenn sie einmal in die Zauche kommen , oder wir kommen mal alle Jubeljahr zu ihnen , ach man muß sich ja in der Seele schämen ! Wir sind doch ein Blut , aber wie sehen sie uns über die Achseln an ! Nun ja , lieber Gott , wir haben kein Schloß Friesack , wo sie mit Hellebarden stehen an der Treppe