des Vaters auferweckt bei ihnen sein würden in des Vaters Reich in alle Ewigkeit . Dann konnten sie mit einander reden von den gestorbenen Kindern und wie sie so gut und lieb gewesen und was sie alles gesagt und wie es gewesen wäre , als hätten sie ihren Tod geahnt . Von den toten kamen sie auf die lebendigen , redeten von ihren Freuden und Hoffnungen und wie sie den gestorbenen glichen und jeden Tag ihnen ähnlicher würden und wie es ihnen wäre , als hätten die Kinder sie viel lieber und mühten sich nach Kräften , die Lücke auszufüllen . Allmählig wuchsen die lebendigen an die Stelle der toten , wurden gleichsam die Blumen , welche der Toten Gräber deckten , den Augen der Eltern verbargen . Drei Kinder , wie gesagt , waren ihnen übrig geblieben , zwei Buben und ein Mädchen . Der Jüngste war der Mutter Liebling , das Mädchen des Vaters Herzkäfer , der Älteste allen lieb . Die Kinder hatten überhaupt der Eltern Art und wuchsen in der Sitte des Hauses auf in adelicher Ehrbarkeit . Mit gar vielem Lernen brauchten sie den Kopf sich nicht zu zerbrechen , aber fest in der Bibel wurden sie ; das sei die Hauptsache , meinen Vater und Mutter , die hätte sie ohne große Künste im Rechnen und Schreiben hieher gebracht . Allerdings waren auch Beide in beiden Dingen keine Hexenmeister , und wenn Christen seinen Namen schreiben sollte , so nahm er einen Anlauf , als wenn er über einen zwölf Schuh breiten Graben springen sollte , und wenn Änneli mit dem Ankenträger uneins war in ihren Rechnungen , so wurde sie plötzlich einig mit ihm , sobald er die Kreide nahm , und was er aufmachte , war ihr recht , sie wußte wohl warum . Etwas anders war es mit dem Arbeiten . Änneli musterte sie dazu und meinte , sie lernten es nie zu früh und etwas Nützliches machen sei besser als etwas Ungattliches , und etwas müsse gehen bei Kindern . Christen aber meinte , so früh trage Arbeiten nichts ab , es erleide nur den Kindern , und wenn sie später sollten , so möchten sie nicht ; wenn ihnen einmal der Verstand komme , so griffen sie von selbst an . Einmal er habe es so gehabt , und es werde niemand sagen , daß er nicht arbeiten könne und möge . Diese Verschiedenheit gab auch hie und da einen Anlaß , daß sie einander vergeben und vergessen konnten . Denn wenn Änneli musterte , so entrann Christen wohl zuweilen ein : » He , ich wollte sie nicht zwängen ; wenn sie möchten , sie täten es schon . « Und wenn Christen mit Wohlgefallen dem Nichtstun der Kinder zusah , so sagte wohl zuweilen Änneli : Es dünke ihr , es sollte doch dem Einen oder dem Andern in Sinn kommen , etwas Wichtigeres zu machen . Aber alles dieses tilgte der gute Hausgeist wieder aus , tilgte alle Abende die Säure , die sich zuweilen in den alternden Herzen ansetzen mochte . Etwas ging auf die Kinder über , denn Kinder sind eine weiße Wand ; so weiß die Hände sind , welche über sie fahren , zuletzt werden doch die Spuren derselben sichtbar . Christen , der Älteste , der sich niemand besonders anschloß , war ein stilles Gemüt , ihn ließ man am meisten gewähren ; er sagte wenig , aber empfand viel , lebte mehr in einem innern Leben als im äußern und schien daher untätig und gleichgültig . Annelise war ein liebliches Mädchen , aber es konnte tagelang von einer Arbeit sprechen , ehe es daran ging ; war es einmal daran , dann konnte es die beste Jungfrau beschämen , es geschah aber selten . Die armen Leute hatten es nicht gerne , sie hielten es für hochmütig und wüst , wenn es aber darum zu tun war , einer armen Frau etwas zu bringen oder ihr zu wachen , so war Annelise immer parat ; auch die jungen Bursche hielten es für hochmütig , weil es nicht anlässig war wie Andere , hielten es für hoffärtig , weil ihm alles wohl stand und es immer zweg war , als käme es aus einem Druckli . Resli , der Jüngste , war ein schöner Bursche , rasch , tätig , gwirbig wie die Mutter ; wie sie , wurde auch er etwas ängstlich in der Arbeit , und während sein Vater einmal handelte in seinem Stall , hatte er mit Täubchen , Kaninchen , Schafen siebenmal schon gewechselt . In allen war etwas Schweigsames , Keines redete viel , aber wenn sie redeten , so wollten sie in jedes Wort viel legen . Und allerdings war jedes Wort , das eins zum Andern fallen ließ , gerade wie ein Lichtstrahl , der hundertfältig splittern kann . Nur der Älteste konnte viel reden , wenn irgend ein Schlüssel , zum Beispiel ein gutes Glas Wein , ihm den Mund auftat ; dann zeigte er , daß vieles in ihm war , an das man nicht dachte . Je mehr Eigentümlichkeiten in einen Haushalt treten , desto bewegter wird das Leben , wenn auch nicht von außen sichtbar , so doch im Innern fühlbar . Wie lieb man einander auch hat , etwas stößt doch auseinander , etwas hat jedes an sich , das am Andern mehr oder weniger empfindlich sich reibt . Ein jedes hat sein eigentümliches Gebiet , welches es wahren zu müssen glaubt vor jeglichem Eingriff , ein jedes macht seine bestimmten Ansprüche , welche sich scheinbar zufällig und bewußtlos ausbilden und deren Nichtbeachtung , auch wenn es mit keinem Wort , keinem Blick verraten wird , tief kränkt . Bei solchen Ansprüchen , je bewußt , loser sie entstanden sind , um so mehr meint man , ihre Gewährung verstehe sich von selbst . So hatte jedes dieser Kinder wie sein eigentümliches Wesen , so auch seine eigenen Ansprüche