nicht mehr und das Schloß nur von seiner trauernden Gemahlin bewohnt ; er eilte nun mit seinen beiden Söhnen nach London , um zu den Füßen seiner Königin den Lehnseid zu leisten und ihr die hoffnungsvollen Jünglinge vorzustellen , die sich schon in der Wiege ihrer Gunst erfreuten , und welche sie nun augenblicklich zum Aufenthalt an ihrem Hofe bestimmte . Der letzte und sicher nicht erwünschteste Auftrag der Königin bestimmte den Grafen , an Jakob den Sechsten die Nachricht von dem Tode seiner Mutter , der unglücklichen Maria von Schottland , zu überbringen . Wahrscheinlich leitete sie , neben der Rücksicht auf die Persönlichkeit dessen , der Jakob ihren Schmerzensbrief einhändigen und ihren merkwürdigen , allerdings etwas zweifelhaften Zorn gegen die Urheber dieser That bestätigen sollte , hauptsächlich der Wunsch bei dieser Wahl , den Herzog mit Jakob , den sie schon damals in der Stille zu ihrem Nachfolger ersehen hatte , zu befreunden . Durch die Art , wie sie den Herzog dem Könige empfahl , und der ungemeinen Hochachtung vertrauend , welche er sich überall zu erwerben wußte , war sie dies zu erreichen gewiß . Sie verlangte ausdrücklich , daß seine beiden Söhne ihn begleiten sollten , und berief unterdessen die Herzogin an den Hof . Robert , Graf von Derbery , der älteste Sohn , benutzte eben so , wie Archimbald , Graf von Glandford , diese Gelegenheit zu seiner Entwickelung mit ausgezeichnetem Eifer , und Archimbald , wie zum Diplomaten geboren , begleitete schon in den letzten Jahren der Regierung Elisabeths die Gesandtschaft , die mit Heinrich von Bearn wegen Sendung von Hülfstruppen gegen die Ansprüche Philipps des Zweiten auf die Thronfolge in Frankreich unterhandelte . Sein Benehmen war hier zwar ohne Einfluß , aber so fein und schicklich , daß Elisabeth von ihm Größeres für die Zukunft prophezeite . Zurückgekehrt , lebte er unter der Anleitung seines Oheims Cecil , ganz sich diesem Fache widmend . Er war das Bild der Selbstbeherrschung ! Seine Figur war mittler Größe und ohne Fülle , doch von einer augenscheinlich großen Kraft , die auch jeder seiner Bewegungen die vollkommenste Gewandtheit gab . Dies ließ die Meisten sehr leicht vergessen , daß dem Ausdrücke seines Gesichtes sowohl als seiner Figur jener imponirende , die Hoheit der Seele voraus verkündigende Anstand fehlte , den man vorzüglich später , als sein Name in seinem Vaterlande , wie an fast allen fremden Höfen bekannt ward , oft mit Befremden vermißte . Er beherrschte aufs Vollkommenste seine Muttersprache und außerdem fast alle fremden Sprachen , so wie die Sitten der von ihm besuchten Höfe ihm völlig bequem waren . Die Gabe , ohne allen Anschein der Beobachtung auch das Geringste wahrzunehmen , Alle durch seine Anreden oder Antworten zu befriedigen oder zu beschwichtigen , war ihm vollkommen eigen . Im Streit , in gelehrten oder politischen Unterhandlungen , bei der größten Ueberlegenheit im Wissen , Folgern und Beschließen , wußte er doch stets in die Einkleidung das bescheidene Aufhorchen eines Lernenden zu legen . Man konnte ihm nichts sagen oder mittheilen , was er nicht im Stande gewesen wäre , als längst bekannt und selbst in seinen fernsten Resultaten vorausgesehen , zurückzuweisen . Mit höchster Ruhe vermochte er den längsten Erörterungen zuzuhören , ohne das kleinste Zeichen der Ermüdung oder der Unaufmerksamkeit zu geben , und es stand eben sowohl in seiner Macht , endlich den Beifall daran mit Gründen zu rechtfertigen , als ihm die gefährliche Gewalt zu Gebote stand , in wenigen satyrischen oder kritischen Worten die auch noch so künstlich verflochtenen Gedanken ihres falschen Scheins zu entkleiden , und in ihr Nichts zurückzuführen . Doch konnte man ihm in seinem langen Leben nie nachsagen , daß er an einer guten Sache seinen Hang zur Satyre versucht hätte . Sein Stolz hatte bei dem vollen Bewußtsein seines Ranges und Namens doch jenen freieren Karakter , der sich in ihm mehr als Kosmopolit , denn als Engländer entwickelt hatte , und den zu hegen , er mehr vielleicht noch seinen Eigenschaften , als seinem Namen vergab . Robert , Graf von Derbery , der älteste Bruder und Erbe des herzoglichen Ranges , hatte bei mancher Verschiedenheit an Geist und Bildung den Bruder nicht erreicht . Er hatte von Elisabeth trotz seiner Jugend die Erlaubniß erhalten , den englischen Truppen zu folgen , die in der Normandie bei Dieppe zur Unterstützung des heldenmüthigen Heinrichs von Navarra erschienen , und so seinen heißesten Wunsch erreicht , der ihn mit schwärmerischer Verehrung zu diesem Prinzen zog . An Heinrichs kleinem Hofe , den kein anderer Glanz , als der der Waffen , schmückte , fand er jedoch Menschen , erwärmt von der großen Empfindung für Recht und begeistert von dem Gedanken der guten Sache : Zu siegen oder zu sterben ! Ihm ward die Wohlthat , die erste Idee , die ihn ausschließlich erfaßte , für eine große und erhabene ansehen zu dürfen , für die er das Leben mit allen seinen Gütern einsetzte , und sich in diesem Brennpunkt aller Kräfte , noch vor den Jahren , zum Manne zu zeitigen . Bald nachher war England durch den Tod seiner großen Beherrscherin in die tiefste und gerechteste Trauer versenkt . Elisabeth starb am vierundzwanzigsten Mai 1603 , und nachdem Jakob der Sechste von Schottland als Jakob der Erste den Thron von England bestiegen , hielten die Großen , die ihm durch frühere Verhältnisse näher getreten waren , es für nöthig , am Hofe zu erscheinen , und die Familie des Herzogs von Nottingham zeigte sich für einige Zeit in London . Zwar war Jakob umlagert von den schottischen Großen , denen er sich verpflichtet hatte , und die jetzt Hülfe forderten und fanden ; aber er war dennoch gerecht gegen seine neuen Unterthanen . Mit Erstaunen sah man Cecil , den Sohn des Grafen von Burleigh , seinen wichtigen Posten ruhig weiter behaupten , ohne seines Einflusses auf den Tod der unglücklichen Königin Maria weiter zu gedenken ; und während Jakob eben