Frauenhand geschenkt ; er aber sagte : kannst du nicht zufrieden sein , daß ich sie dir gebe ? - Ich nahm heimlich seine Hand und zog sie an mein Herz , er trank aus seinem Glas und stellte es vor mich , daß ich auch draus trinken sollte ; ich nahm es mit der linken Hand und trank und lachte ihn aus , denn ich wußte , daß er es hier hingestellt hatte , damit ich seine Hand loslassen sollte . Er sagte : » Hast du solche List , so wirst du auch wohl mich zu fesseln wissen mein Leben lang . « Ich sag Ihr , mach Sie sich nicht breit , daß ich Ihr mein heimlichstes Herz vertraue ; - ich muß wohl jemand haben , dem ich ' s mitteile . Wer ein schön Gesicht hat , der will es im Spiegel sehen , Sie ist der Spiegel meines Glücks , und das ist grade jetzt in seiner schönsten Blüte , und da muß es denn der Spiegel oft in sich aufnehmen . Ich bitte Sie , klatsch Sie ihrem Herrn Sohn im nächsten Brief , den Sie gleich morgen schreiben kann und nicht erst eine Gelegenheit abzuwarten braucht , daß ich dem Veilchenstrauß in der Schachtel in kühler Mondnacht nachgeschwommen bin , wohl eine Viertelstunde lang , so lang war es aber nicht , und daß die Wellen mich wie eine Wassergöttin dahingetragen haben , - es waren aber keine Wellen , es war nur seichtes Wasser , das kaum die leichten Schachteln hob ; und daß mein Gewand aufgebauscht war um mich her wir ein Ballon . Was sind denn die Reifröcke seiner Jugendliebschaften alle gegen mein dahinschwimmendes Gewand ! Sag Sie doch nicht , Ihr Herr Sohn sei zu gut für mich , um einen Veilchenstrauß solche Lebensgefahr zu laufen ! Ich schließ mich an die Epoche der empfindsamen Romane und komme glücklich im Werther an , wo ich denn gleich die Lotte zur Tür hinauswerfen möchte . Ihr Herr Sohn hat einen schlechten Geschmack an dem weißen Kleide mit Rosaschleifen . Ich will gewiß in meinem Leben kein weißes Gewand anziehen ; grün , grün sind alle meine Kleider . Apropos , guck Sie doch einmal hinter Ihren Ofenschirm , wo Sie immer die schön bemalte Seite gegen die Wand stellt , damit die Sonne ihn nicht ausbleicht ; da wird Sie entdecken , daß das Eichhörnchen der Ofengöttin großen Schaden getan hat , und daß es ihr das ganze Angesicht blaß gemacht hat . Ich wollt Ihr nichts sagen , weil ich doch das Eichhörnchen gegen Ihren Befehl an den Ofenschirm gebunden hatte , und da fürchtete ich , Sie könnte bös werden , drum hab ich ' s Ihr schreiben wollen , damit Sie in meiner Abwesenheit Ihren Zorn kann austoben lassen . Morgen geht ' s nach Aschaffenburg , da schreib ich Ihr mehr . Mein Schawellchen soll die Lieschen ausklopfen , damit die Motten nicht hineinkommen , lasse Sie ja keinen andern drauf sitzen , adje , Fr . Rat , ich bin Ihre untertänige Magd . - An Frau Rat Goethe Frau Rat , Sie hat eine recht garstige Hand , eine wahre Katzenpfote , nicht die , mit der Sie im Theater klatscht , wenn der Schauspieler Werdi wie ein Mülleresel dahertrappst und tragisches Schicksal spielen will , nein , sondern die geschriebene Hand ist häßlich und unleserlich . Mir kann Sie zwar immer so undeutlich , wie Sie will , schreiben , daß ich ein albernes Ding bin ; ich kann ' s doch lesen , gleich am ersten großen A. Denn was sollte es sonst heißen ? Sie hat mir ' s ja oft genug gesagt ; aber wenn Sie an Ihren Herrn Sohn schreibt von mir , befleißige Sie sich der Deutlichkeit ; die Mildeberger Trauben hab ich noch herausgekriegt , die Sie in chaldäischen und hebräischen Buchstaben verzeichnet hat , ich werde Ihr eine ganze Schachtel voll bestellen , das hätt ich auch ohnedem getan . Der Herr Schlosser hat mir übrigens nichts Besondres in Ihrem Brief geschrieben . Ich kann das auch nicht leiden , daß Sie sich die Zeit von ihm vertreiben läßt , wenn ich nicht da bin , und ich sag Ihr : lasse Sie ihn nicht auf meiner Schawelle sitzen , er ist auch so einer , der Laute spielen will und glaubt , er könne auf meiner Schawelle sitzen , und Sie auch , wenn Sie ihn so oft sieht , so bild ' t Sie sich ein , er wär besser als ich ; Sie hat so schon einmal geglaubt , er wär ein wahrer Apoll von Schönheit , bis ich Ihr die Augen aufgetan habe , und die Fr . Rat Schlosser hat gesagt , daß , wie er neugeboren war , so habe man ihn auf ein grünes Billard gelegt , da habe er so schön abgestochen und habe ausgesehen wie ein glänzender Engel ; ist denn Abstechen eine so große Schönheit ? Adieu , ich sitze in einer Raufe , wo die Kuh den Klee herausfrißt , und schreibe ; schreib Sie das nicht an Ihren Sohn ; das könnte ihm zu toll vorkommen , denn ich selbst , wenn ich denke : ich fände meinen Schatz im Kuhstall sitzen und zärtliche Briefe an mich schreiben , ich weiß auch nicht , wie ich mich benehmen sollte . Doch sitze ich hier oben aus lauter Verzweiflung , und weil ich mich versteckt habe , und weil ich allein sein möchte , um an ihn zu denken . Adieu Fr . Rat . Wir haben gestern beim Primas zu Mittag gegessen , es war Fasttag ; da waren wunderliche Speisen , die Fleisch vorstellten und doch keins waren . Da wir ihm vorgestellt wurden , faßte er mich am Kinn und nannte mich kleiner Engel , liebliches Kind ; ich fragte , wie alt er denn glaubt , daß ich sei ?