lächerlichste Betrug . Ich bin frühe zur Wahrheit hindurchgedrungen , und meine Lippen tranken aus dem Giftbecher als sie noch jung waren . - - Mein Oheim , der die Wünsche der Eltern erfüllte , brachte mich als siebzehnjährigen Knaben in ' s Kloster der schwarzen Brüder . Schauerlich finster lag dieses Asyl menschlichen Elends ; zwischen Felsenwände eingeklemmt ragten die Thürme des alten Baues in die Luft , und um dem Strahl des Lichts den lezten Zugang fast zu rauben , warf ein Kranz finstrer Buchen und Tannen von oben herab seinen bläulichen , kalten Schatten in den dämmernden Klosterhof . Hier schlich ich mit ängstlich fragenden Blicken herum , wenn die schwarzen Gestalten der Brüder sich an mir vorbeibewegten , wenn ich ihre wankenden Schritte hörte , mit welchen sie in die Nacht der hohen , von einem spärlichen Lämpchen erhellten Kreuzgänge verschwanden , hier sann ich den trüben Wundern nach , die die Knie meiner Brüder beugen machten . Ein langer , dürrer Mönch , mit einem Gesichte , wie eine kalte Steintafel , ging mir nach und hütete die Einsamkeit meiner kleinen Zelle . Oft wenn ich ihn um Mitternacht durch die Kirche aufrecht , wie ein im Sarge erkalteter Körper , schreiten sah , fiel der Schatten seines vorüber wandelnden Leibes wie eine schwarze , stille Gottesläugnung auf die Bilder der göttlichen Helfer . Er war nie aus der dunkeln Kellertiefe des Klosters an den warmen Mittag oben hinaufgestiegen , nie mochte er lächeln , nie eine bunte Blume , einen grünen Baum sehen , ein grauer Vorhang verhüllte auf immer die Aussicht seines kleinen Zellenfensters . Dieser Mann war es , der mir seine nähere Aufmerksamkeit schenkte ; er gab mir eines Tages ein Buch , in welchem sich schöne Abbildungen jener frommen Helden der Kirche befanden , deren Geschichte meine junge Brust entflammt hatte . Wie selig war ich im Besitz eines solchen Schatzes . Wenn die mitternächtliche Glocke ihre einsamen Laute durch die Nacht tönen ließ , wenn alles im Kloster ruhte , dann fand ich Mittel von meinem Lager mich zu erheben , dem Corridor entlang , dem heiligen Muttergottesbilde vorbei , leise schleichend eine kleine , versteckte Thür zu öffnen , die mich in ein hochgelegenes Thurmstübchen leitete , wo sich eine Bank und ein Tisch von Stein befand . Hier hörte ich nun die Bäume auf den Felsen dicht über mir rauschen , hier konnte ich den Himmel mit seinen Sternen sehen , hier fuhr oft der Sturm , der unten schwieg , mit tönendem Brausen durch die Gitterstäbe meines kleinen Fensters und drohte das flackernde Lämpchen zu verlöschen , welches vor mir auf der Steinplatte seine unruhigen Lichter und Schatten warf . Ach , ich kann die Seligkeit , den herzzerreißenden Schmerz , die ahnende Wonne , die träumerische Begeisterung und die trunkene Entzückung nicht beschreiben , die in jenen wunderbaren Nächten mein armes Knabenherz befiel . Ich lag auf beide Hände gestützt , das Buch auf meinen Knieen , die blonden Locken meines Hauptes drüber hin fließend - stundenlang auf den kalten Steinen und hing mit verzehrender Glut an den Bildern meines Buches . Der Gedanke ging endlich in mir auf , daß auch ich ähnliche Wunder wirken könne , daß auch mein schwacher Körper die Glut des Himmlischen durchströmen und weihen könne . Nicht achtend auf die Vermessenheit solcher Gedanken , flog meine jubelnde Phantasie immer höher ; bald zweifelte ich nicht mehr an meinem hohen Beruf ; konnte wohl Gott ein Herz , das so brünstig sich ihm näherte , verstoßen ? Ich faßte die ganze Stärke meiner Seele , niederstürzend lag ich im Staube vor ihm , und erbat unter strömenden Thränen ein Wunder . Gleich dem heiligen Faustinus wollte ich die Stäbe meines Fensters schütteln und sie wie Rohrstäbe brechen . Buße und Geißelung huben jezt an , und sollten jeden Funken der irdischen Begehrlichkeit in mir ersticken . In der Einsamkeit meiner Thurmzelle floß mein Blut unter Geißelstreichen und färbte den Steinboden ; kein Gebet , keine Fürbitte wurde verabsäumt , Hunger und Nachtwachen hatten meine Glieder der Fülle der Jugend entkleidet ; endlich glaubte ich reif zu seyn , für das mächtige Werk . In einer Nacht , wo ein fürchterliches Wetter sich über unserem Kloster entladete , faßte ich im Wahnsinn jene Eisenstäbe , raste in Entzükung und wandte alle Kraft an , sie zu brechen , - sie brachen nicht - und ohnmächtig stürzte ich auf die Steine des Bodens . Als mich die Brüder oben fanden , erhielt ich eine strenge Züchtigung und mein geliebter Thurm blieb mir auf immer verschlossen . Wenige Tage nach diesem Ereigniß hatte ich den Muth , aus den Klostermauern hinauszuschleichen , um in den nahen Forst mich zu verlieren . Meine Seele , die in Betäubung lag , dürstete nach Einsamkeit . Rastlos forteilend gerieth ich bald in viele Waldpartien , und kaum hatte ich ein finsteres Rasenplätzchen mir ausersehen , um mich mit meinem Wunderbuch dort niederzulassen , als ein Geräusch in meiner Nähe mich plötzlich emporschreckte . Wer beschreibt mein Entsetzen , als ich dicht vor mir ein Ungeheuer erblickte , welches den heißhungrigen Rachen schon aufsperrte , um meine zitternden Glieder zu verschlingen . Thränen stürzten aus meinen Augen , in der Angst und Verwirrung stürzte ich auf meine Knie und meine Arme hielten , einem dunkeln Triebe folgend , dem Wolfe die Blätter meines aufgeschlagenen Wunderbuches entgegen . Nicht so bald hatten die grünen funkelnden Augen des Scheusals die geweihten Schriftzüge erschaut , als die fürchterliche Gestalt langsam zu weichen begann ; ich rutschte auf den Knien ihr nach , immer das Buch gerade vor mich hin haltend und , o dreimal herrliches Wunder , das mörderische Thier heulte laut auf und entfloh furchtsam ins Dickicht . Ich blieb noch , auf meinen Knien liegend , ein heißer Strom der Entzückung überstürzte mein Gebein ; meine Besinnung drohte zu schwinden , und mein umherschauender Blick glaubte Gesträuch und