Zuversicht , als die mächtigste Hülfe von außen . So war die Stimmung Georgs von Sturmfeder , als er durch den Schönbuchwald seiner Heimat zuzog . Zwar brachte ihn dieser Weg dem Liebchen nicht näher , zwar konnte er nichts sein nennen als das Roß , das er eben ritt und die Burg seiner Väter , von welcher der Volkswitz sang : Ein Haus auf drei Stützen , Wer vorn hereinkommt , Kann hinten nicht sitzen . Aber er wußte , daß dem festen Willen hundert Wege offenstehen , um zum Ziel zu gelangen , und der alte Spruch des Römers : » Fortes fortuna juvat « , hatte ihm noch nie gelogen . Wirklich schienen auch seine Wünsche nach einer tätigen Laufbahn bald in Erfüllung zu gehen . Der Herzog von Württemberg hatte Reutlingen , das ihn beleidigt hatte , aus einer Reichsstadt zur Landstadt gemacht und es war kein Zweifel mehr an einem Krieg . Der Erfolg schien aber damals sehr ungewiß . Der Schwäbische Bund , wenn er auch erfahrenere Feldherrn und geübtere Soldaten zählte , hatte doch in allen Kriegen durch Uneinigkeit sich selbst geschadet . Ulerich , auf seiner Seite , hatte vierzehntausend Schweizer , tapfere kampfgeübte Männer geworben , aus seinem eigenen Lande konnte er , wenn auch minder geübte , doch zahlreiche und tüchtige Truppen ziehen und so stand die Waage im Februar 1519 noch ziemlich gleich . Wo alles um ihn her Partei nahm , glaubte Georg nicht müßig bleiben zu dürfen . Ein Krieg war Ihm erwünscht ; es war eine Laufbahn , die ihn seinem Ziele , um Marie würdig freien zu können , bald nahebringen konnte . Zwar zog ihn sein Herz weder zu der einen , noch zu der andern Partei . Vom Herzog sprach man im Lande schlecht , des Bundes Absichten schienen nicht die reinsten . Als aber durch Geld und Klagen der Huttischen und durch die Aussicht auf reiche Beute bestochen achtzehn Grafen und Herren , deren Besitzungen an sein Gütchen grenzten , auf einmal12 dem Herzog ihre Dienste aufsagten , da schien es ihn zum Bunde zu ziehen . Den Ausschlag gab die Nachricht , daß der alte Lichtenstein mit seiner Tochter in Ulm sich befinde ; auf jener Seite , wo Marie war , durfte er nicht fehlen , und so bot er dem Bunde seine Dienste an . Die fränkische Ritterschaft unter Anführung Ludwigs von Hutten , zog sich am Anfang des März gegen Augsburg hin , um sich dort mit Ludwig von Bayern und den übrigen Bundesgliedern zu vereinigen . Bald hatte sich das Heer gesammelt , und ihr Weg glich einem Triumphzug , je näher sie dem Gebiete ihres Feindes kamen . Herzog Ulerich war bei Blaubeuren , der äußersten Stadt seines Landes gegen Ulm und Bayern hin , gelagert . In Ulm sollte jetzt noch einmal zuvor im großen Kriegsrat der Feldzug besprochen werden , und dann hoffte man in kurzer Zeit die Württemberger zur entscheidenden Schlacht zu nötigen . An friedliche Unterhandlungen wurde , da man so weit gegangen war , nicht mehr gedacht , Krieg war die Losung und Sieg der Gedanke des Heeres als ein frischer Morgenwind ihnen die Grüße des schweren Geschützes von den Wällen der Stadt entgegentrug , als das Geläute aller Glocken zum Willkomm vom anderen Ufer der Donau herübertönte . Wohl schlug auch Georgs Herz höher bei dem Gedanken an seine erste Waffenprobe ; aber wer je in ähnlicher Lage sich befand , wird ihn nicht tadeln , daß auch friedlichere Gedanken in seiner Seele aufzogen und ihn Kampf und Sieg vergessen ließen . Als zuerst , noch in weiter Ferne , das kolossale Münster aus dem Nebel auftauchte , als nachher der verhüllende Dunstschleier herabfiel und die Stadt mit ihren dunkeln Backsteinmauern , mit ihren hohen Tortürmen sich vor seinen Blicken ausbreitete , da kamen alle Zweifel , die er früher tief in die Brust zurückgedrängt hatte , schwerer als je über ihn . » Schließen jene Mauern auch die Geliebte ein ? hat nicht ihr Vater seinem Herzog treu , vielleicht in die feindlichen Scharen sich gestellt , und darf der , dessen ganze Hoffnung darauf beruht , den Vater zu gewinnen , darf er sich jenem gegenüberstellen , ohne sein ganzes Glück zu vernichten ? Und ist der Vater auf feindlicher Seite , kann Marie möglicherweise noch in jenen Mauern sein . Und wenn alles gut wäre , wenn unter der festlichen Menge , die sich zum Anblick des einziehenden Heeres drängt , auch Marie auf ihn herabschaut , hat sie auch die Treue noch bewahrt , die sie geschworen ? - « Doch der letzte Gedanke machte bald einer freudigeren Gewißheit Raum , denn wenn sich auch alles Unglück gegen ihn verschwor , Mariens Treue , er wußte es , war unwandelbar . Mutig drückte er die Schärpe , die sie ihm gegeben , an seine Brust , und als jetzt die Ulmer Reiterei sich an den Zug anschloß , als die Zinken und Trompeten ihre mutigen Weisen anstimmten , da kehrte seine alte Freudigkeit wieder , stolzer hob er sich im Sattel , kühner rückte er das Barett in die Stirne , und als der Zug in die festlich geschmückten Straßen einbog , musterte sein scharfes Auge alle Fenster der hohen Häuser , um sie zu erspähen . Da gewahrte er sie , wie sie ernst und sinnend auf das fröhliche Gewühl hinabsah , er glaubte zu erkennen , wie ihre Gedanken in weiter Ferne den suchten , der ihr so nahe war , schnell drückte er seinem Pferde die Sporen in die Seite , daß es sich hoch aufbäumte und das Pflaster von seinem Hufschlag ertönte . Aber als sie sich zu ihm herabwandte , als Auge dem Auge begegnete , als ihr freudiges Erröten dem Glücklichen sagte , daß er erkannt und noch immer geliebt sei , da war es um die Besinnung des guten Georg geschehen ; willenlos folgte er dem Zuge vor das