sprach mit seinen Freunden , ging nach Versailles , um den Grafen von Mirabeau , einen alten Freund seines Hauses , aufzusuchen . Überall fand er die herzlichste Teilnahme und den besten Willen zu helfen ; doch war die Sache so leicht nicht , als er gewähnt . Alles kam darauf an , zu erfahren , wohin der Gefangene gebracht worden , und hierüber gelangte man durchaus nicht zur Gewißheit . Zwar hatte man von Chaumerive den Weg nach Paris genommen , soviel hatte man in der Nachbarschaft erfahren ; ob man aber nicht späterhin diese Straße verlassen , wer konnte das verbürgen ? Der Herzog , welcher am ersten Auskunft zu geben vermochte , war fast unzugänglich . Er weigerte sich durchaus , Victor zu sehen , ließ ihn jederzeit abweisen , sooft er auch die Versuche , ihn zu sprechen , erneuerte . Nicht glücklicher waren die Bemühungen derer , welche ihr Rang in seine Zirkel führte . Der alte Hofmann stellte sich völlig unwissend . Nach vielen mißlungenen Schritten brachte es Mirabeau dahin , daß Victor eine geheime Audienz beim Könige erhielt . Der Monarch schien zwar gerührt bei der lebhaften Schilderung des jungen Mannes , doch meinte er , man müsse die Ansichten eines herzoglichen Hauses auch berücksichtigen , dessen Haupt einer seiner ältesten und treusten Diener sei . Alles , was man zuletzt erhielt , war ein Befehl an den Gouverneur der Bastille , daß , wenn sich ein Gefangener dieses Namens in seinem Gewahrsam befinde , diesem , unter gehöriger Vorsicht , eine Zusammenkunft mit seiner Gattin und seinem Schwager zu gestatten . Mit diesem teuren Papier eilten die Hoffnungsvollen in die finstern Mauern . Klarens Herz schlug laut vor ungestümer Freude . Aber , o Schrecken ! dem Gouverneur war dieser Name gänzlich unbekannt . Er schlug nach vielen Weigerungen die Register vom Monat November auf , doch vergebens . Victor entdeckte zwar , bei einer raschen Wendung , daß um diese Zeit ein junger Mann eingebracht worden , aber Name und Wohnort trafen nicht zu . Klara verlangte , voll ahndenden Gefühls , diesen Unbekannten zu sehen , aber der Gouverneur schlug es mit Festigkeit ab . Der Befehl laute nur auf eine bestimmte Person , alles übrige sei gegen seine Pflicht . Hart von Natur , und mehr noch durch Gewohnheit , weigerte er sich , auch nur die mindeste Auskunft über diesen Unbekannten zu geben . So verließ man diesen Ort des Schreckens völlig unverrichtetersache . Klara mit der festen Überzeugung , der Unbekannte sei ihr Gemahl , Victor zweifelhaft . Neue Versuche , neue Hindernisse . Dem Könige war schwieriger beizukommen . Er hielt es für unmöglich , daß jemand unter fremdem Namen gefangensäße , und verweigerte eine Erlaubnis , diesen Fremden zu sehn , weil Staatsgeheimnisse dabei gefährdet werden könnten . Am Ende gab er einen ähnlichen Befehl für Saint-Vicenz , und die Geschwister reiseten dahin , obwohl Klara keinen Erfolg davon hoffte . Die Nachforschungen waren wieder vergeblich . So ging der Winter und der größte Teil des Frühlings vorüber . Meine arme Mutter rückte ihrer Entbindung immer näher und versank immer tiefer in Gram . Ihre einzige Erholung war , auf dem Platze vor der Bastille auf und nieder zu gehn und die düstern Mauern anzublicken , die ihr alles umschlossen . Ihr Bruder konnte sie zu keinem andern Spaziergange mehr bereden . Man kannte sie hier schon und nannte sie nur die schöne Trauernde ; jedermann betrachtete sie mit Teilnahme . Ihr Bruder traf jetzt nur auf lebhaft beschäftigte und bewegte Gemüter ; die Spannung zwischen den Notabeln und dem Hofe stieg aufs höchste , und die Gärung war allgemein , in ihr ging alles einzelne unter . Auch Victor , ob er gleich das Schicksal seines Freundes nie aus den Augen verlor , warf sich doch mit Feuer in die öffentlichen Angelegenheiten . Ihm war klar , daß eine große Umwälzung der Dinge unvermeidlich und notwendig sei . Die Hoffnung für seinen Leo knüpfte er an das allgemeine Wohl , und rastloser als einer arbeitete er an der neuen Organisation . So kam der Julius heran , dieser so oft beschriebene und in der Weltgeschichte ewig merkwürdige Monat . Meine Mutter wurde von all dem Treiben um sie her nur sehr wenig gewahr , ihr tiefer Kummer machte sie unempfänglich für die Außenwelt . Sie hörte es kaum , wenn man sie bedauerte und Vorübergehende sie laut ein Opfer der Tyrannei nannten . Tief in sich gekehrt , ging sie auch am 14. Julius mittags auf ihrem gewöhnlichen Spaziergange auf und nieder , und es dauerte lange , ehe das Herbeiströmen einer zahllosen Volksmenge sie aufmerksam machte . Man umringt sie , Weiber und Mädchen umwinden sie mit dreifarbigen Bändern : » Auch du sollst gerächt werden ! « rufen sie . Das Getümmel nimmt zu . Von allen Seiten das Geschrei : » Nieder mit der Bastille , nieder ! « Kanonen werden aufgepflanzt , die Türme vom Zeughause und vom Garten werden eingestoßen , Löcher in die Mauern gebrochen . Meine Mutter fängt an zu begreifen , was vorgeht , sie zittert vor Schreck und Freude , sie sinkt auf die Knie und streckt die Arme nach dem fürchterlichen Gefängnisse aus ; die Sinne vergehen ihr , die mitleidigen Umstehenden sind kaum imstande , sie gegen den gewaltsamen Andrang der Menge auf einige Augenblicke zu schützen . Da arbeitet sich Victor durch das dichteste Gedränge , faßt seine ohnmächtige Schwester in seine Arme , drängt sich mit Riesenkraft rückwärts und trägt sie in ihre Wohnung zurück . Sie schlägt die Augen auf , aber in demselben Momente stellen sich auch heftige unbekannte Schmerzen ein , alles verkündigt eine beschleunigte Entbindung . Victor ruft um Hülfe er übergibt sie der Sorgfalt der Frauen , spricht ihr Mut ein und selige Hoffnung und eilt zurück , wohin Begeisterung und Pflicht ihn rufen . Er legt mit der Stärke eines Rasenden Hand an , er