es zu besehen . « - » Und ich darf vom Turme gar nicht fort « , klagte Martin . » Tröste dich mit mir « , meinte Hildegard , » ich dürfte wohl herunter , aber bei meinem Schwindel darf ich die Windeltreppe nicht ansehen , sonst gehet alles mit mir um , da sagen denn die bösen Leute in der Stadt , daß ich zu stark geworden sei , um die Treppe zu steigen ; wer weiß , ob solche Lügenreden nicht auch in die alten Geschichten gekommen sind , so daß kein Mensch jetzt mehr sagen kann , wo die Lüge aufhört und wo die Wahrheit anfängt . « - » Aber ich habe es geschrieben funden auf altem Pergament « , rief Berthold , » wer würde sich die Mühe geben , Lügen aufzuschreiben . In diesem Pergament fand ich auch , was hier steht , daß der Attila , Gottes Geißel getauft , diese Hauptstadt der alten schwäbischen Herzoge bis auf den Grund ausbrannte und daß wir entweder gar nicht lebten , oder doch keine Waiblinger wären , wenn nicht die Frau des Frankenkönigs Klodwig hier drei Hirsche mit ihrer Armbrust erlegt hätte . Seinem Weibe zu Ehren baute der Frankenkönig die Stadt , nannte sie von ihr Waiblingen , versteht ihr wohl , weil dort einem Weibe gelingt , was sonst kaum ein Mann leisten kann auf der Jagd . « - » Und davon kommen wohl die drei Hirschhörner in unserm Stadtwappen ? « fragte Martin . » Ein schlimmes Zeichen für uns Ehemänner « , fuhr er fort , » muß nur die Wand hier recht dicht und fest zukleben . « Berthold blätterte weiter und sagte » Du hast mir ein gut Stück Geschichte zugeklebt , da stehe ich schon beim Kaiser Konrad , der so viel auf die Treue seiner Waiblinger hielt , daß er es zum Feldgeschrei der Seinen gegen die verräterischen Welfen machte . Hier Waiblinger , hieß es , wo es hart herging , und mit dem Feldgeschrei siegte er über alle Feinde . Der hörnerne Siegfried war ihr Anführer , der seinem Herrn die starke Braut bezwungen hatte und dafür durch den tückischen Hagen sein Leben einbüßte ; nun von dem Märchen singen ja noch die Fiedler auf den Straßen , und es wäre wohl gut , daß sie etwas Neues lernten , denn es will ihnen niemand mehr zuhören . « - » Was haben mir die Italiener von Ghibellinen oder Wibellinen erzählt « , unterbrach ihn Martin , » sie schimpften sich noch so , obgleich keiner mehr wußte , was es bedeute , und da kommt all der Lärmen aus unserm Städtlein . « - » Ehre unsere Stadt alter Martin « , sagte Berthold , » denn sie hat viel mehr Auszeichnung genossen zur Zeit der schwäbischen Kaiser . Vor allem liebte sie der hochberühmte Friedrich Barbarossa , erbaute auch hier einen Palast , gleich dem von Gelnhausen . Ich habe ihn oft gesucht dort unter den Trümmern , aber ich konnte nicht ohne Aufsehen über das alte Mauerwerk klettern und die Leute hätten gemeint , ich sei auch so ein Schatzgräber , die immer noch bei den alten Häusern , welche die große Feuersbrunst einstürzte , nach Gold suchen und Kohlen finden . Die Beschreibung von dem Schlosse ist gar sehr prächtig , es bestand aus einem Hauptgebäude und einem Seitenflügel zum Anschauen der Ritterspiele . Hinter demselben war ein seltsamer Garten von fremden Pflanzen . Alle Zimmer waren kostbar mit Teppichen und Waffen des Morgenlandes verziert , aber am reichsten die Kapelle zu Ehren der heiligen drei Könige , deren Leichen dort eine Nacht geruhet , als sie der Kaiser von Mailand nach Köln sendete , wo sie noch ruhen und große Wunder verrichten . In dem Hause hier sollen die Anhänger des schwäbischen Hauses noch lange Zeit ihre Zusammenkünfte gehalten haben , bis die große Feuersbrunst es mit aller Herrlichkeit gleich der ärmsten Hütte verzehrt hat . « - » so geht ' s auch Eurer saubern , schön gemalten Handschrift , habt sicher nicht gedacht , sie so zu verbrauchen , als Ihr Euch dem Schreiben unterzogen « , bemerkte hier Martin . » Ich erheiterte mich als Knabe « , erwiderte Berthold , » mit der gewissen Zuversicht , sie werde sich zum ewigen Andenken wie die alten Schenkbriefe der Stadt von einem Ratsschreiber zum andern vererben , aber der Bürgermeister warf sie neulich zornig dreinreißend vor die Türe , weil er etwas von den Seinen , die ich unter dem Namen nicht erkannt , darin gefunden , das ihm gar nicht lieb war , daß nämlich eine Jungfrau seines Geschlechts einen Löwen in unsrer Stadt geboren habe . Es hat sich damals ein Löwe hieher verlaufen gehabt , der viele Menschen würgte , bis diese Jungfrau ihm entgegentrat , der er geduldig den Kopf in den Schoß legte und sich von ihr mit gemeiner Kost abspeisen ließ . Da glaubten schon die Leute , sie sei eine Heilige , bald aber kam es heraus , daß sie sich ihm vermählt habe , als sie einen Löwen gebar , denn da zog der Alte mit seinem jungen Löwen fort , sie aber stürzte sich aus Gram in die Rems . « - » Sollte die Geschichte also doch wahr sein « , brummte Martin , » hab sie den Kronenwächtern nie glauben wollen , von dem Löwen stammten nachher viele Menschen , versteht Ihr mich , von ihren gelben , lockigen Haaren wurden sie Löwen genannt , auch von ihrer Stärke und königlichen Abkunft . Doch das stirbt hier unter uns , ich darf davon nicht reden , aber Ihr wißt doch von dem Feinde unsres Barbarossa , daß der Heinrich der Löwe hieß , kein Stamm geht unter , aber erst , wenn feindliche Stämme sich innerlich versöhnen und verbinden , wird der Friede kommen auf Erden . « - » Aber wie ist mir «