Melodie : » Nach meiner Liebsten mich umsehn Tu ich wohl , zieh ich früh von hier , Doch sie mag niemals zu mir gehn Im dunkelgrünen Waldrevier . « Sie sang weiter : » Im dunkelgrünen Waldrevier , Da blitzt der Liebste rosenrot , Gefällt so sehr dem armen Tier , Das Hirschlein wünscht , es läge tot . « Der Jäger antwortete wieder : » Und wär das schöne Hirschlein tot , So möcht ich länger jagen nicht ; Scheint übern Wald der Morgen rot : Hüt schönes Hirschlein , hüte dich ! « Sie : » Hüt schönes Hirschlein , hüte dich ! Spricht ' s Hirschlein selbst in seinem Sinn , Wie soll ich , soll ich hüten mich , Wenn ich so sehr verliebet bin ? « Er : » Weil ich so sehr verliebet bin , Wollt ich das Hirschlein , schön und wild , Aufsuchen tief im Walde drin Und streicheln , bis es stillehielt . « Sie : » Ja , streicheln , bis es stillehielt , Falsch locken so in Stall und Haus ! Zum Wald springt ' s Hirschlein frei und wild Und lacht verliebte Narren aus . « Hierbei sprang sie von ihrem Rehe auf , denn Pferde , Hunde , Jäger und Waldhornsklänge stürzten auf einmal mit einem verworrenen Getöse aus dem Walde heraus und verbreiteten sich bunt über die Wiese . Ein sehr schöner , junger Mann in Jägerkleidung und das Halstuch in einer unordentlichen Schleife herabhängend , schwang sich vom Pferde und eine Menge großer Hunde sprangen von allen Seiten freundlich an ihm herauf . Friedrich erstaunte beim ersten Blick über die große Ähnlichkeit , die derselbe mit einem älteren Bruder hatte , den er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen , nur daß der Unbekannte hier frischer und freudiger anzusehen war . Dieser kam sogleich auf ihn zu . » Es freut mich « , sagte er , » Sie so munter wiederzufinden . Meine Schwester hat Sie unterwegs in einem schlimmen Zustande getroffen und gestern abends zu mir auf mein Schloß gebracht . Sie ist heute noch vor Tagesanbruch wieder fort . Lassen Sie es sich bei uns gefallen , Sie werden lustige Leute finden . « Während ihm nun Friedrich eben noch für seine Güte dankte , brachte auf einmal der Wind aus dem Garten oben mehrere Blätter Papier , die hoch über ihre Köpfe weg nach einem nahe gelegenen Wasser zuflatterten . Hinterdrein hörte man von oben eine Stimme » Halt , halt , halt auf ! « rufen , und der Mensch , den Friedrich im Garten schreibend angetroffen hatte , kam eilends nachgelaufen . Leontin , so hieß der junge Graf , dem dieses Schloß gehörte , legte schnell seine Büchse an und schoß das unbändige Papier aus der Luft herab . » Das ist doch dumm « , sagte der Nachsetzende , der unterdes atemlos angelangt war , da er die Blätter , auf welche Verse geschrieben waren , von den Schroten ganz durchlöchert erblickte . Das schöne Mädchen , das vorher auf der Wiese gesungen hatte , stand hinter ihm und kicherte . Er drehte sich geschwind herum und wollte sie küssen , aber sie entsprang in das Jägerhaus und guckte lachend hinter der halbgeöffneten Türe hervor . » Das ist der Dichter Faber « , sagte Leontin , dem Grafen den Nachsetzenden vorstellend . Friedrich erschrak recht über den Namen . Er hatte viel von Faber gelesen ; manches hatte ihm gar nicht gefallen , vieles andere aber ihn wieder so ergriffen , daß er oft nicht begreifen konnte , wie derselbe Mensch so etwas Schönes erfinden könne . Und nun , da der wunderbare Mensch leibhaftig vor ihm stand , betrachtete er ihn mit allen Sinnen , als wollte er alle die Gedichte von ihm , die ihm am besten gefallen , in seinem Gesichte ablesen . Aber da war keine Spur davon zu finden . Friedrich hatte sich ihn ganz anders vorgestellt , und hätte viel darum gegeben , wenn es Leontin gewesen wäre , bei dessen lebendigem , erquicklichem Wesen ihm das Herz aufging . Herr Faber erzählte nun lachend , wie ihn Friedrich in seiner Werkstatt überrascht habe . » Da sind Sie schön angekommen « , sagte Leontin zu Friedrich , » denn da sitzt Herr Faber wie die Löwin über ihren Jungen , und schlägt grimmig um sich . « - » So sollte jeder Dichter dichten « , meinte Friedrich , » am frühen Morgen , unter freiem Himmel , in einer schönen Gegend . Da ist die Seele rüstig , und so wie dann die Bäume rauschen , die Vögel singen und der Jäger vor Lust in sein Horn stößt , so muß der Dichter dichten . « - » Sie sind ein Naturalist in der Poesie « , entgegnete Faber mit einer etwas zweideutigen Miene . - » Ich wünschte « , fiel ihm Leontin ins Wort , » Sie ritten lieber alle Morgen mit mir auf die Jagd , lieber Faber . Der Morgen glüht Sie wie eine reizende Geliebte an , und Sie klecksen ihr mit Dinte in das schöne Gesicht . « Faber lachte , zog eine kleine Flöte hervor und fing an , darauf zu blasen . Friedrich fand ihn in diesem Augenblicke sehr liebenswürdig . Leontin trug dem Grafen an , mit ihm zu seiner Schwester hinüberzureiten , wenn er sich schon stark genug dazu fühle . Friedrich willigte mit Freuden ein , und bald darauf saßen beide zu Pferde . Die Gegend war sehr heiter . Sie ritten eben über einen weiten , grünen Anger . Friedrich fühlte sich bei dem schönen Morgen recht in allen Sinnen genesen , und freute sich über den anmutigen Leontin , wie das Pferd unter ihm mit gebogenem Halse über die Ebene hintanzte . » Meine Schwester « , sagte Leontin unterweges und sah den Grafen mit verstecktem Lachen immerfort an , » meine Schwester ist