, daß Sie mich gefaßt haben , und daß es noch gut mit Ihnen steht , der Herr bewahre Sie vor der Verführung der Welt ; die Genüsse , die sie Ihnen darbietet , sind von kurzer Dauer , und man kann wohl behaupten , daß ein Fluch darauf ruhe , da in dem unbeschreiblichen Ekel , in der vollkommenen Erschlaffung , in der Stumpfheit für alles Höhere , die sie hervorbringen , das bessere geistige Prinzip des Menschen untergeht . « - So sehr ich mich mühte , die Frage des Priors und das Bild , welches dadurch hervorgerufen wurde , zu vergessen , so wollte es mir doch durchaus nicht gelingen , und war es mir erst geglückt , in Gegenwart jenes Mädchens unbefangen zu sein , so scheute ich doch wieder jetzt mehr als jemals ihren Anblick , da mich schon bei dem Gedanken an sie eine Beklommenheit , eine innere Unruhe überfiel , die mir um so gefährlicher schien , als zugleich eine unbekannte wundervolle Sehnsucht und mit ihr eine Lüsternheit sich regte , die wohl sündlich sein mochte . Ein Abend sollte diesen zweifelhaften Zustand entscheiden . Der Konzertmeister hatte mich , wie er manchmal zu tun pflegte , zu einer musikalischen Unterhaltung , die er mit einigen Freunden veranstaltet , eingeladen . Außer seiner Schwester waren noch mehrere Frauenzimmer zugegen , und dieses steigerte die Befangenheit , die mir schon bei der Schwester allein den Atem versetzte . Sie war sehr reizend gekleidet , sie kam mir schöner als je vor , es war , als zöge mich eine unsichtbare unwiderstehliche Gewalt zu ihr hin , und so kam es denn , daß ich , ohne selbst zu wissen wie , mich immer ihr nahe befand , jeden ihrer Blicke , jedes ihrer Worte begierig aufhaschte , ja mich so an sie drängte , daß wenigstens ihr Kleid im Vorbeistreifen mich berühren mußte , welches mich mit innerer , nie gefühlter Lust erfüllte . Sie schien es zu bemerken und Wohlgefallen daran zu finden ; zuweilen war es mir , als müßte ich sie wie in toller Liebeswut an mich reißen und inbrünstig an mich drücken ! - Sie hatte lange neben dem Flügel gesessen , endlich stand sie auf und ließ auf dem Stuhl einen ihrer Handschuhe liegen , den ergriff ich und drückte ihn im Wahnsinn heftig an den Mund ! - Das sah eins von den Frauenzimmern , die ging zu des Konzertmeisters Schwester und flüsterte ihr etwas ins Ohr , nun schauten sie beide auf mich und kicherten und lachten höhnisch ! - Ich war wie vernichtet , ein Eisstrom goß sich durch mein Inneres - besinnungslos stürzte ich fort ins Kollegium - in meine Zelle . Ich warf mich wie in toller Verzweiflung auf den Fußboden - glühende Tränen quollen mir aus den Augen , ich verwünschte - ich verfluchte das Mädchen - mich selbst - dann betete ich wieder und lachte dazwischen wie ein Wahnsinniger ! Überall erklangen um mich Stimmen , die mich verspotteten , verhöhnten ; ich war im Begriff , mich durch das Fenster zu stürzen , zum Glück verhinderten mich die Eisenstäbe daran , mein Zustand war in der Tat entsetzlich . Erst als der Morgen anbrach , wurde ich ruhiger , aber fest war ich entschlossen , sie niemals mehr zu sehen und überhaupt der Welt zu entsagen . Klarer als jemals stand der Beruf zum eingezogenen Klosterleben , von dem mich keine Versuchung mehr ablenken sollte , vor meiner Seele . Sowie ich nur von den gewöhnlichen Studien loskommen konnte , eilte ich zu dem Prior in das Kapuzinerkloster und eröffnete ihm , wie ich nun entschlossen sei , mein Noviziat anzutreten , und auch schon meiner Mutter sowie der Fürstin Nachricht davon gegeben habe . Leonardus schien über meinen plötzlichen Eifer verwundert ; ohne in mich zu dringen , suchte er doch auf diese und jene Weise zu erforschen , was mich wohl darauf gebracht haben könne , nun mit einemmal auf meine Einweihung zum Klosterleben zu bestehen , denn er ahndete wohl , daß ein besonderes Ereignis mir den Impuls dazu gegeben haben müsse . Eine innere Scham , die ich nicht zu überwinden vermochte , hielt mich zurück , ihm die Wahrheit zu sagen , dagegen erzählte ich ihm mit dem Feuer der Exaltation , das noch in mir glühte , die wunderbaren Begebenheiten meiner Kinderjahre , welche alle auf meine Bestimmung zum Klosterleben hindeuteten . Leonardus hörte mich ruhig an , und ohne gerade gegen meine Visionen Zweifel vorzubringen , schien er doch sie nicht sonderlich zu beachten , er äußerte vielmehr , wie das alles noch sehr wenig für die Echtheit meines Berufs spräche , da eben hier eine Illusion sehr möglich sei . Überhaupt pflegte Leonardus nicht gern von den Visionen der Heiligen , ja selbst von den Wundern der ersten Verkündiger des Christentums zu sprechen , und es gab Augenblicke , in denen ich in Versuchung geriet , ihn für einen heimlichen Zweifler zu halten . Einst erdreistete ich mich , um ihn zu irgend einer bestimmten Äußerung zu nötigen , von den Verächtern des katholischen Glaubens zu sprechen und vorzüglich auf diejenigen zu schmälen , die im kindischen Übermute alles Übersinnliche mit dem heillosen Schimpfworte des Aberglaubens abfertigten . Leonardus sprach sanft lächelnd : » Mein Sohn , der Unglaube ist der ärgste Aberglaube « , und fing ein anderes Gespräch von fremden gleichgültigen Dingen an . Erst später durfte ich eingehen in seine herrliche Gedanken über den mystischen Teil unserer Religion , der die geheimnisvolle Verbindung unsers geistigen Prinzips mit höheren Wesen in sich schließt , und mußte mir denn wohl gestehen , daß Leonardus die Mitteilung alles des Sublimen , das aus seinem Innersten sich ergoß , mit Recht nur für die höchste Weihe seiner Schüler aufsparte . - Meine Mutter schrieb mir , wie sie es längst geahnet , daß der weltgeistliche Stand mir nicht genügen , sondern daß ich das