Offenbarungen denke ich giebt es überall ! Alonzos Blicke hingen unverwandt an dem Bilde , er schien ganz hineingewachsen . Offenbarungen , wiederholte er langsam , giebt es überall ! Und alle Werkzeuge der Offenbarung sind geheiligt ? Fragen Sie sich das noch , unterbrach ihn Philipp lächelnd ? Alonzo wandte sich mit einiger Heftigkeit abwärts . Er trat zum Fenster und starrte mehrere Augenblicke finster in die dunkle , unter menschliche Thorheit veraltete und verjüngte Stadt ; Haß und Unwille behaupteten wieder ihr verjährtes Recht . Er athmete tief auf , und ohne das Bild weiter anzusehen , reichte er Philipp die Hand , drückte und schüttelte sie und fragte mit abwehrender Eile : wo treffen wir einander nun wohl wieder ? Jener sah ihn etwas befremdet an , doch eine leise Empfindlichkeit schnell unterdrückend , entgegnete er heiter und zuversichtlich : Nun es trifft sich ja wohl bald einmal auf diese oder die andre Weise . Er war aufgestanden und beschäftigt , Pinsel und Palette an die Seite zu legen . Das Bild stand frei . Alonzos Blicke streiften unwillkührlich daran hin . Er riß sich unter glühendem Erröthen davon los , als Philipp wieder zu ihm gekehrt , seinen Augen begegnete . Alonzo drückte den jungen , anmuthigen Künstler an seine Brust und flog wie ein Getriebener aus dem Zimmer . Sechstes Kapitel In Paris war es indeß nach und nach zu einer gewissen Ordnung gekommen . Die Eingebornen hatten sich in gänzlicher Sicherheit beruhigt , die Fremden leidlich gewöhnt . Das Neue war alt geworden . Kein Mensch wunderte sich mehr . Man langweilte sich so alltäglich aneinander hin , und die Stadt würde vergessen haben , wie ihr geschahe , hätten Kaiser und Könige nicht von Zeit zu Zeit ihre Truppen zur Heerschau versammelt . Dahin drängte denn doch immer wieder Alt und Jung . Man ward es nicht müde die schönen , kräftigen Gestalten , den Glanz , die Behendigkeit und würdig stille Haltung der ritterlichen Helden zu bewundern . Der Trompete weckender Klang , der Waffen heller Schein , das Hurrah , der pfeilschnelle Flug behender leichtfüßiger Pferde , das Leben , die Bewegung war doch jedesmal wieder neu und verlockte Herz und Augen . Einst hatte der König von Preußen seine Garden zusammenberufen . In langen glänzenden Reihen füllten sie die Avenüe von Saint Germain . Ihr königlicher Führer hielt neben dem unvollendet gebliebenen Triumpfbogen von Jena . Die Lust ewiger rächender Vergeltung blitzte aus Aller Augen . Ohne Stolz , mit treuherziger Vergnüglichkeit sahen die zuversichtlichen , ehrenfesten Krieger auf jenes schmähende Denkmal , und nachdenklich erwogen sie , wie wunderbar Gott der Zeit und den Kräften gebiete , nur fertige , was bestehen solle . Unzählige Wagen hielten dicht aneinander gereihet , unzähliges Volk wimmelte dazwischen , Adjudanten und Commandirte rauschten nur so eben an den Zuschauern hin , man hörte nicht den Hufschlag ihrer Pferde , halb schreitend , halb fliegend schienen diese kaum den Erdboden zu berühren . Federbüsche wogten , Bajonette blitzten , Helm und Küraß leuchtete golden in spielenden Sonnenstrahlen . Voll und gewaltig schmetterten helle Kriegsklänge dazwischen , alles Leben wurde wach , alle Herzen schlugen freier , man musterte , verglich und lobte nicht mehr , man sahe , man jubelte nur . Alonzo hielt im Gefolge eines englischen Generals nahe an der Barriere de l ' Etoile . Hier hatten sich viel Wagen zusammengedrängt , der Lärm war ungeheuer , Alonzos Pferd wieherte jedem Trompetenstoß nach , und stampfte und schüttelte schäumend an dem zügelnden Gebiß . Er strich ihm wohl begütigend den schlanken Hals , und meisterte und wendete sich mit ihm bald rechts bald links , aber in der Seele war ihm wie dem feurigen Thier ; vorwärts ! rief es mit tausend Stimmen und die Zähne zusammenbeißend , schlug er die zündenden Augen gen Himmel . Er beachtete es nicht , daß dicht hinter ihm viel Lärmens und Gelächter war ; ein junger französischer Offizier sprengte mit fliegendem Ellenbogen und schwerfälliger Beweglichkeit bald hin bald her , hatte überall zu sehen und zu reden . Jetzt bog die lange Wagenreihe etwas seitwärts , die Preußische Garde dü Corps marschirte vorbei . Unwillkührlich lief ein leises Murmeln durch die Menge , man hatte nie etwas Schöneres gesehen . Ernst und gemessen ging der Zug vorbei . Alonzos Herz bebte bei dem Rasseln der Waffen , dem stolzen , sichern Tritt der Pferde , dem heitern Glanz freudiger Maiengesichter . Er hatte sich etwas genähert , um genauer zu sehen . Sein Pferd arbeitete und drängte ungestüm an die Wagen hin , er war gezwungen es zu beachten als er eben an einem perlfarbenen Muschelwagen mit silbernen Verzierungen streifte und durch einen gewaltigen Satz ein junges schlankes Frauenzimmer tödtlich erschreckte , die mit dem Rücken gegen ihn gewandt , die eine Hand auf dem Knopf des Schlages gestützt , stehend , die Regimenter vorüberziehen sah . Sie fuhr leise aufschreiend zusammen , und blickte etwas bleich und verstört nach dem schnaubenden Barber um . Ein leichter Strohhut mit blaßrothen Rosen beschattete das feine Gesichtchen , gleichwohl waren diese Augen nicht zu verkennen , Alonzo neigte sich überrascht vor seiner Unbekannten aus der Kathedrale . Der junge laut bewegliche Franzose , der sich schon früher viel um diesen Wagen zu schaffen machte , hielt auf jener Seite , so daß er Blansche gegenüber war , er machte in diesem Augenblick eine etwas rasche Bewegung zu Alonzo hin , öffnete die schmahlen , eingezogenen Lippen und stand im Begriff etwas Scharfes zu sagen , als sich Fahrende und Reuter plötzlich in Bewegung setzten und alles aneinander und durcheinander zur Stadt lenkte . Alonzo war immer grader und höher auf seinem Pferde geworden und schien noch jene gedrohete Anrede zu erwarten . Jetzt schoß er pfeilschnell nach der Barriere zu , er hätte die Welt darum gegeben , dem übermüthig fragendem Gesicht noch einmal zu begegnen , aber das wüste Gewirr wickelte sich immer dunkler