darin vertieft und versunken . Immer Sie und nichts als Sie - rief er drohend und lächelnd . - Ich sprach schnell von etwas Anderem . So kamen wir auf die hohe Grazie der Stellung . Sie gefiel ihm so überaus wohl , daß er in mich drang , ein Gemälde nach der Zeichnung in Lebensgrösse zu entwerfen . So wuchere ich dennoch mit meinem Schmerze , ohne es zu wissen und zu wollen . Wer ist mein Feind und verräth mein Innerstes ? Ach ich bin es selbst ! Sie wissen es , daß ich durch sie leide , und wollen mich rächen . So muß ich sie wieder sehen , wo ich am meisten sie fürchte ; denn ich dulde es nicht , daß man sie kränkt . Ist es Geschwätz , oder Wahrheit , was sie von meinem Werthe faseln ? Wohlan ! in ihr mögen sie mich ehren . Sie bedurfte meines Schutzes nicht , und meine Härte gegen den Fürsten , die mich schmerzt , war überflüssig . Ich hatte gedroht , ihn zu verlassen , wofern nicht die ernsthaftesten Vorkehrungen gegen Alles , was sie beleidigen könnte , getroffen würden . Ich konnte nicht anders . Sie schwebte herein , und Alles verstummte . Göttlich reizender ist sie wohl niemals gewesen . Ihre bittersten Feinde wurden an diesem Abende gewonnen . Der Fürst kam in die kleine Loge , die er sonst immer für sich allein behielt , und mir nun eingegeben hat . Als sie verschwand , faßte er plötzlich meine Hand , und zog mich fort . Sein Wagen fuhr leer davon , und wir durchschweiften die Gassen . Wie wäre es , - sagt ' er mich aufhaltend - wenn ich versuchte , ob sie würdig ist , zu dir erhoben zu werden ? Wie wäre es , wenn ich mich melden liesse ? - Sie würden nicht angenommen werden - antwortete ich mit Empfindlichkeit . Warum nicht ? Weil sie Niemand so spät noch sieht . Auch den Fürsten nicht ? Ich glaube nicht . Wollen es versuchen ! - sagte er forteilend , und ohne weiter auf mich zu achten . Nur da wir vor dem Hause standen , drückte er mir die Hand , und hieß mich einen Augenblick warten . So gewiß ich auch war , sie werde ihn abweisen , so wenig möchte ich diesen Augenblick noch einmal leben . Doch war er kurz , denn der Fürst kehrte schnell wieder zurück . Du hattest Recht ! - rief er - und ich bekenne , daß es mich wundert , daß du Recht hattest . Wahrlich ! das Mädchen ist eine Ausnahme und der Mühe werth , es kennen zu lernen . Die Zofen empfingen mich recht artig und ergeben ; aber von dem Willen ihrer Gebieterin abzuweichen , schien ihnen unmöglich . Das deutet auf vollkommene Herrschaft auch über diese Leute , die doch sonst leicht zu bestechen sind , und wer die Herrschaft vollkommen ausübt , der ist der Herrschaft würdig und stets ein erhabenes Gemüth . Ich zog seine Hand schnell an mein Herz , denn das waren mir Worte des Lebens . Er drückte mich fest gegen das seinige , nahm mich mit in den Pallast und befahl das Nachtessen in seinem Kabinete aufzutragen . So blieben wir zusammen bis weit in die Nacht , und ich vertraute ihm das ganze , tiefe Klagelied meiner Liebe . Nimm mich einmal mit - sagte er , als wir uns trennten - Ich könnte sie zu mir kommen lassen ; aber das ist doch immer unartig von unser einem , und mich nun noch feierlich melden , würde auch ein dummes Aufsehen machen . An dem Fürsten ist ihr , wie es scheint , nicht viel gelegen , laß sehen , wie sie deinen Freund aufnimmt . Wir gingen . Ich hatte sie in zwei Tagen nicht allein gesehen , und es war mir lieb , daß er mitging , denn ich fürchtete mein Herz . Wie unaussprechlich schön war sie ! Zum erstenmale sah ich den Fürsten verlegen um die Worte , und seinen freien , herrlichen Anstand in Schüchternheit verwandelt . Er faßte sich endlich , sprach von dem letzten Abende , und vertiefte sich in das Lob ihrer Kunst , was eigentlich ihrer Schönheit gehörte . O ich fühle es wohl - sagte er - welch ein Opfer mein Freund von Ihnen fordert , aber was ist der Liebe zu schwer und zu groß ? - Nichts ! - antwortete sie - Es kommt nur darauf an , ob das Opfer ihm frommt . Auch danach frägt die Liebe nicht . Das sollte sie doch . Eine Blume , die auf mütterlichem Boden erhalten , uns lange ergötzt , verwelkt schnell in unsern Händen und wird bald weggeworfen . Könnte sie lieben , durch Worte , oder Blicke uns warnen , sie würde uns bewegen , um unserer selbst willen sie nicht zu pflücken . Recht gut , daß sie das nicht kann ! denn sonst würde sie nie das Eigenthum eines Einzigen , würde nie von ihm als Eigenthum geliebt , genossen und bedauert werden . Das mögte für den Einzigen schlimmer , als für sie selbst seyn . Das ist die Frage ! - rief der Fürst aufspringend und mit grossen Schritten das Zimmer messend - das ist die Frage . Und - setzte er nach einer Weile hinzu - giebt es kein Alter ? Verzeihen Sie ! es ist vielleicht grausam , Sie in der höchsten Blüte daran zu erinnern - aber giebt es kein Alter ? und ist es nicht furchtbarer für die Weiber als für uns ? O ja ! für die Freien , so wie für die , welche Einer sich als Eigenthum unterworfen hat . Nur mit dem Unterschiede , daß die Letzten , früh oder spät , den Mißhandlungen ausgesetzt sind , vor denen sich die Ersten schützen können . Welchen Mißhandlungen ?