, und endlich mit ihrem Gemahle , von dem man wunderliche Dinge erzählte , verschwunden . Zwar wollten die Hirten diesen noch lange nachher , des Nachts , die Harfe im Arme , wie einen Geist zwischen den Bergen herumstreifend gesehen haben , und , setzte sie leiser hinzu , oft ist mir auch im Schlafe , als höre ich die Harfentöne von fern herüber schallen . Das große Haus , sagte sie dann klagend , steht nun verödet und leer . Einst hat man viel Fahrens und Reitens dort in der Nacht vernommen , nachdem ward aber alles still , und Niemand geht hinein . Ich hatte ein großes Verlangen nach dem Hause und lag der Mutter beständig an , mir den Weg dahin zu zeigen ; allein sie kannte ihn selbst nicht , und der alte Martin , der bei diesen Erzählungen immer nachdenkend vor sich hin sah , verwies mir meine Neugier sehr ernst . Wir blieben dann Alle einige Augenblicke still und betrübt , bis Florio ein Lied von einer lustigen Schifffahrt anstimmte , das die Herzen mit einem eignen Zauber belebte . Ich trug indeß das Bild der schönen Dame immer mit mir herum , und hoffte um so eher , sie solle mir einmal erscheinen , da Florio behauptete : sie komme oft im Traume zu ihm , und bringe ihm dann eine goldne Harfe und so wundervolle Blumen , wie er nie wachend gesehen habe . Voll von diesen Vorstellungen hatte ich mich einst im Gebirge verspätet und trieb meine Heerde ängstlich die Klippen hinunter , als ich ein Klingen aus dem Innern des Berges vernahm . Der Laut drang recht sehnsüchtig zu mir herauf ; allein was ich zuvor ungeduldig wünschte , erfüllte mich jetzt mit Bangigkeit . Mir grauete vor dem eignen Schatten , und die abgestorbnen hohlen Bäume schienen mir , wie gewaltige Riesen , lange dürre Arme entgegen zu breiten . So stürzte ich athemlos in die Hütte , und erzählte : daß der Berggeist mich gerufen , und wie ein Nebel über mich hingegangen sey , als ich einen stattlichen Fremden am Kamin erblickte , der mir neugierig zuhörte , und Martin nach der Bewandniß jener Erscheinungen fragte . Weiber- und Kindergeschwätz , sagte dieser gleichgültig , was wird ' s sonst seyn ! Er zog Florio an sich , und fragte halb lachend , halb besorgt : hast du nicht auch was gesehen ? Doch ohne seine Antwort abzuwarten , wandte er sich von ihm , und ging geschäftig in der Hütte umher . Der Fremde blickte gedankenvoll in die Flamme , während ich mit Kohle allerlei Gestalten an die Wand zeichnete und eben einen stattlichen Ritter vollendet hatte , als das Feuer einen so seltsamen Schein auf das Bild warf , daß des Ritters fliegender Mantel von lauter Gold zu seyn schien . Ich gedachte jener Nacht , und rief plötzlich : da steht er leibhaftig vor mir ! Sara dachte an den Berggeist und verhüllte schreiend das Gesicht ; allein Martin rief mit fester Stimme : wer ? Mein Vater , sagte ich ganz betäubt . Er trat hinzu , betrachtete mich einige Augenblicke , und sagte dann , sich still abwendend : heiliger Gott , was ist es mit dem Kinde ! Der Fremde , der dies wohl alles überhört oder anders ausgelegt hatte , war ganz im Anschauen der Zeichnungen verloren , und wollte durchaus nicht glauben , daß Niemand dies Talent in mir geweckt und ausgebildet habe . Er ließ sich bald in ein Gespräch mit mir ein , und ich erfuhr , daß er ein Mahler und auf einer weiten Reise nach seiner Heimat begriffen sey , hier im Gebirge sein Fahrzeug zerbrochen habe und für diese Nacht ein Obdach in unserer Hütte suche . Ich war damals , nach Sara ' s Schätzung , ohngefähr funfzehn Jahre alt , voll der lebendigsten Sehnsucht nach der weiten , regsamen Welt ; und wenn ich die Erscheinung jener wundervollen Frau mit jedem Tage inniger wünschte , so geschah es nur durch ihre Macht dahin zu gelangen . Ich ergriff daher des Mahlers Anerbieten , ihn nach seiner Vaterstadt zu begleiten , und dort unter seiner Leitung ein angesehener Künstler zu werden , mit der lebhaftesten Freude . Meine Pflegeeltern gaben ihre Einwilligung , und Sara , in der sich wohl die alten Zweifel wieder regen mochten , sah mich gern von ihrem Herde weichen . Nur Florio hing weinend an meinem Halse , und bat und flehete , ich möchte nur noch einige Jahre warten , bis er groß genug sey , mir überall folgen zu können . Ich habe lange das süße Stimmchen und das liebe bittende Auge nicht vergessen können ! Ach , und niemals wird die Seligkeit jener Frühlingstage wiederkehren , die wir mit einander verlebten ! Sein frommer Sinn strömte so mild über mich hin , wie der stille Abendglanz über die wilden Gluthen des Tages ! Wohl hattest du recht , mein Florio , wir durften nicht getrennt leben ; du bist der feste Stern , der meine unruhige Fahrt lenken sollte ! - Rodrich schwieg hier einige Augenblicke . Der Ritter faßte gerührt seine Hand , indem er sagte : wie liebe ich Sie dieser wehmüthigen zärtlichen Aufwallung wegen ! Vielleicht haben Sie in der ganzen Zeit Florio ' s Andenken nicht so lebendig gefühlt , als eben jetzt , da Ihnen sein Verlust unersetzlich erscheint . Das ist das Eigenthümliche jener früheren kindlichen Verbindungen , daß sie mit tausend andern Erinnerungen verschwinden , und dann plötzlich , ungeahnet , in dem frischen Glanz der Jugend vor uns hintreten , und das erschöpfte Herz mit trüber Sehnsucht erfüllen . Doch dahin sind Sie noch nicht . Der Himmelsfunke in ihrer Brust wird Florio ' s Bild noch lange beleben , und Sie werden ihn unter wechselnden Erscheinungen aufsuchen und finden . - Finden ? wiederholte der Offizier , man findet in der Regel nie , was