mit Hyacinth in tiefe Schachten hinuntergekrochen . Rosenblüthchen hat genug den alten Hexenmeister verwünscht , denn Hyacinth ist ganz versessen auf seine Gespräche gewesen , und hat sich um nichts bekümmert ; kaum daß er ein wenig Speise zu sich genommen . Endlich hat jener sich fortgemacht , doch dem Hyacinth ein Büchelchen dagelassen , das kein Mensch lesen konnte . Dieser hat ihm noch Früchte , Brod und Wein mitgegeben , und ihn weit weg begleitet . Und dann ist er tiefsinnig zurückgekommen , und hat einen ganz neuen Lebenswandel begonnen . Rosenblüthchen hat recht zum Erbarmen um ihn gethan , denn von der Zeit an hat er sich wenig aus ihr gemacht und ist immer für sich geblieben . Nun begab sichs , daß er einmal nach Hause kam und war wie neugeboren . Er fiel seinen Eltern um den Hals , und weinte . Ich muß fort in fremde Lande ; sagte er , die alte wunderliche Frau im Walde hat mir erzählt , wie ich gesund werden müßte , das Buch hat sie ins Feuer geworfen , und hat mich getrieben , zu euch zu gehn und euch um euren Segen zu bitten . Vielleicht komme ich bald , vielleicht nie wieder . Grüßt Rosenblüthchen . Ich hätte sie gern gesprochen , ich weiß nicht , wie mir ist , es drängt mich fort ; wenn ich an die alten Zeiten zurück denken will , so kommen gleich mächtigere Gedanken dazwischen , die Ruhe ist fort , Herz und Liebe mit , ich muß sie suchen gehn . Ich wollt ' euch gern sagen , wohin , ich weiß selbst nicht , dahin wo die Mutter der Dinge wohnt , die verschleyerte Jungfrau . Nach der ist mein Gemüth entzündet . Lebt wohl . Er riß sich los und ging fort . Seine Eltern wehklagten und vergossen Thränen , Rosenblüthchen blieb in ihrer Kammer und weinte bitterlich . Hyacinth lief nun was er konnte , durch Thäler und Wildnisse , über Berge und Ströme , dem geheimnißvollen Lande zu . Er fragte überall nach der heiligen Göttin ( Isis ) [ : ] Menschen und Thiere , Felsen und Bäume . Manche lachten [ , ] manche schwiegen , nirgends erhielt er Bescheid . Im Anfange kam er durch rauhes , wildes Land , Nebel und Wolken warfen sich ihm in den Weg , es stürmte immerfort ; dann fand er unabsehliche Sandwüsten , glühenden Staub , und wie er wandelte , so veränderte sich auch sein Gemüth , die Zeit wurde ihm lang und die innre Unruhe legte sich , er wurde sanfter und das gewaltige Treiben in ihm allgemach zu einem leisen , aber starken Zuge , in den sein ganzes Gemüth sich auflöste . Es lag wie viele Jahre hinter ihm . Nun wurde die Gegend auch wieder reicher und mannichfaltiger , die Luft lau und blau , der Weg ebener , grüne Büsche lockten ihn mit anmuthigem Schatten , aber er verstand ihre Sprache nicht , sie schienen auch nicht zu sprechen , und doch erfüllten sie auch sein Herz mit grünen Farben und kühlem , stillem Wesen . Immer höher wuchs jene süße Sehnsucht in ihm , und immer breiter und saftiger wurden die Blätter , immer lauter und lustiger die Vögel und Thiere , balsamischer die Früchte , dunkler der Himmel , wärmer die Luft , und heißer seine Liebe , die Zeit ging immer schneller , als sähe sie sich nahe am Ziele . Eines Tages begegnete er einem krystallnen Quell und einer Menge Blumen , die kamen in ein Thal herunter zwischen schwarzen himmelhohen Säulen . Sie grüßten ihn freundlich mit bekannten Worten . Liebe Landsleute , sagte er , wo find ' ich wohl den geheiligten Wohnsitz der Isis ? Hier herum muß er seyn , und ihr seid vielleicht hier bekannter , als ich . Wir gehn auch nur hier durch , antworteten die Blumen ; eine Geisterfamilie ist auf der Reise und wir bereiten ihr Weg und Quartier , indeß sind wir vor kurzem durch eine Gegend gekommen , da hörten wir ihren Namen nennen . Gehe nur aufwärts , wo wir herkommen , so wirst du schon mehr erfahren . Die Blumen und die Quelle lächelten , wie sie das sagten , boten ihm einen frischen Trunk und gingen weiter . Hyacinth folgte ihrem Rath , frug und frug und kam endlich zu jener längst gesuchten Wohnung , die unter Palmen und andern köstlichen Gewächsen versteckt lag . Sein Herz klopfte in unendlicher Sehnsucht , und die süßeste Bangigkeit durchdrang ihn in dieser Behausung der ewigen Jahreszeiten . Unter himmlischen Wohlgedüften entschlummerte er , weil ihn nur der Traum in das Allerheiligste führen durfte . Wunderlich führte ihn der Traum durch unendliche Gemächer voll seltsamer Sachen auf lauter reitzenden Klängen und in abwechselnden Accorden . Es dünkte ihm alles so bekannt und doch in niegesehener Herrlichkeit , da schwand auch der letzte irdische Anflug , wie in Luft verzehrt , und er stand vor der himmlischen Jungfrau , da hob er den leichten , glänzenden Schleyer , und Rosenblüthchen sank in seine Arme . Eine ferne Musik umgab die Geheimnisse des liebenden Wiedersehns , die Ergießungen der Sehnsucht , und schloß alles Fremde von diesem entzückenden Orte aus . Hyacinth lebte nachher noch lange mit Rosenblüthchen unter seinen frohen Eltern und Gespielen , und unzählige Enkel dankten der alten wunderlichen Frau für ihren Rath und ihr Feuer ; denn damals bekamen die Menschen so viel Kinder , als sie wollten . - Die Lehrlinge umarmten sich und gingen fort . Die weiten hallenden Säle standen leer und hell da , und das wunderbare Gespräch in zahllosen Sprachen unter den tausendfaltigen Naturen , die in diesen Sälen zusammengebracht und in mannichfaltigen Ordnungen aufgestellt waren , dauerte fort . Ihre innern Kräfte spielten gegen einander . Sie strebten in ihre Freiheit , in ihre alten Verhältnisse zurück . Wenige standen auf ihrem eigentlichen Platze , und