? Er . Weil sie England mehr vermeiden als suchen werden . Mehrere Aeußerungen der Mutter verriethen das . Ich . Aber Engländerinnen waren sie ; das ist gewiß . Er . Nach ihrer Aussprache kam es mir selbst so vor . Das widerspricht aber meiner Vermuthung ganz und gar nicht . Glauben Sie mir , lassen Sie uns nach Berlin gehn . Ich . Sollten sie da seyn ? - Er . Wer weiß ! - überdem war es ja auch unser Plan über Berlin und Wien nach Italien zu reisen . Ich . Ach Berlin , Wien , Italien , die ganze Welt ist mir zuwider , finde ich sie nicht ; so ist mir das Leben eine Last . Er . Fassen Sie Muth ! es müßte ... Ich . Muth ! zu einem Leben ohne Liebe ? - Er . Wer sagt das ? Ich . Ihr , Ihr Alle ! mein steifer Herr Hofmeister dazu . - Gottlob daß ich ihn endlich einmal los bin ! - ginge es nach Eurem Willen , so säße ich den ganzen Tag und schwitzte über großen Quartanten . Ach das ekelhafte Gewäsch von Pflicht ! wie ist es mir doch in den Tod zuwider ! Pflicht ! Pflicht und nichts als Pflicht ! - der Henker hole Eure Pflicht ! - meine erste Pflicht ist mich glücklich zu machen ! - Er . Mögten Sie nur den rechten Weg dazu nicht verfehlen ; wenn Sie doch einmal nicht mehr als glücklich seyn wollen . » Nein bey Gott ! « rief ich , mit einem bittern Lächeln - » mehr will ich nicht seyn ! Und mein hochweiser Herr Professor , womit könnten Sie denn sonst noch dienen ? - was kann man denn mehr seyn als glücklich ? « - Er . Gut . » Höre ! « - sagte ich ärgerlich - » nur nicht wieder mit deinen Rasereyen ! - mach Anstalt zur Reise ! morgen will ich mit der Tante sprechen . « Zweytes Kapitel Meine Tante konnte und durfte nun freylich keinen andern Willen haben , als den Meinigen ; gleichwohl that ich dieses Mahl was sie wünschte , und nahm meinen Weg nach Berlin . Theils weil ich keine Hoffnung hatte , Marie in England zu finden , theils weil mich in Berlin ein angenehmer Zirkel von Freunden und Bekannten erwartete . Ich bekam Empfehlungsbriefe die Menge und noch vor Ende des Junius waren wir vollkommen einheimisch daselbst . Heinrich warf sich nun von Neuem auf seine Bücher , während ich auf den Spaziergängen herumstrich , und keinen Abend das Schauspiel verfehlte , um Marie wo möglich zu entdecken . Das Einzige , was mich noch etwa außerdem beschäftigte : war Musik und Geschichte . Musik , um für meinen Schmerz einen Ausdruck zu finden , und Geschichte , um Heinrich durch Thatsachen niederzuschlagen ; wenn er etwa für gut finden sollte , mir seine Puppe die Vervollkommung des Menschengeschlechts anzupreisen , Ach meine , durch die Liebe genährte und unterdrückte Sinnlichkeit , und die beständig getäuschte Hoffnung Marie zu finden - alles gab meinem Charakter jetzt eine Bitterkeit , welche bey dem gänzlichen Mangel an Selbstüberwindung oft in eine Art von Wuth überging . Mehrere meiner Empfehlungsschreiben waren schon abgegeben , aber noch hatte ich mich zu keinem Besuche entschließen können . Im Gegentheil war ein alter Freund meiner Tante wirklich durch mich beleidigt . Er begegnete mir auf einem Spaziergange , und erkundigte sich mit vieler Theilnahme nach meinem Befinden . Meine Tante hatte mich allenthalben als krank angekündigt ; und leider war es dem Herzen nah nur gar zu wahr . Aber in dem Augenblicke , da ich ihm meine Dankbarkeit bezeigen wollte ; ward ich ein Frauenzimmer gewahr , das mir eine auffallende Aehnlichkeit mit Marien zu haben schien . - Mehr bedurfte es nicht , um mich den guten alten Mann und alles was er mir sagte , vergessen zu machen . Ich eilte hinter dem Frauenzimmer her , und wurde erst spät meine große Unhöflichkeit gewahr . Aehnliche Züge , besonders das anscheinend zwecklose Verfolgen der Frauenzimmer , erwarben mir bald den Nahmen des schönen Verrückten , und es wurde für die Damen ein interessantes Geschäft , sich einander zu erzählen : wann , wo , und wie oft , sie den schönen Verrückten gesehen hatten . Jetzt drang man mit einer Menge Einladungen auf mich ein , und ich mußte mich , ohngeachtet meines großen Widerwillens , entschließen , wenigstens mit einem Hause den Anfang zu machen . Drittes Kapitel » Ein Ball ? - ja das lasse ich mir gefallen ! - Marie - wer weiß - o Gott wenn es möglich wäre ! - ja ! ja ich nehme es an ! überdem finde ich dort eine Menge Bekannte , und kann bey der Gelegenheit am besten eine Auswahl treffen . « Da war ich denn mitten unter einem Haufen geschminkter und ungeschminkter Schönen . - Ach , ich suchte ein Mariengesicht , aber es war nicht zu finden . Nackte Arme , zur Schau ausgestellte Busen , übermäßig zärtliche Augen . - Das alles wirkte freylich auf meine Sinne , aber mein Herz fühlte sich dennoch verwaist . Indem nun Sinnlichkeit und Schmerz sich meiner abwechselnd bemeisterten ; fiel es mir auf , daß Alt und Jung , sobald der Tanz geendigt war , nur immer nach einer Seite des Zimmers hinströmte . Neugierig drängte ich mich vor , die Ursache davon zu entdecken , und wurde zu meinem größesten Erstaunen , mitten in einem Zirkel von jungen Männern und blühenden Mädchen eine Person gewahr , welche weder schön noch jung und beynahe in ein sehr einfaches graues Kleid verhüllt war . » Unbegreiflich ! « - sagte ich zu meinem Nachbar - wegen dieser Person drängt sich alles dahin ! - Er . Sehr begreiflich ; wenn man sie kennt . Ich . Aber wer ist sie denn ? Er .