Tische liegendes Album mit Aquarellzeichnungen ergriffen und blätterte darin , während die Fürstin sich in die Sofakissen zurücklehnte . » Hast du schon gehört , daß dein Administrator beabsichtigt , selbst Gutsherr zu werden ? « warf sie im Laufe des Gespräches hin . » Er geht ernstlich damit um , sich in der Nachbarschaft anzukaufen . Die Stellung in Wilicza muß doch sehr einträglich gewesen sein , denn soviel ich weiß , besaß Frank kein Vermögen , als er hierher kam . « » Er hat aber zwanzig Jahre lang ein sehr bedeutendes Einkommen gehabt , « meinte Waldemar , ohne von den Blättern aufzusehen . » Nach der Art , wie sein Haushalt eingerichtet ist , kann er kaum die Hälfte davon verbraucht haben . « » Und nebenbei wird er auch wohl seinen Vorteil wahrgenommen haben , wo und wie es nur anging . Doch das beiseite – ich wollte dich fragen , ob du schon an einen Ersatz für ihn gedacht hast ? « » Nein . « » So möchte ich dir einen Vorschlag machen . Der Pächter von Janowo vermag das Gut nicht mehr zu halten ; er ist durch unverschuldete Unglücksfälle zurückgekommen und genötigt , sich wieder in Abhängigkeit zu begeben . Ich glaube , daß er sich für die Stellung in Wilicza ganz außerordentlich eignen würde . « » Ich glaube es nicht , « sagte Waldemar sehr ruhig . » Der Mann ist den ganzen Tag betrunken und hat seine Pachtung durch eigene Schuld und in der unverantwortlichsten Weise zu Grunde gerichtet . « Die Fürstin biß sich auf die Lippen . » Wer hat dir das gesagt ? Der Administrator jedenfalls . « Der junge Gutsherr schwieg , während seine Mutter in etwas gereiztem Tone fortfuhr : » Ich denke begreiflicherweise nicht daran , dich in der Wahl deiner Beamten zu beeinflussen , aber in deinem eigenen Interesse möchte ich dich doch warnen , den Verleumdungen Franks so unbedingten Glauben zu schenken . Der Pächter ist ihm als Nachfolger unbequem und deshalb intrigiert er gegen ihn . « » Schwerlich , « versetzte Waldemar mit derselben Gelassenheit wie vorhin , » denn er weiß bereits , daß ich ihm keinen Nachfolger zu geben gedenke . Für die Einzelheiten der Wirtschaft genügen die beiden deutschen Inspektoren vollkommen , und was die Oberleitung betrifft , so werde ich sie selbst in die Hand nehmen . « Die Fürstin stutzte . Es war , als ob ihr etwas plötzlich den Atem raube . » Du selbst ? « wiederholte sie . » Das ist mir neu . « » Das sollte es doch nicht sein . Es ist ja stets die Rede davon gewesen , daß ich meine Güter einmal selbst übernehmen würde . Der Universitätsbesuch und die Reisen haben das wohl verzögert , aber doch nicht aufgehoben . Die Land- und Forstwirtschaft kenne ich genügend ; dafür hat mein Vormund gesorgt . Ich werde allerdings einige Mühe haben , mich in die hiesigen Verhältnisse hineinzufinden , aber bis zum Frühjahr bleibt mir ja noch Frank zur Seite . « Er warf das alles mit einer Gleichgültigkeit hin , als sage er ganz selbstverständliche Dinge , und schien dabei so vollständig in die Betrachtung einer Aquarellzeichnung vertieft zu sein , daß er die Bestürzung seiner Mutter gar nicht gewahrte . Diese hatte sich aus ihrer nachlässigen Stellung aufgerichtet und sah ihn forschend und unverwandt an , aber sie machte dieselbe Erfahrung wie gestern ihre Nichte – aus diesem Antlitze ließ sich nichts herauslesen . » Es ist doch seltsam , daß du nie ein Wort über diesen Entschluß hast fallen lassen , « bemerkte sie . » Du ließest uns alle nur an einen kurzen Besuch glauben . « » Er war auch anfangs beabsichtigt , aber ich sehe , daß den Gütern die Hand des Herrn fehlt . Ueberhaupt , « fuhr er nach einer Pause fort , » habe ich mit dir zu reden , Mutter . « Er schloß das Buch und warf es auf den Tisch . Jetzt zum erstenmal kam der Fürstin der Gedanke , der » Instinkt « Wandas könne doch richtiger gesehen haben , als ihr eigener sonst so untrüglicher Blick ; sie sah den Sturm kommen , aber sie war auch sofort bereit , ihm zu begegnen , und der Ausdruck von Entschlossenheit in ihrem Gesichte ließ keinen Zweifel darüber , daß es ein schwerer Kampf sein werde , den der Sohn mit ihr zu bestehen hatte . » So sprich ! « sagte sie kalt . » Ich höre dir zu . « Waldemar hatte sich erhoben und das Auge finster auf sie gerichtet . » Als ich dir vor vier Jahren Wilicza zum Wohnsitze anbot , fühlte ich mich verpflichtet , die Stellung meiner Mutter in einer Weise zu regeln , daß sie hier als Schloßherrin auftreten konnte – die Güter selbst blieben ja wohl mein Eigentum ? « » Hat dir das schon jemand bestritten ? « fragte die Fürstin in gleichem Tone . » Ich dächte , dein Recht auf deine Güter wäre noch von keiner Seite angezweifelt worden . « » Nein , aber ich sehe jetzt , was es heißt , sie jahrelang in den Händen der Baratowski und Morynski zu lassen . « Die Fürstin erhob sich jetzt gleichfalls . Mit ihrem ganzen Stolze stand sie dem Sohne gegenüber . » Was soll das heißen ? Willst du etwa mich dafür verantwortlich machen , wenn die Verwaltung nicht nach deinen Wünschen ist ? Klage deinen Vormund an , der hier ein halbes Menschenalter hindurch eine ganz unerhörte Beamtenwirtschaft duldete ! Mir ist das nicht verborgen geblieben , aber das hast du mit deinen Untergebenen auszumachen , mein Sohn , und nicht mit mir . « » Mit meinen Beamten ? « rief Waldemar bitter . » Ich glaube , Frank ist der einzige , der mich noch als Herrn anerkennt ; die übrigen stehen sämtlich in deinen Diensten