meinte Taun . Heim nickte ihm vergnügt zu und brummte wohl ­ gefällig : „ Nun wendet sich das Blatt . “ „ Meine Herren “ , sprach Johannes mit Ener ­ gie , „ lassen Sie sich davon nicht beirren ! Wenn es auf die Fähigkeiten der Betreffenden ankäme , hätte uns schon die vorhin gelesene Schrift zu einem ande ­ ren Entschluß bringen müssen , aber es handelt sich hier um einen sozialen Grundsatz , 19 von dem wir nicht um einer Einzigen willen abgehen dürfen . Muß ich Ihnen das noch wiederholen , was Sie selbst so reif ­ lich erwogen ? “ „ Unser verehrter Kollege bleibt Sieger wie im ­ mer “ — sagte Taun , mit seiner würdevollen Freund ­ lichkeit , Johannes die Hand reichend : „ man kann Ih ­ nen nicht Unrecht geben . “ „ Eine Frau mit dem Preise gekrönt “ — mur ­ melte Herbert beim Hinausgehen , „ der Ärger bringt mich ums Leben ! “ „ Schade “ , sagten die Herren , als er fort war , „ daß der heitere Morgen durch Herbert so gestört wurde . “ „ Laßt es Euch nicht kränken , liebe Freunde “ , lachte Johannes : „ Es tat mir wohl , ihm einmal die Wahrheit zu sagen — das ist Einer von der Gattung , die sich auch geistig nur im Kampfe ums Da ­ sein erhält.20 Vernichten , um zu bestehen , das ist ihr Grundsatz und deshalb sind sie geborene Gegner jedes Talentes . Sie müssen es morden , weil sie die Macht nicht in sich fühlen , es zu überflügeln , sie müssen sich wehren im Schweiße ihres Angesichts , um von der Fülle lebendiger Kräfte , die sich um sie her regt , nicht erdrückt zu werden . Wer außerhalb ihrer unheilvol ­ len Wirksamkeit steht , mag solche Subjekte bemitlei ­ den , wer aber von ihrem giftigen Biß erreicht werden kann , der muß sie fürchten als Erbfeinde alles Werdens und Schaffens . Wenn ich auch die Be ­ strebungen der Hartwich nicht billige , so hat mich doch von Anfang an die Gehässigkeit , mit der er ihr ent ­ schiedenes Talent verurteilte , empört ! “ „ Das ist sehr wahr ! “ sagte der Philosoph Taun . „ Traurig , wenn solche verkörperte Negationen das freie , fröhliche Wirken in den Künsten beeinträch ­ tigen , — doppelt traurig aber , wenn sie es in der Wissenschaft tun ! “ „ Wer hätte das gedacht ! “ rief Angelika , „ der galante Professor Herbert , der bei allen Soupers Toaste auf die Damen ausbringt ! Ich bin noch voll Erstaunen . “ „ Wer den Damen huldigt , meine liebe Kolle ­ gin , braucht deshalb noch kein Verehrer der Frauen zu sein , — denn das , was die moderne Dame aus ­ macht , ist bekanntlich nach meinem Kollegen Schopen ­ hauer nicht die Kraft , sondern die Schwäche des Geschlechtes “ , erwiderte Taun.21 „ Ja wohl “ , fiel Johannes ein : „ Mit einer Schwäche kann ein solcher Mensch Nachsicht haben — aber eine Kraft muß er bekämpfen . “ „ Na , warten Sie nur , Herr Kollege Herbert “ , rief Angelika , indem sie ihr kurzes , dickes Zeigefingerchen drohend nach der Tür ausstreckte : „ Ihnen will ich Ihre Bosheiten gedenken , — paßt auf : vor allen seinen Freundinnen werde ich dem Wolf den galan ­ ten Schafspelz herunterreißen ! Und Du Moritz — mit Dir habe ich auch noch ein Wort zu reden , aber erst , wenn wir allein sind . “ Die Herren lachten und nahmen ihre Hüte . „ Nun , auf eine so reizende Gardinenpredigt dür ­ fen wir unsern Kollegen Kern nicht einen Augenblick warten lassen “ , sagte Taun . Alle verabschiedeten sich mit Ausnahme Heims , Hilsborns und Moritzens . „ So “ , — begann Angelika schmollend : „ Du böser , abscheulicher Mann , wir sollen nichts tun , als Strümpfe stricken ? “ „ Nein , noch etwas “ , schäckerte Moritz , ihren Kopf zwischen beide Hände nehmend , „ küssen — das ist auch ein schöner Beruf ! “ „ Geh — das kann auch die Dümmste , die Klugen sind zu etwas Besserem da . “ „ Kein Weib , das einen so süßen Mund hat , kann etwas Besseres tun ! Nur die , welche häßlich oder alt sind , sollen Strümpfe stricken ! “ „ Ach , Du hast nur Späße im Kopfe — mir aber tut die arme Ernestine nun wirklich leid und es schmerzt mich von Dir , daß Du so hart gegen sie bist ! “ Ein einziger strenger Blick fiel aus Moritzens schwarzen Augen auf Angelika , aber vor diesem Blicke verstummte sie sogleich . „ Du weißt “ , sagte er dann gütig aber streng , wie zu einem Kinde , „ daß ich es nicht liebe , wenn Du über Dinge urteilst , von denen Du nichts verstehst . “ — Angelika blickte vor sich nieder und eine Träne glänzte in ihren vollen , blonden Wimpern . „ Was ist denn das ? “ fragte Moritz freundlich und zog sie an sich — „ weinen ? warum nicht gar ! Ein Tautröpfchen in einem Rosenkelch , nicht wahr ? Weiter nichts ! “ Er wischte ihr die Tränen weg und nun lächelte sie ihn auch schon wieder an . „ Ein Glück für Dich , mein Sohn “ , sagte die Staatsrätin mit mildem Ernst , „ wenn das Herz Deiner Frau so warm ist , daß jeder Reif , den ein hartes Wort hinein wirft , darin zu einer Träne schmilzt ; so tut es doch weiter keinen Schaden . “ Moritz sah die Schwiegermutter an , und dann seine Frau : „ Angelika , war ich hart ? “ Angelika schüttelte das lockige